Richter
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Der Fall wird am Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen verhandelt (Symbolbild).

Mann (36) schlief nach Hochzeit betrunken im Auto

Murnauer schubst und beleidigt Polizisten: Jetzt steht er vor Gericht

Ein Murnauer schläft betrunken im Auto. Als Polizisten anklopfen, randaliert er. Jetzt steht der 36-Jährige vor Gericht.

  • Weil er Polizisten angriff, steht ein 36-jähriger Murnau vor Gericht.
  • Nach einer Hochzeit hatte er betrunken im Auto geschlafen.
  • Die Verhandlung wird vertagt.

Murnau – Eine verflixte Situation hat sich Ende Oktober vergangenen Jahres zu später Stunde in Murnau ergeben: Die Polizei kontrollierte ein Auto mit laufendem Motor, bei dem die Warnblinkanlage aufleuchtete. Im Fahrzeug entdeckten die Beamten einen tief schlafenden Mann. Als dieser erwachte, griff er die Polizisten an und beleidigte sie.

Verfahren geht in die Verlängerung

Der 36-jährige Murnauer musste sich nun wegen eines tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte vor dem Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen verantworten. Weil nur einer der beiden betroffenen Polizisten aussagen konnte, wurde die Hauptverhandlung ausgesetzt. Das Verfahren geht jetzt in die Verlängerung. „Die Aussage des Geschädigten wäre hilfreich“, sagte Staatsanwalt Francisco Sauter-Orengo. Richter Andreas Pfisterer setzte den 22. Oktober als neuen Termin fest.

Richter forscht nach

Zunächst wollte der Richter klären, ob die Amtshandlung der Polizei überhaupt rechtmäßig war. Einer der Beamten der Polizeiinspektion Murnau gab an, dass er an die Scheibe des Autos klopfte, das an einem Parkplatz stand. Darin befand sich ein schlafender Mann. Die Kontrolle sei durchgeführt worden, weil die Beamten prüfen wollten, „ob er gefahren ist oder fahren möchte“, rechtfertigte sich der 25-Jährige. Als der am Steuer sitzende Mann aufwachte, machte er mehrmals die Türe wieder zu. Anschließend stieg der Betrunkene aus und wurde rabiat. „Er hat meinen Kollegen weggeschubst, er hat uns beleidigt und stark um sich getreten“, schilderte der Polizeibeamte. Sie brachten den renitenten Randalierer zu Boden und fesselten ihn. Vordringliches Ziel war es, den Mann zur Gewahrsamsprüfung auf die Dienststelle zu bringen.

1,8 Promille im Blut

„Wäre es zur Gefahrenabwehr nicht ausreichend gewesen, den Schlüssel wegzunehmen“, fragte Pfisterer. Der Beamte stellte klar, dass der 36-Jährige bereits erheblichen Widerstand geleistet hatte. Zur Identitätsfeststellung hätten die Beamten ihn mitnehmen müssen. Weil er einen Alkoholtest im Polizeirevier verweigerte, fuhren die Beamten mit ihm in die Unfallklinik. Ergebnis: 1,8 Promille. „Da passt alles“, war der Richter nun überzeugt, „die Diensthandlung war schon rechtmäßig.“

Beim Brautverziehen kräftig getrunken

Der Angeklagte war zuvor auf einer Hochzeit im Kultur- und Tagungszentrum. „Beim Brautverziehen, da trinkt man Wein. Da kommt eins zum anderen“, sagte der 36-Jährige, der sich zum Schlafen in den Wagen legte. Er konnte nicht sagen, ob er vorne oder hinten im Auto saß, ob der Motor lief. Als an die Scheibe geklopft wurde, habe er fest geschlafen. „Ich habe nicht registriert, dass es die Polizei ist.“ Er gab an, dass er zu Boden gebracht und gefesselt wurde. „Das wollte ich nicht, ich war mir keiner Schuld bewusst“, fuhr er fort. Er sei aufgebracht gewesen, weil die Polizisten ihn so gepackt hätten. „Weil ich so um mich gehauen habe und mich gewehrt habe, haben die mich zur Blutentnahme mitgenommen.“

Verteidiger erinnert an Vorfall von 2018

Sein Verteidiger Richard Schmitt sprach einen Vorfall vom Januar 2018 an. Dabei sei sein Mandant in Murnau in der Nähe einer Disco von drei Männern überfallen worden. „Ich bin von hinten gewürgt worden“, berichtete der Murnauer. Seitdem sei er schreckhaft und leide unter Angstzuständen. Dass es zum Widerstand des Angeklagten, sei nicht allein ihm zuzuordnen, sagte Schmitt. „Zur Deeskalation hat die Polizei nicht beigetragen.“

Zweiter Polizist soll gehört werden

Genau das war der Punkt. Pfisterer hielt dem Beschuldigten zugute, dass er eine „blöde Situation“ geraten ist. „Er wird aus dem Schlaf gerissen, ist stark alkoholisiert.“ Um sich ein präzises Bild zu verschaffen, benötigt der Richter die Sichtweise des zweiten Polizisten.

Alexander Kraus

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