Können stolz sein: Die Schüler (hi. v. l.) Kathinka Keup und Johanna Wimmer mit Direktor Tobias Schürmer sowie (vo. v. l.) Momo Steinleitner, Maria Schilcher, Lehrkraft Richard Mohr, Jonathan Süßenbach und Lehrerin Verena Oswald.
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Können stolz sein: Die Schüler (hi. v. l.) Kathinka Keup und Johanna Wimmer mit Direktor Tobias Schürmer sowie (vo. v. l.) Momo Steinleitner, Maria Schilcher, Lehrkraft Richard Mohr, Jonathan Süßenbach und Lehrerin Verena Oswald.

Preiswürdiges Schülerprojekt

Dem Populismus Paroli bieten: Murnauer Gymnasiasten zählen zu Gewinnern des Wettbewerbs „Demokratisch Handeln“

Murnauer Gymnasiasten zählen zu den Gewinnern eines Demokratie-Wettbewerbs. Sie schrieben Kurzgeschichten und verfassten Slogans zu Themen wie Rassismus, Feminismus oder Homosexualität.

  • Murnauer Gymnasiasten zählen zu den Gewinnern des Wettbewerbs „Demokratisch handeln“.
  • Damit haben sie sich für den Deutschen Engagementpreis qualifiziert.
  • Schulleiter Tobias Schürmer wünscht sich eine zweite Auflage des Kunstprojekts.

Murnau – Wie einfach man in die Rolle eines Hetzers schlüpfen und Unwahrheiten im Netz verbreiten kann, haben Schüler des Staffelsee-Gymnasiums Murnau am eigenen Leib erfahren. Bei einem Workshop der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit schlüpften einige Gymnasiasten in die Rolle von Populisten – andere spielten die „Guten“, indem sie sachliche Gegenargumente lieferten. „Es war erschreckend einfach, im Chat Thesen zu verbreiten und fremde Menschen aufzuwiegeln“, berichtet Teilnehmerin Maria Schilcher rückblickend.

54 Konzepte aus ganz Deutschland ausgezeichnet

Anlass für dieses Experiment war ein politisches Kunstprojekt mit dem Titel „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“. Wie berichtet, resultierte daraus ein gleichnamiges Buch sowie eine Taschenkollektion mit selbst generierten Slogans. Dieses Engagement wurde nun offiziell gewürdigt: Das Projekt zählt zu den Gewinnern des Wettbewerbs „Demokratisch Handeln“, der vom gleichnamigen Förderverein organisiert wird. Unterstützung kommt unter anderem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, vom Bayerischen Kultusministerium sowie mehreren Stiftungen. Dabei wurden insgesamt 54 Konzepte aus ganz Deutschland geehrt.

Fünfzehn Schüler wirken mit

Eigentlich sollten die Sieger heuer im Juni an einer Lernstatt in Jena mitwirken – doch diese läuft coronabedingt digital ab. Dennoch ist die Freude bei den Murnauer Gymnasiasten groß. Immerhin haben die fünfzehn Teilnehmer aus den sechsten bis elften Jahrgangsstufen viel Herzblut investiert. Sie schrieben Kurzgeschichten und verfassten Slogans zu Themen wie Rassismus, Feminismus oder Homosexualität. Die daraus gewonnenen Werte tragen die Schüler mit sich, denn das Projekt hat ihre Sicht auf die Welt nachhaltig verändert: „Ich gehe mit einem anderen Blick durchs Leben und mache mein Umfeld aufmerksam, wenn ich Zeuge von populistischer Hetze werde“, erzählt der 15-jährige Jonathan Süßenbach. Der Murnauer bezeichnet das Konzept als „augenöffnend“. Dem kann Kathinka Keup (14) nur beipflichten. Sie erzählt, dass im Schulalltag oft diskriminierende Sprache verwendet wird, wie zum Beispiel „voll behindert“ im Kontext einer Herabwürdigung. Bestärkt durch das Projekt, spricht sich die Murnauerin nun aktiv dagegen aus: „Ich mache deutlich, dass es provokant und verletzend ist. Aber das kommt nicht bei jedem an.“

Kooperation mit Jörg Steinleitner

Über dieses mutige Einstehen für die eigenen Werte freuen sich die betreuenden Lehrkräfte Richard Mohr und Verena Oswald. Sie kooperierten mit dem Riegseer Autor Jörg Steinleitner, der das Ganze angestoßen und den gestaltenden Teil mit Hilfe seiner Frau Nana Klaas sowie den Künstlerinnen Susanne Winter und Sonnja Riedl organisiert hatte. Der Schriftsteller stellte zudem die komplette Finanzierung sowie die Kooperation mit der Bayerischen Landeszentrale für Politische Bildungsarbeit auf die Beine.

Für Engagementpreis qualifiziert

Für die Anmeldung zum Wettbewerb ist Oswald verantwortlich. Sie sieht darin eine neue Chance: „Durch die Platzierung unter den Gewinnern haben wir uns für den nächsthöheren Preis qualifiziert“, erklärt die Pädagogin. Gemeint ist der Deutsche Engagementpreis – eine der bundesweit wichtigsten Würdigungen für bürgerliche Teilhabe, gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Schürmer: Relevantes Thema

Man sieht: Das Projekt ist zwar offiziell abgeschlossen, aber längst nicht zu Ende. „Die Thematik ist gesellschaftlich und politisch relevant. Das wird auch in den nächsten Jahren so bleiben“, glaubt Schulleiter Tobias Schürmer. Er ist der Meinung, dass sich grundsätzlich alle Schüler derart intensiv mit Populismus auseinandersetzen sollten. Daher wünscht sich Schürmer eine zweite Auflage. Damit ist er nicht allein: Steinleitner erklärt auf Tagblatt-Nachfrage, dass er sich durchaus vorstellen könne, wieder mit im Boot zu sitzen. Denn: „Unser Projekt kann dazu beitragen, dass die Sensibilität in der Bevölkerung für populistische Tendenzen immer größer wird.“

Constanze Wilz

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