Ein Radfahrer zeichnet sich im Gegenlicht der aufgehenden Sonne als Silhouette ab.
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Ein Radfahrer zeichnet sich im Gegenlicht der aufgehenden Sonne als Silhouette ab.

Scheuerer und Probst ergreifen Initiative

Kritik an Radwegenetz: „Es tut sich zu wenig“

  • Silke Reinbold-Jandretzki
    VonSilke Reinbold-Jandretzki
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Radeln erfährt einen Boom – doch der Landkreis hinkt nach Ansicht von Christian Scheuerer (Ohlstadt) und Welf Probst (Murnau) bei der Infrastruktur hinterher. Die Kreisräte schieben nun das Thema an – mit einem Antrag, der darauf abzielt, das Radwegenetz schrittweise zu verbessern.

  • Christian Scheuerer (Ohlstadt) und Welf Probst (Murnau) halten die Radweg-Infrastruktur im Landkreis für verbesserungswürdig.
  • Die beiden haben daher einen Antrag an den Kreistag eingereicht.
  • Scheuerer sieht den Vorstoß als „Baustein im Rahmen der Verkehrswende“.

Murnau/Ohlstadt/Landkreis – Gut, es gibt den Radschnellweg zwischen Murnau und Garmisch-Partenkirchen, der nicht ganz unproblematisch in der Realisierung war und der Fertigstellung harrt. Dieser, sagt Ohlstadts Bürgermeister Christian Scheuerer, könne jedoch nur ein Teil eines Gesamtkonzepts sein. Hier hakt es in seinen Augen: „Wir reden schon seit so langer Zeit, und es tut sich meiner Meinung nach zu wenig.“

Gemeinsam mit Welf Probst will Scheuerer Anschubhilfe leisten – mit einem Antrag an den Kreistag, den der stellvertretende Fraktionsvorsitzende und sein Murnauer Kollege für die Freien Wähler der Landkreisgemeinden (FWL) eingereicht haben. Dieser zielt darauf ab, das Radwegenetz zwischen Staffelsee und Karwendel zu verbessern. Konkret sollen vorhandene Routen ertüchtigt und in einen akzeptablen Zustand gebracht, weitere Querverbindungen gebaut und Lücken geschlossen werden. In einem ersten Schritt beantragt die Fraktion, das zuständige Staatliche Bauamt Weilheim aufzufordern, jene Radwege zu überprüfen und zu planen, die Bundes- und Staatsstraßen begleiten. Denn: Diese Routen lassen sich nicht von heute auf morgen schaffen – es geht „um ein sehr komplexes Thema mit diversen Zuständigkeiten, möglichen Grundstücksverhandlungen, Einbeziehung des Naturschutzes und weiterer unterschiedlicher zuständiger Fachstellen“, heißt es in dem Vorstoß an den Kreistag, der nach Angaben von Probst im September behandelt werden soll. „Das Landratsamt ist hier eigentlich nicht zuständig“, weiß der Murnauer Freie-Wähler-Chef, „aber es kann Anschub leisten, dass man in die Planung und in die Umsetzung geht.“ Der Kreistag soll eine Willensbekundung abgeben.

Besser von A nach B

Dabei hat Probst mit seinem Fraktionskollegen nicht in erster Linie die vielen Urlauber im Sinn, die zunehmend die Region auf dem Rad erkunden. „Es geht jetzt nicht darum, uns touristisch zu verbessern und uns vielleicht irgendwann als Radregion zu vermarkten“, sagt Scheuerer, „sondern darum, den Pendlern, einfach den Einheimischen, die Möglichkeit zu geben, zwischen den Orten besser von A nach B zu kommen.“ Davon profitiere dann auch der Tourismus, sagt Probst.

Den Antrag will Scheuerer generell als „Baustein im Rahmen der Verkehrswende“ verstanden wissen. Radfahren boomt – seit Corona noch mehr als zuvor. Das gilt nicht nur für den Freizeitbereich: Das Bike dient zunehmend als Verkehrsmittel zum Arbeitsplatz. Um der Entwicklung gerecht zu werden, benötige der Landkreis ein umfassendes und schlüssiges Radwegenetz, heißt es im Antrag. „Das Hauptaugenmerk muss dabei vor allem auf durchgängig asphaltierten und sicheren Wegen zwischen den verschiedenen Gemeinden liegen.“ Durchgängig asphaltiert – an diesem Punkt hakt es auch beim neuen Schnellweg noch.

Überhaupt erkennt Probst, der auch in anderen Ländern radelt und internationale Vergleiche anstellen kann, Nachholbedarf: „Man sieht, dass es im Süden Deutschlands fehlt. Der Rest ist viel weiter, Italiener und Österreicher sind es auch.“

„Überall Lücken“

Die problematische Lücke im Landkreis kann er gar nicht nennen: „Es gibt überall Lücken.“ Dem Radschnellweg müssen nach Ansicht der FLW-Fraktion weitere Projekte folgen. Sie listen diverse fehlende Querverbindungen auf – neben jener vom Loisach- ins Ammertal über den Ettaler Berg unter anderem die zwischen Gerold und Klais, Bad Bayersoien und Saulgrub, Murnau und Hofheim sowie Spatzenhausen, Grafenaschau und Westried sowie von dort nach Bad Kohlgrub, von Riedhausen zum Bahnhof Uffing oder zwischen Seehausen/Rieden und Uffing entlang des Ufers.

Probst glaubt, dass der Antrag einen Nerv trifft. „Es würde mich wundern, wenn er nicht ankommt. Jeder redet davon.“ Um eine Verbesserung zu erreichen, sagt Scheuerer, müssten nun „alle an einem Strang ziehen“.

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