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Der (Kommunal-)Wahlkampf ist geschlagen: Aleksandra Slawik mit Töchterchen Paula betrachtet noch einmal die Plakate der Kandidaten auf der großen Holztafel am Murnauer Maibaumplatz.

Nach der Kommunalwahl

Rathaus-Vize: Dr. Julia Stewens wirft Hut in den Ring

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Nach der Wiederwahl Rolf Beutings stellt sich in der Murnauer Ortspolitik die Frage, wer den neuen alten Bürgermeister vertreten soll. Die bisherige Vizechefin im Rathaus, Dr. Julia Stewens, würde jedenfalls gerne weitermachen. Ziemlich sicher ist: Die kommende Legislaturperiode wird für den Gemeinderat kein Spaziergang.

Murnau – Die neuen Kräfteverhältnisse in der Murnauer Ortspolitik sind nach der Kommunalwahl geklärt: An der Rathaus-Spitze bleibt Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum). Und im Gemeinderat sind sechs Parteien und Gruppierungen vertreten: CSU (6 Sitze), ÖDP/Bürgerforum (6), Mehr Bewegen (4), Bündnis 90/Die Grünen (4), Freie Wähler (3) und SPD (1). Voraussichtlich am 12. Mai kommt das Kommunalparlament zur konstituierenden Sitzung zusammen – wenn Corona den Volksvertretern keinen Strich durch die Rechnung macht. Eine der ersten wichtigen Entscheidungen, die anstehen, wird die Berufung eines Zweiten Bürgermeisters sein.

Die Wahl dieses Ehrenamts artete in der Vergangenheit schon mal zum Machtpoker aus. Der Posten ist beliebt, weil er öffentliche Aufmerksamkeit und Einblicke in die Verwaltungsabläufe verspricht. In der jetzt ablaufenden Legislaturperiode ist Dr. Julia Stewens von den Freien Wählern die Nummer zwei hinter Beuting. Die 73-jährige, pensionierte Tierärztin wird für ihre Erfahrung – sie sitzt bereits seit 1996 im Gemeinderat – und ihre ausgleichende Art geschätzt. Und sie wirft auch wieder ihren Hut in den Ring. „Ich würde gerne weitermachen“, sagt sie auf Tagblatt-Nachfrage – und schiebt eine Kurzbewerbung hinterher: „Ich bin gut vernetzt und geeignet.“ Ihr bereite der Job viel Spaß. Und die Zusammenarbeit mit Beuting funktioniere sehr gut.

Dieser scheint ebenfalls von einer Fortsetzung nicht abgeneigt zu sein: „Wir ergänzen uns sehr gut“, findet er. Eine Wahlempfehlung möchte der ÖDP-Mann dann aber doch nicht aussprechen – und verweist auf das demokratische Prozedere: „Der Zweite Bürgermeister wird vom Gemeinderat gewählt.“ Interessant: Beuting bringt sogar einen Dritten Rathauschef ins Spiel. Die Praxis habe gezeigt, dass dafür der Bedarf vorhanden sei.

Eine Umfrage unter den anderen Gruppierungen brachte kein klares Stimmungsbild. Bemerkenswert ist, dass auch die Grünen mit dem Gedanken spielen, aus ihren Reihen den Beuting-Vertreter zu stellen. „Das wäre mal zu überlegen“, findet Sprecherin Veronika Jones. Mehr-Bewegen-Chef Phillip Zoepf, der in der Stichwahl gegen Beuting unterlag und als Kandidat für das Vize-Amt in Frage käme, winkt ab. Ihm fehle dafür einfach die Zeit. „Das geht mit meinem Job nicht“, sagt der Vertriebsmitarbeiter bei einem Telekommunikationsunternehmen.

Dem neuen Gemeinderat steht eine schwierige Legislaturperiode bevor, da die Corona-Krise nicht spurlos an der Wirtschaft vorbeigehen wird. Das dürfte auch der Markt Murnau – darin waren sich alle befragten Mandatsträger einig – finanziell zu spüren bekommen. Beuting rechnet mit „größeren Einbrüchen bei den Einnahmen“, hofft aber, mit der zeitlichen Verschiebung von Investitionen doch noch die Kurve zu kriegen. „Corona bremst alles aus“, sagt Stewens. „Wir werden glücklich sein, wenn wir alle Pflichtaufgaben bedienen können“, prognostiziert Felix Burger (SPD). Jones spricht sind dafür aus, kommunale Projekte auf den Prüfstand zu stellen und die heimischen Betriebe zu stärken. Rudolf Utzschneider (CSU) macht sich dafür stark, auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die ehrenamtlichen und sozial engagierten Vereine zu unterstützen. Und Zoepf appelliert an seine Gemeinderatskollegen, parteiübergreifend vorzugehen: „Wir müssen als Kommune zusammenhalten.“

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