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Platz aus allen Nähten: die Realschule Murnau. 

Diskussionen im Schulausschuss

Realschule Murnau: Erweiterung vorerst auf Eis gelegt

Die Situation ist verzwickt: Zu viele Eltern melden ihre Kinder an der Realschule Murnau an,  bei anderen Einrichtungen in der Region gehen die Schülerzahlen zurück. Die Politik tut sich schwer, eine Lösung zu finden. 

Landkreis – Die Realschule im Blauen Land ist nach wie vor beliebt. So beliebt, dass die aktuelle Situation alle vor ein Problem stellt: Die Schulfamilie in Murnau, die keinen Platz hat. Andere Einrichtungen im Landkreis, die weiteren Schülerschwund und dessen Folgen fürchten. Und den Landkreis, der sich zu einem Erweiterungsbau gezwungen sieht. Die Pläne von Kreisbaumeister Alkmar Zenger wurden im Schulausschuss des Kreistags aber erst einmal auf Eis gelegt – bis zum nächsten Frühjahr. In das Gremium waren auch die Rektoren der anderen Realschulen eingeladen. Eine Sitzung, in der emotional diskutiert und verzweifelt um eine Lösung gerungen wurde. Die verzwickte Lage im Überblick:

Schülerzahlen

Die Murnauer Realschule im Blauen Land ist die einzige Einrichtung, deren Schülerzahlen im September gestiegen sind. Aktuell besuchen 652 Buben und Mädchen die Einrichtung. 55 mehr als im vergangenen Schuljahr. Das macht ein Plus von 9,2 Prozent aus. An der Zugspitz-Realaschule in Garmisch-Partenkirchen gibt es 398 Schüler und damit ein Kind weniger als 2016/2017. St. Immaculata in Schlehdorf verzeichnete 15 Schüler weniger. Aktuell lernen dort 334 Buben und Mädchen. 65 Abgänge und ein minus von 13,7 Prozent auf 410 muss die St.-Irmengard-Realschule im Kreisort verzeichnen. „Wir sind an der Grenze angekommen“, unterstrich Rektor Wolfgang Mühldorfer im Ausschuss.

Status Murnau

Auf dem Papier ist die Murnauer Realschule dreizügig. Das heißt, pro Jahrgang gibt es drei Klassen. Die Einrichtung ist auf 18 Klassen und 540 Schüler ausgerichtet. Die Realität sieht aber anders aus. „Wir haben von Anfang an pro Jahr 100 Anmeldungen“, sagte Ralf Havelka. Und das nicht zum ersten Mal. Immer wieder hatte der Rektor auf die engen Verhältnisse hingewiesen. Die auch mit dem 2017 eingeweihten, ersten Erweiterungsbau bestehen. Die Folge: Es gilt, 25 Klassen unterzubringen. Das geht nur, indem Fachräume zweckentfremdet werden. Angesichts der Situation sammelt der Elternbeirat Unterschriften (www.realschulerweiterung-murnau.de). „Wir haben größte Raumnot“, machte Havelka klar. Und: Mit einer zweiten Erweiterung kann nur das aktuelle Problem gelöst werden. Es soll nicht Platz für noch mehr Schüler geschaffen werden.

Bau-Pläne

Lange Zeit hat sich der Landkreis gegen den weiteren Ausbau der Murnauer Schule gesträubt. Landrat Anton Speer (Freie Wähler) erklärte immer wieder, dass er sich mit der Rückkehr zu einem neunjährigen Gymnasium Entspannung für die Realschule Murnau erhofft. „Inzwischen scheint eine bauliche Erweiterung unumgänglich“, sagte er im Ausschuss. In der Folge stellte Zenger dem Gremium verschiedene Varianten vor. Etwa einen Ringschluss beim L-förmigen Zusatzgebäude. Die vom Kreis favorisierte Lösung ist ein zweigeschossiges Zusatzgebäude im Südwesten des Grundstücks für 2,23 Millionen Euro. „Der Bau ist im laufenden Schulbetrieb möglich und bringt nur geringfügige Einschränkungen“, erklärte Zenger. Obwohl ein Beschluss des Schulausschusses nur eine Empfehlung an den Kreistag und die Erweiterungsdiskussion keine neue ist, traten die Mitglieder auf die Bremse. Sie forderten die Kreisverwaltung auf, das Thema auf die nächste Schulausschuss-Sitzung im Frühjahr zu verschieben und weitere Zahlen sowie Informationen zur Verfügung zu stellen.

Paradoxe Züge

Auch für den Fall, dass die Kreisgremien einem Ausbau im kommenden Jahr zustimmen, soll die Schule dreizügig bleiben. „Aus schul- und regionalpolitischen, aber auch baulichen Gründen ist eine Vierzügigkeit derzeit ausgeschlossen“, betonte Speer im Ausschuss. Eine Aussage, die bei manchem Kreisrat nur Kopfschütteln auslöste. „Wir lügen uns doch in die Tasche“, sagte Guntram Gattner (ÖDP) angesichts der seit Jahren praktizierten Vierzügigkeit. „Das ist doch ein Widerspruch“, meinte auch Christl Freier (Grüne). Und Alexandra Roos-Teitscheid (CSB) stellte das System in Frage. Sie rief in Erinnerung, dass die Politik nie so große Schülerzahlen in Murnau wollte. Diese Entscheidung aber wohl vor Ort und „in Salamitaktik“ untergraben wurde.

Wer wird abgelehnt?

Ein Vorwurf, den Havelka so nicht stehen ließ. Er habe angesichts der Anmeldezahlen von Anfang an auf das Problem hingewiesen. „Die Frage ist nur: Wo setzen wir an?“ Bestimmt die Politik, wer abgelehnt wird. „Oder bin ich der böse Bube“, frage er provokativ in die Runde. Worauf er von Max Wank (CSU) zu hören bekam: „Ja, deshalb sind sie der Rektor.“ Christl Freier ging sogar einen Schritt weiter und forderte einen „Aufnahmestopp für alle Schüler aus dem Landkreis Weilheim-Schongau“. Worauf sie von Speer daran erinnert wurde, dass viele Landkreis-Jugendliche weiterführende Schulen in Weilheim besuchen. Und es einen Gegen-Stopp geben könnte. Zudem verstand Speer, dass sich Havelka schwer tue, Kinder abzulehnen. „Haben Sie mal 20 Mütter vor der Tür stehen. Dann wissen sie, was los ist“, sagte er zu den Kritikern.

Sorge um Fächer

Die Sorge, die alle antreibt, gilt den anderen Realschulen. „Bei uns steht es Spitz auf Knopf“, sagte Manfred Ilitz, Rektor der Schlehdorfer Realschule. Schließlich braucht sein Haus genügend Anmeldungen, um zu bestehen. Den beiden Realschulen in Garmisch-Partenkirchen fürchten andere Veränderungen. Um vier Wahlpflichtfächer anbieten zu können, braucht es gewisse Schülerzahlen. „Wir sind am Herumkrebsen“, machte Regina Spitzer, Rektorin in der Zugspitz-Realschule emotional deutlich. Ihr Kollege Mühldorfer warnte vor den Folgen für den südlichen Landkreis – wenn nicht mehr alle Fächer angeboten werden können. Seine Einrichtung hofft auf einen positiven Schub, wenn die 60 Millionen Euro teure Grundsanierung auf dem St.-Irmengard-Komplex abgeschlossen wird: „Eine neue Schule ist immer attraktiv.“

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