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Genießt einen guten Ruf: die Murnauer Realschule. Hier ist der Eingangsbereich zu sehen.

Erweiterung scheint kein Thema zu sein

Realschule Murnau stößt langsam an Belastungsgrenze

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Murnaus Realschule ist beliebt und erlebt einen regelrechten Ansturm. Die Folge: Der Neubau an der Weindorfer Straße wurde zwar erst 2014 bezogen, droht aber bereits jetzt aus allen Nähten zu platzen. 

Murnau – Die Murnauer Realschule im Blauen Land, so der offizielle Titel, ist eine Erfolgsgeschichte. Die noch junge Bildungsstätte genießt einen exzellenten Ruf. Es verwundert nicht, dass die Schülerzahlen nur eine Richtung kennen: nach oben. Rund 600 Mädchen und Buben werden mittlerweile gezählt, die das neue Schulhaus gegenüber dem Staffelsee-Gymnasium besuchen. Eigentlich ist die Realschule, die den Staffelseeraum abdeckt, baulich und konzeptionell dreizügig ausgelegt – also für drei Klassen pro Jahrgangsstufe (5 bis 10). Doch die Nachfrage ist so groß, dass mittlerweile die Jahrgangsstufen 5 bis 8 vierzügig laufen. Die Einrichtung – insgesamt werden 22 statt der anfangs kalkulierten 18 Klassen unterrichtet – stößt allmählich an ihre Belastungsgrenzen.

„Es wird immer enger. Irgendwann gibt es deutliche Probleme“, sagt Direktor Ralf Havelka. Man sei bereits am Improvisieren, berichtet der Pädagoge. Beispielsweise wurde ein Kunstraum zu einem Klassenzimmer umfunktioniert. Doch solche Möglichkeiten seien begrenzt, früher oder später sei das Limit erreicht. Havelka will sich nicht genau festlegen, wann dieses Szenario eintritt. Vielleicht könne man, spekuliert er, noch eine weitere vierzügige Jahrgangsstufe verkraften. Ob es dazu kommt, wird sich wohl diese Woche nach den Einschreibungen zeigen.

Probleme durch Andrang sollen bewältigt werden - aber nicht etwa durch Aufstockung

Entscheidend wird sein, erläutert der Schulchef, welchen Effekt die angestrebte Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium (G9) hat. Vielleicht, so die Überlegung, die dahinter steht, schicken dann mehr Eltern ihre Sprösslinge auf den Weg zum klassischen Abitur. Doch die Auswirkungen der Bildungsreform kann heute noch niemand mit Sicherheit abschätzen. Unabhängig davon kommt die Realschule generell an – weil sie den Heranwachsenden alle Optionen offen hält, etwa einen anschließenden Besuch der Fachoberschule.

Im Fall Murnau drängt sich jedoch die Frage auf, ob nicht eine Aufstockung samt Anbau angebracht wäre. Doch das zuständige Landratsamt will davon nichts wissen. „In Absprache mit dem Ministerialbeauftragten für die Realschule Murnau sowie nach der Beschlusslage des Schulausschusses soll die Realschule Murnau auch zum Schutz der Realschule in Garmisch-Partenkirchen und weiterer Realschulen in der Region besonders in Schlehdorf nicht zu einer vierzügigen Schule ausgebaut werden“, erklärt Behördensprecher Stephan Scharf. Seinen Angaben zufolge ist eine vierte Eingangsklasse weiterhin nur als Ausnahme gedacht. Die „durch den aktuellen Schülerandrang entstehenden Probleme“ sollen nach Ansicht der Kreisbehörde anderweitig bewältig werden: „durch die vorübergehende Nutzung anderer Räume, durch organisatorische Maßnahmen und auch durch Absprachen mit den benachbarten Schulen“.

Elternbeirat begrüßt Erweiterung

Die Ortspolitik hält sich in der Frage einer Schulvergrößerung zurück: Gemeinderätin und Schulreferentin Anna Schlegel (ÖDP/Bürgerforum) sieht aktuell keinen Handlungsbedarf. Sie setzt darauf, dass die bildungspolitische Rolle rückwärts zum G9 eine Entspannung bringt.

Der Elternbeirat würde hingegen eine Erweiterung begrüßen, wie die Vorsitzende Monika Dotzer erklärt. In ihren Augen ist es ein „deutlicher Nachteil“, wenn aufgrund der angespannten Platzsituation weniger Fachräume zur Verfügung stehen.

Die Entwicklung ist bemerkenswert: Eltern und Ortspolitiker kämpften jahrelang für einen Realschulstandort Murnau. Schlegel war damals eine entscheidende Kraft. Die Bildungsanstalt wurde zunächst 2011 nur als abgespeckte Variante ins Leben gerufen: als zweizügige Knabenrealschule. Begonnen wurde provisorisch in der Mittelschule, es folgten Container als Unterkunft. Doch dann ging’s Schlag auf Schlag: die Mädchen kamen hinzu, die Schülerzahlen stiegen, und die Dreizügigkeit wurde genehmigt. 2013 war Baustart für den Neubau. Nach der Fertigstellung des Hauptgebäudes entstanden ein zusätzliches Modul sowie eine Zweifachturnhalle. Bis auf kleinere Arbeiten an den Außenanlagen ist das insgesamt rund 18,7 Millionen Euro teure Bauprojekt mittlerweile abgeschlossen.

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