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Auf Ortsbus Omobi fahren viele ab: Großes Interesse an Erweiterung

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Von: Simon Nutzinger

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Haben Freude am Ortsbus: (v.l.) Robert Schotten (Omobi-Mitgründer), Rolf Beuting (Bürgermeister Murnau), Clemens Deyerling (Omobi-Mitgründer), Markus Hörmann (Bürgermeister Seehausen) und Jörg Steinleitner (Bürgermeister Riegsee).
Haben Freude am Ortsbus: (v.l.) Robert Schotten (Omobi-Mitgründer), Rolf Beuting (Bürgermeister Murnau), Clemens Deyerling (Omobi-Mitgründer), Markus Hörmann (Bürgermeister Seehausen) und Jörg Steinleitner (Bürgermeister Riegsee). © Markt Murnau

Der Murnauer Ortsbus von der Omobi GmbH bedient bislang die Marktgemeinde sowie Riegsee und Seehausen. Spannend finden das On-Demand-System jedoch auch weitere Orte im nördlichen Landkreis.

Murnau – Der Murnauer Ortsbus ist ein Erfolgsprojekt. Seit Sommer 2020 bringt er Menschen in der Marktgemeinde von A nach B. Und das möglichst unkompliziert und effizient. Feste Haltestellen oder einen starren Fahrplan sucht man vergebens, gebucht wird frei nach Bedarf per App oder Telefon. On Demand nennt sich das System. Seit Juli zählen zudem Riegsee und Seehausen zum Fahrgebiet. Erst kürzlich erhielten die Betreiber, Clemens Deyerling und Robert Schotten von der Omobi GmbH aus Murnau, für ihr Konzept einen Staatspreis für Verbesserung der Mobilität im ländlichen Raum. Kein Wunder also, dass sich weitere Interessenten im nördlichen Landkreis bereits angemeldet haben.

Spatzenhausen wäre „bei nächster Gelegenheit sehr gerne mit dabei“

Einer davon ist die Gemeinde Spatzenhausen. Schon im März hatte Bürgermeisterin Aloisia Gastl erstmals öffentlich ihre Avancen gegenüber dem Murnauer Konzept offenbart. „Der Bus könnte vor allem bei unserem Campingplatz Verkehrsentlastung schaffen und als Teil der dringend nötigen Tourismuslenkung eingesetzt werden“, sagte sie damals. Und an dieser Meinung hat sich nichts geändert. „Wir wären bei nächster Gelegenheit sehr gern mit dabei“, betont Gastl. Gerade in so kleinen Gemeinden wie Spatzenhausen reiche der spärliche öffentliche Nahverkehr in der Regel nicht aus, um den Bedarf der Bürger zu decken. Speziell junge Menschen kämen nur schwer vom Fleck. „Am Ende fährt dann doch immer Taxi Mama.“ Der Gemeinderat hat einen möglichen Anschluss an den Murnauer Ortsbus bereits abgesegnet. Gastl sagt: „Da stehen alle dahinter.“

Uffing hat in Murnau klares Interesse hinterlegt

Das Okay der Ortsvertreter hat auch Andreas Weiß in Uffing eingeholt. Mit dem entsprechenden Beschluss war der parteifreie Bürgermeister schon in Murnau vorstellig: „Wir haben unser klares Interesse hinterlegt.“ Er sieht in einer möglichen Anbindung an den Ortsbus die Möglichkeit, den ÖPNV an den tatsächlichen Bedarf im Ort anzupassen. „Das On-Demand-Konzept ist sehr zeitgemäß.“ Weiß kann sich vorstellen, bestehende, gewachsene örtliche Systeme wie Taxis oder Kleinbus-Transporte miteinzubinden. Vor allem bislang recht abgekappte Ortsteile wie Schöffau könnten so aufgewertet werden. Sein Credo: „Da muss sich einfach was tun, das steht fest.“

Braucht auch Ohlstadt das Ortsbus-Angebot? Bürgermeister ist noch nicht überzeugt

Zurückhaltender begegnet der Idee Christian Scheurer (parteifrei) aus Ohlstadt. „Der Ortsbus ist sicher ein tolles Angebot“, sagt der Rathauschef. „Ob er für uns erforderlich ist, da tue ich mir gerade aber noch schwer.“ Seine Gemeinde befinde sich in der komfortablen Situation, dass zum einen eine gute Infrastruktur mit ausreichend Einkaufs- und Versorgungsmöglichkeiten vorherrsche, zum anderen die Bahnanbindung für eine gewisse Mobilität sorge. „Wir sind da ganz gut aufgestellt“, urteilt Scheuerer. Dennoch will er das Thema im kommenden Jahr auf den Tisch bringen. „Wir werden im Gemeinderat bestimmt darüber sprechen.“

Marktgemeinde Murnau ist der Auftraggeber für Omobi

So weit die Interessentenlage. Für Omobi-Mitgründer Clemens Deyerling prinzipiell schöne Nachrichten. „Wir wollen die Mobilität immer weiter verbessern – und das hört ja in Seehausen und Riegsee nicht auf“, sagt er. Mehr möchte er mögliche Erweiterungspläne aber nicht kommentieren. Deyerling spielt den Ball vielmehr in Richtung Marktgemeinde. „Die ist der Auftragsgeber, da wird entschieden.“

Erweiterung des On-Demand-Verkehrs wird speziell im nördlichen Landkreis geprüft

Zu großen Aussagen lässt sich aber auch dort niemand hinreißen. Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) verweist in erster Linie auf den in Kürze in Kraft tretenden Nahverkehrsplan des Landkreises. Dieser gebe die Richtung vor. Das Gute: Jener Nahverkehrsplan beschäftigt sich durchaus mit möglichen Varianten von Ortsbussen und Co. „Wir möchten überprüfen, ob und wie eine Erweiterung des On-Demand-Verkehrs möglich ist“, unterstreicht Florian Diepold-Erl, Klimamanager im Landratsamt. „Insbesondere im nördlichen Landkreis.“ Dies sei der klare Auftrag, der aus Gesprächen mit Bürgermeistern, Tourismus-Verantwortlichen und Kreisräten hervorgegangen sei.

Klimamanager beurteilt Ausweitung des Murnauer Ortsbusses generell positiv

Der neue Nahverkehrsplan muss zwar erst noch durch den Umweltausschuss gehen und vom Kreistag abgesegnet werden – Diepold-Erl rechnet dabei aber nicht mit großen Schwierigkeiten. „Wir haben ihn mit allen Beteiligten sehr gut abgestimmt. Ich denke, dass alles so passt.“ Eine mögliche Ausdehnung des Murnauer Ortsbusses beurteilt er dabei generell positiv. „Wir sehen, dass das System funktioniert und haben es definitiv auf dem Schirm.“ Allerdings gibt Diepold-Erl klar zu bedenken, dass bei einer Vergabe von neuen Konzessionen, sprich der Erlaubnis, auf bestimmten Routen Personen im ÖPNV zu befördern, stets ein fairer Wettbewerb herrsche. „Wir vom Landratsamt schauen lediglich, was für die Bürger und Gemeinden am besten ist – und schlagen uns dabei auf keine Seite.“

Entsprechend nachvollziehbar sind Beutings defensive Äußerungen zu dem Thema. „Wir warten jetzt erst einmal das Gutachten des Landratsamtes ab, ehe wir etwas über die genaue Umsetzung sagen“, stellt er klar. Fest steht für ihn aber, dass Murnau ein Mobilitätskonzept braucht, das alle Nachbargemeinden mit einbindet. Um dies mit dem Ortsbus zu erreichen, müsste dessen Flotte jedoch definitiv aufgestockt werden. „Die bisherigen zwei Fahrzeuge können nicht das komplette Blaue Land bedienen.“ Auch mehr Personal sei vonnöten. Zusatzkosten, die bei allen Ideen und Wünschen nicht vergessen werden sollten.

Unterm Strich ist für Beuting aber eine Sache unumgänglich: „Der ÖPNV muss in den kommenden Jahren deutlich ausgebaut und die Systeme flexibler gestaltet werden.“ Womöglich mit einer Ausweitung des Murnauer Ortsbusses. An Interessenten mangelt es zumindest nicht.

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