Im Einsatz: Feuerwehrleute leisten in Froschhausen ihre Arbeit, darunter Kreisbrandmeister Andreas Weiß (l.).
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Im Einsatz: Feuerwehrleute leisten in Froschhausen ihre Arbeit, darunter Kreisbrandmeister Andreas Weiß (l.).

Spur der Verwüstung nach Gewitterwalze 

Wie im Katastrophenfilm: Land unter in Riegsee

Das Unwetter, das sich am späten Donnerstagnachmittag über dem nördlichen Landkreis Garmisch-Partenkirchen entlud, hat besonders schlimm in der Gemeinde Riegsee gewütet. „Das war wie im Katastrophenfilm“, erzählt Bürgermeister Jörg Steinleitner (Wählergemeinschaft Riegsee) am Tag danach.

Riegsee/Murnau – Stark betroffen war neben anderen Anwesen der Aussiedlerhof der Familie Goldbrunner an der Hofheimer Straße. Binnen kürzester Zeit verwandelte der wolkenbruchartige Regen das Gelände rund um die Gebäude in eine Seenlandschaft. „Als das Gewitter mit starkem Hagel kam, haben wir festgestellt, dass wir das Wasser nicht unter Kontrolle bringen“, sagt Landwirt Helmut Goldbrunner. „Wir haben eine große Pumpe mit 150er-Rohren aufgebaut, und das Wasser abgepumpt. Dann haben wir gesehen, dass über die Straße vom Gewerbegebiet her in voller Breite ein Wasserstrom kam, der sich in unsere Güllegrube und dann unseren Stall ergoss, der schließlich bis zu 60 Zentimeter hoch unter Wasser stand.“

Starke Pumpen

Sämtliche Feuerwehren aus der Umgebung eilten herbei, um das Schlimmste zu verhindern. Die Weilheimer Wehr und das Technische Hilfswerk (THW) Schongau rückten mit leistungsfähigen Pumpen an. Sie arbeiteten die ganze Nacht. „Erst um Mitternacht konnten wir mit dem Melken unserer 40 Milchkühe anfangen“, erzählt Goldbrunner. „So ein Unwetter habe ich noch nie erlebt. Jetzt müssen wir erst einmal rund um den Hof aufräumen.“

Fernsehen vor Ort

Bereits am Donnerstagabend schaute Bürgermeister Steinleitner vorbei und sicherte der Familie seine Unterstützung zu. Die Abendschau des Bayerischen Fernsehens drehte einen Beitrag über die Schäden auf dem Hof.

Wie ein Fluss

Aber auch in anderen Ecken Riegsees herrschte Land unter. „Die Dorfstraße hatte sich in einen Fluss verwandelt“, sagt Steinleitner. Viele Keller standen unter Wasser. Die Freiwillige Feuerwehr Riegsee pumpte zehn aus. Kommandant Markus Veit schätzt jedoch, dass insgesamt 25 bis 30 Keller betroffen waren. „Die meisten Leute haben sich selbst geholfen.“ Der Rathauskeller mit dem Gemeindearchiv füllte sich ebenfalls mit Wasser.

Kanal überfordert

„Die Kanalisation war völlig überfordert“, erzählt Veit. Der Kommandant hat so ein Unwetter noch nie erlebt. Ältere Riegseer schon. Vor rund 70 Jahren. Steinleitner, dessen eigener Keller ebenfalls volllief, betrachtet das verheerende Gewitter als „Aufschrei der Natur“. Der Bürgermeister hätte gern Menschen, die den Klimawandel leugnen, am Hof der Goldbrunners dabei gehabt. Vom Einsatz der Feuerwehren und des THW zeigte er sich am Freitag begeistert. „Beeindruckend, wie die gearbeitet haben.“ Murnaus Kommandant Florian Krammer schätzt, dass rund 180 Feuerwehrleute zugange waren.

Lokales Phänomen

Neben Riegsee waren Murnau und der Ortsteil Froschhausen von der massiven Gewitterwalze betroffen. Es war ein sehr lokales Phänomen. Ein kleines Stück weiter südlich, am Murnauer Rathaus, fiel das Unwetter relativ normal aus.

39 Einsätze

Die Murnauer Wehr zählte am Donnerstag insgesamt 39 Einsätze. Vor der Werdenfelser Kaserne bildete sich ein See, weil Gullys mit Blättern verstopft waren. Nach einer Stunde war die Olympiastraße wieder befahrbar. Neben den Feuerwehren aus Riegsee und Murnau waren die Kameraden aus Weindorf, Hechendorf, Hagen, Seehausen, Garmisch, Eschenlohe, Spatzenhausen und Weilheim im Einsatz, um die Wassermassen zu bekämpfen.

Heino Herpen und Roland Lory

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