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Drücken die Schulbank: Geflüchtete mit Lehrerin Yasmin Lupo. 

Angebot der Vhs vor dem Aus

Hickhack um Integrationskurse in Murnau

Der Ton in der Debatte um die Integrationskurse der Vhs Murnau wird schärfer. Geschäftsführer Heinfried Barton wirft Rathauschef Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) Zynismus vor. Diese Fraktion schlägt derweil vor, 14 000 Euro zuzuschießen, damit die Kurse weiter stattfinden können. 

Murnau – Dass Sprachkurse der Schlüssel zur Integration von geflüchteten Menschen sind, wird kaum jemand bezweifeln. Doch die Angebote der Murnauer Volkshochschule (Vhs) stehen vor dem Aus. Aus finanziellen Gründen. Für die Verantwortlichen ist das Risiko nicht mehr tragbar. „Wir ziehen die Reißleine“, sagt Vhs-Geschäftsführer Heinfried Barton.

Er hat sich mit einer Zuschrift ans Garmisch-Partenkirchner/Murnauer Tagblattgewandt. Darin kritisiert er Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum). Dieser hatte auf Facebook geschrieben: „Es kann nicht sein, dass das BAMF die Verantwortung auf Kommunen, Vereine und Ehrenamtliche abwälzt.“ BAMF ist das Kürzel für Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Barton findet, dass es sich um eine „zynische Darstellung“ Beutings handelt – und wähnt sich im falschen Film.

Barton listet die bisherigen Zuschüsse auf: Vorfinanzierung durch den Landkreis im Jahr 2016 von 68 000 Euro; Zuschuss der Gemeinde Seehausen (4000 Euro); Markt Murnau stellt für 2019 Vereinszuschuss von 3500 Euro in Aussicht; zudem signalisiert laut Barton aktuell die Gemeinde Ohlstadt Unterstützung. 

Der Geschäftsführer hätte sich mehr Hilfe von der Marktgemeinde Murnau erhofft. „Bisher haben ausschließlich die ehrenamtlichen Vereinsvorstände der Vhs eine Verantwortung und vor allem die ganze Arbeit getragen.“ Murnau habe noch keinen Cent in die Integrationskurse gesteckt. „Wir durften die Räume im alten Krankenhaus unrenoviert übernehmen, mussten dort eine Wand auf eigene Kosten herausreißen, selbst die Schulräume mit Tischen, Stühlen, Büromöbeln, Technik et cetera ausstatten, haben die Vhs umfangreiche Trägerzulassungen erarbeitet, Verwaltungsprüfungen des BAMF bestanden, Gelder in Höhe von circa 319 000 Euro aus Bund und Land nach Murnau geholt sowie dort ausgegeben und damit dauerhaft zwölf zusätzlichen Mitarbeitern/Honorarkräften ein Einkommen verschafft.“ Zudem habe die Vhs 253 verschiedene Teilnehmer mit Sprachkursen versorgt und „durfte“ der Marktgemeinde insgesamt über 30 000 Euro Mietzahlungen leisten. „Alles bei einem Defizit von bisher leider 50 000 Euro.“

Mehrere Anträge an die Gemeinde auf finanzielle Unterstützung seien über die Jahre abgelehnt worden. „Die Leidtragenden sind Migranten, die engagiert Deutsch lernen wollen“, betont Barton. Darum führe die Vhs bereits Gespräche mit dem Landratsamt und anderen Stellen.

Auf den „Zynismus“-Vorwurf geht der Rathauschef Beuting nicht ein. Für ihn sei das Wichtigste, dass eine Lösung zum Wohle der Kursteilnehmer gefunden wird. „Diese Angelegenheit darf nicht auf deren Rücken ausgetragen werden. Die Integration der Geflüchteten, die zu uns gekommen sind, ist wichtig und in vielen Fällen erfolgreich verlaufen.“ Dabei leisteten die Kurse einen maßgeblichen Beitrag, sagt Beuting. „Wir wollen, dass Geflüchtete Teil unserer Gemeinschaft werden, und das geht über die Sprache am besten.“ Die Kurse dienten Bürgerinnen und Bürgern aus Murnau und anderen Nachbarorten. „Deshalb sehe ich es auch als Gemeinschaftsaufgabe, die solidarisch von allen Gemeinden im Landkreis getragen werden muss.“

Der Bürgermeister bekräftigt, dass der Markt Murnau seinen Teil zur Rettung der Integrationskurse beitragen wolle. „Ich unterstütze daher den Antrag der Fraktion ÖDP/Bürgerforum, die Vhs Murnau mit 14 000 Euro zur Deckung des Defizites aus den Integrationskursen zu fördern, um die weitere Durchführung sicherzustellen.“ So hoch ist auch die Summe, die die Volkshochschule an Mietkosten für die zwei Räume im Innovationsquartier bezahlen muss. In einem weiteren Facebook-Post betont der Bürgermeister: „Ich kann Ihnen versichern, dass der Markt Murnau alles unternehmen wird, damit die Kurse nicht aus finanziellen Gründen ausfallen müssen.“

Weitere Fördergelder könnten fließen. Die Vhs hat jüngst einen Antrag auf einen weiteren Zuschuss des Landkreises in Höhe von 17 000 Euro gestellt. Dies teilt Stephan Scharf mit, Sprecher des Landratsamts Garmisch-Partenkirchen. „Im Rahmen der anstehenden Haushaltsberatungen wird sich der Landkreis mit diesem Thema beschäftigen. Ob und in welcher Höhe der Landkreis einen weiteren Zuschuss an die Vhs Murnau genehmigt, kann daher derzeit noch nicht abgesehen werden.“ Der Vhs Murnau gelte in Sachen Integration von Flüchtlingen und Asylbewerbern besonderer Dank und Anerkennung, „dass sie sich dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe mit so viel Einsatzbereitschaft stellt“, betont Scharf.

Roland Lory

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