Guter Dinge: Museumsleiterin Dr. Sandra Uhrig.
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Guter Dinge: Museumsleiterin Dr. Sandra Uhrig.

Investitionen von fast einer halben Million Euro

Murnauer Schloßmuseum: Gutes soll noch besser werden

  • Peter Reinbold
    VonPeter Reinbold
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Nicht selten bedeutet Stillstand Rückschritt. Für Dr. Sandra Uhrig darf dieser Fall für das Murnauer Schloßmuseum nicht eintreten. Sie plant größere Umbauten, um den Kunst- und Kulturtempel, der für Murnau von großer Bedeutung ist, fit für die Zukunft zu machen. Trotz der Investition von nahezu einer halben Million Euro betrachtet die Politik das Projekt mit Wohlwollen.

Murnau – Das Schloßmuseum ist ein Aushängeschild für das kulturelle Murnau und ein Magnet für feinsinnige Bildungsbürger, die es mit Gabriele Münter, dem Blauen Reiter, Hinterglasbildern und Ödön von Horváth halten oder sich für die Murnauer Landschaft, also das einzigartige Moos, interessieren. Es hat sich seit seiner Eröffnung am 1. Juli 1993 weit über die Landkreisgrenzen hinaus einen Namen erworben, selbst Bundespräsident Horst Köhler machte der Einrichtung mit dem markanten Schloss-Wohnturm mit seinen Giebelzinnen 2009 seine Aufwartung – 2011 besuchte er das Haus als Ex-Staatsoberhaupt ein weiteres Mal. Mit Prominenz dieser Qualität kann sich nicht jedes Museum schmücken.

Schloßmuseum Murnau will sich zukunftsfähig aufstellen

Was gut ist, kann aber noch besser werden, hat sich Museumsdirektorin Dr. Sandra Uhrig ganz in der Tradition ihrer Vorgängerin Dr. Brigitte Salmen gedacht und arbeitet engagiert und zielstrebig auf die Umsetzung dieses Ziels hin. Nicht selten bedeutet Stillstand ja Rückschritt. Mit einem Umbauwunsch ist Uhrig jetzt an die Kommunalpolitik herangetreten. Der Grund: „Wir müssen uns neu positionieren, um zukunftsfähig zu sein“, sagte sie in der Sitzung des Hauptverwaltungsausschusses, dem sie ihr neues Raum- und Themenkonzept vorstellte. Nach dem Ende der Dokumentation „Es kommen kalte Zeiten: Murnau zwischen 1990 – 1950“, die Corona-bedingt verlängert wurde und die noch bis zum 21. November 2021 läuft, will man am Schloßhof 2-5 das große Umräumen beginnen. Der Plan: Nach dem Ende der Dokumentation, die sich damit beschäftigt, wie die Murnauer Bevölkerung Revolution, Republik, Nazi-Diktatur, Krieg und Besatzungszeit erlebte, soll in die Räume im ersten Obergeschoss des Westflügels die Kernsammlung Blauer Reiter/Expressionismus und Gabriele Münter einziehen, die derzeit noch im zweiten und dritten Stock des Südbereichs untergebracht ist. Damit erfolge eine dringend erforderliche schlüssige didaktische Aufbereitung mit wichtigen Blickachsen zwischen den Werken. Zudem erreicht man Uhrig zufolge eine optimierte Besucherlenkung zwischen den Hauptattraktionen des Museums.

Museumsleiterin stellt sich das Haus als „Ort der Begegnung“ vor

In die frei werdenden Räume soll die Ortsgeschichte Murnaus – als eine Art Schaudepot und in Form eines Themenarchivs – ihre neue Heimat finden. Im Südflügel befinden sich bereits die Hinterglaskunst sowie Leben und Werk Ödön von Horváths. „Die Herzstücke sind damit vereint“, meint Uhrig, die sich das Museum in Zukunft als „Ort der Begegnung“ vorstellt.

Konzept kommt bei Lokalpolitikern gut an

Bei den Ausschussmitgliedern kam das Uhrig-Konzept gut an. Freundliche Worte der Zustimmung wählten vor allem die beiden Kulturbeauftragten Dr. Elisabeth Tworek (Mehr Bewegen) und Dr. Michael Rapp (CSU). Die geplante Zweiteilung stärke Murnaus Alleinstellungsmerkmal als Wiege des Expressionismus. „Die geplante Maßnahme macht das Kunstmuseum mit ortsgeschichtlichem Bezug innerhalb der Museumslandschaft Oberbayerns weiterhin konkurrenzfähig“, so ihr Urteil. Tworek regte an, auch den Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau, der mit dem Stummfilm Nosferatu seinen Ruhm begründete und der für den Streifen „Sunrise“ 1929 gleich drei Oscars erhielt, in das Ausstellungsprogramm aufzunehmen. Der positiven Bewertung der Gemeinderäte schloss sich Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) an. Er begrüße das neue Konzept sehr. „Ich sehe darin eine wesentliche Weiterentwicklung des Museums.“

Investitionen, die „man nicht aufschieben kann“

Dass die Gemeinderäte die Umgestaltung der Dauerausstellung durchwinkten, wertete Beuting als „ermutigendes Zeichen“. Für die Umbaumaßnahmen im Süd- und Westflügel sollen in den Etat 2022 160 000 Euro und in den Haushalt 2023 150 000 Euro eingestellt werden. In naher Zukunft muss auch eine Lösung für Museumskasse und Shop gefunden werden, die noch einmal mit 155 000 Euro zu Buche schlägt. Summa summarum kostet das Aufhübschen des Museums den Markt 465 000 Euro. „Das sind Investitionen, die man nicht aufschieben kann“, meint Veronika Jones (Bündnis 90/Die Grünen). „Wir unterstützen dieses Leuchtturmprojekt“, erklärte CSU-Sprecher Rudolf Utzschneider. Der stellvertretende Kämmerer Nils Knopf hält den Betrag „für umsetzbar“.

Fördermittel: Signale sind positiv

Damit sich die Ausgaben, die die Marktgemeinde Murnau stemmen muss, minimieren, bemüht sich Uhrig um Fördermittel der Landesstelle für nichtstaatliche Museen, deren Vertreter sich für den 8. Juli zu einem Besuch angekündigt haben. Die Leiterin ist zuversichtlich, dass aus diesem Topf Geld fließt. „Sie an unserer Seite zu haben, wäre nicht schlecht.“ Trotz der positiven Signale: Vorsicht bleibt für die Museumschefin die Mutter der Porzellankiste. „So lange ich keine Förderung bekommen habe, mache ich auch nichts.“ Eine Aussage, die bei den Gemeinderäten auf Wohlwollen stieß.

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