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„Schlüsselwerk“: Museums-Chefin Dr. Sandra Uhrig mit dem Münter-Gemälde, das Ödön von Horváth zeigt. 

2018 wird die Einrichtung 25 Jahre alt

Schloßmuseum: Bayerisches Juwel, weltweit geschätzt

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Das Schloßmuseum Murnau ist viel mehr als ein regionaler Musentempel: Das Haus besitzt riesiges Renommee. „Es wird in aller Welt wertgeschätzt“, weiß Leiterin Dr. Sandra Uhrig. Zigtausend Besucher kommen jedes Jahr – darunter Prominenz höchsten Ranges. 2018 wird das Museum 25 Jahre alt.

Murnau– Mario Adorf war da, Richard von Weizsäcker ebenso wie Anselm Grün, Willy Astor, Henry Hübchen, Dominik Raacke, Michaela May, Günther Grünwald, Gottfried John, Mario Gomez und Günther Beckstein. Horst Köhler kam mit Ehefrau Eva Luise gleich zweimal ins Schloßmuseum: Als amtierender Bundespräsident eröffnete er 2008 eine Sonderausstellung, 2011 kehrte das Paar ganz privat zurück.

Murnau zieht an. Vor über 100 Jahren fanden Maler wie Kandinsky, Münter, Jawlensky und Werefkin in der wunderbaren Landschaft ihre Bildmotive und legten so eine fantastische Basis, auf der das Schloßmuseum heute mit beispielloser Authentizität arbeiten kann. Die Besucher sehen die Bilder der weltbekannten Expressionisten an den Wänden und entdecken beim Blick aus dem Fenster die Motive, welche die Maler einst inspiriert hatten. Ein Pfund, mit dem sich wuchern lässt: Zwischen 50 000 und 70 000 Besucher kommen jedes Jahr ins Schloss, das als Juwel in der bayerischen Museumslandschaft gilt – insgesamt rund 1,43 Millionen seit der Eröffnung am 1. Juli 1993. Damit steht der Einrichtung 2018 ein Jubiläum ins Haus: Sie wird 25 Jahre alt.

Der besondere Geburtstag soll sich gesellschaftlich niederschlagen mit Fest (28. Juli), Konzert, Lesung und Kabarett – Details, sagt Uhrig, die sich wiederum um eine prominente Persönlichkeit aus der Kunst- oder Literaturszene bemüht, stünden noch nicht fest –, aber auch künstlerisch. Für die zentrale Sonderausstellung (28. Juli bis 11. November, „Mit Dank für die Blumen!“) gibt das Museum ganz den Jubilar und hat Wunschlisten verschickt. „Wir bitten um Blumengaben“, sagt Uhrig – und zwar „in Form von Exponaten“. Langjährige Kooperationspartner wie Museen, Institutionen und Privatleihgeber sollen Kunstwerke zu diesem Thema zur Verfügung stellen.

Keine Frage: Das Ersuchen wird auf offene Ohren stoßen. Uhrigs Haus ist auch in den großen internationalen Einrichtungen bekannt und geachtet, hat in seiner Geschichte Leihgaben der Eremitage in Sankt Petersburg, des Museum of Modern Art sowie des Guggenheim Museum in New York, der Vatikanischen Museen sowie des Centre Pompidou in Paris erhalten. „Es wird in aller Welt wertgeschätzt“, sagt Uhrig. Den Grundstein dafür legte ihre Vorgängerin Dr. Brigitte Salmen, die 1995 den Bayerischen Museumspreis nach Murnau holte und 2011 in den Ruhestand gegangen ist. Die Leiterinnen nutz(t)en jeweils den paradiesischen landschaftlichen und historischen Rahmen vor Ort, der unerschöpfliche Themenquellen und Ansatzpunkte für Ausstellungen bieten: Alpenglühen, Sommerfrische, Expressionisten und und und. Man ist immer speziell gewesen, nie beliebig geworden. „Wir sind uns 25 Jahre lang treu geblieben mit unserem Konzept“, sagt Uhrig. „Die Besucher schätzen die Authentizität. Sie kommen, weil sie wissen: Das ist der Ort, an dem Münter und Kandinsky lebten. Hier sehen sie die Blickwinkel, das Wohnhaus.“

Das Publikum reist vielfach aus München an, mancher legt wegen des renommierten Museums einen Stopp auf der Fahrt in den Urlaub ein. Auch Förderkreismitglieder und Kurgäste aus der Region zieht das Schloss immer wieder an. Insgesamt ist das Museum also auch ein Wirtschaftsfaktor.

Andererseits muss sich Murnau seinen kulturellen Leuchtturm leisten. Etwa 600 000 Euro beträgt Uhrigs Jahresbudget, es gibt immer wieder politische Diskussionen um das Zuschussgeschäft Kunst. Das Museum, das vor einigen Jahren umgebaut und erweitert worden ist, stellt mit insgesamt 45 Beschäftigten rein nach Mitarbeiterzahl (nicht nach Stunden) die größte Abteilung der Marktgemeinde. Wegen der verwinkelten Räume benötigt Uhrig allein fünf Aufsichten zeitgleich. Sie behalten tausende, insgesamt viele Millionen Euro schwere Exponate im Blick. Zwei Drittel des Bestands, sagt Uhrig, schlummerten dabei im Depot. Darunter befinden sich keine Werke der internationalen Kunst-Superstars. Das Schloßmuseum zeigt sowohl seine 80 Münter-Werke als auch seine drei Kandinsky-Gemälde dauerhaft. Darunter befindet sich ein beidseitig bemaltes Münter-Bild, das die Kunsthistorikerin als „Schlüsselwerk“ für ihr Haus sieht. Eine Seite zeigt „Bäume am Hagenweg“, die andere Ödön von Horváth in roter Jacke. Den großen Dramatiker also, dem im Museum eine eigene Ausstellung gewidmet ist, der in Murnau lebte und hier mehrere Stücke schrieb – einst festgehalten von der ortsansässigen Künstlerin Gabriele Münter. Mehr Authentizität geht nicht.

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