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Leitet das Haupt- und Landgestüt Schwaiganger: Dr. Eberhard Senckenberg.

Soll Traditions-Einrichtung erhalten bleiben? Klares Bekenntnis von der Politik gefordert

Schwaigangers Gestütsleiter kritisiert riesigen Investitionsstau

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Auf dem Haupt- und Landgestüt Schwaiganger herrscht riesiger Investitionsstau. Zehn Millionen Euro sollten 2017 und 2018 verbaut werden. Doch bisher tat sich: nichts. Bei Mitarbeitern herrscht Ernüchterung. Der Gestütsleiter übt Kritik, fordert von der Politik ein klares Bekenntnis.

Schwaiganger– Es kann anders laufen, ganz anders. Das wurde Dr. Eberhard Senckenberg wieder einmal bewusst, als er am Montag der Eröffnung des neuen Eingangsgebäudes im Freilichtmuseum Glentleiten bewohnte. Rund 13,5 Millionen Euro ließ sich der Bezirk Oberbayern das Schmuckstück kosten. „Da fallen einem die Augen raus“, sagt Senckenberg. „Man wird richtig neidisch.“ Neid verspürt er auch, wenn er auf andere staatliche Gestüte blickt: Moritzburg etwa, Marbach.

Senckenberg leitet seit 24 Jahren das staatliche Haupt- und Landgestüt Schwaiganger, das der Politik nicht so lieb und teuer zu sein scheint wie andere Einrichtungen. Zumindest drängt sich Senckenberg der Eindruck auf. Der Landstallmeister beklagt einen immensen Sanierungsstau, vieles sei nicht mehr zeitgemäß. „Wir sollen ein Vorzeigebetrieb sein, aber das sind wir beileibe nicht“, betont Senckenberg. „Seit 15 Jahren heißt es: Ihr kriegt doch sowieso die große Baumaßnahme“ – doch sie kommt und kommt nicht.

Dabei hatte 2016 Euphorie geherrscht. Markus Söder (CSU), damals Finanzminister, hatte bei einem Ortstermin am 12. Dezember im Gestüt angekündigt, im Doppelhaushalt 2017/2018 stünden „für den Einstieg in die ersten Sanierungs- und Neubaumaßnahmen über zehn Millionen Euro bereit“. In den kommenden Jahren, hatte es damals geheißen, plane man erhebliche Investitionen für Neubauten, Sanierung und Substanzerhalt in einer Größenordnung von insgesamt rund 40 Millionen Euro. „Die Schritt für Schritt umzusetzenden Sanierungsmaßnahmen zugunsten des Gutes Schwaiganger sind aller Mühen wert“, wurde Söder zitiert. Das Gestüt sei das Kompetenzzentrum für Pferdezucht und -haltung in Bayern.

Schöne Worte – doch die Umsetzung verläuft zäh, sehr zäh. Gebaut oder erneuert wurde bisher nicht. Vorerst seien vom Haushaltsausschuss des Landtags 700 000 Euro für den Abriss eines Gebäudes genehmigt, teilt Martin Hecht mit, Stellvertretender Pressesprecher des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums. Dazu benötigte man ein „aufwändiges Denkmalschutz-Gutachten“. Mit dem Abriss werde „in Kürze“ begonnen, so Hecht. Weichen muss die Russenhalle, einst Düngemittel- sowie Maschinenlager und seit 2011 wegen Einsturzgefahr gesperrt.

An ihrer Stelle entsteht ein neuer Lehrstall. Rund vier Monate sollen Abriss und „Baufeldfreimachung“ dauern. Über den Neubau des Lehrstalls werde der Haushaltsausschuss voraussichtlich in der Sitzung Ende 2018 entscheiden, erklärt Hecht. Das Finanzministerium habe am 28. Februar zugestimmt, den Planungsauftrag zu vergeben. Erster Spatenstich soll im Herbst 2019 sein. „Darüber hinaus gibt es keinen konkreten Zeitplan.“ Der Lehrstall, weiß Senckenberg, war einst für den Doppelhaushalt 2017/18 vorgesehen gewesen.

Grundsätzlich bedarf das „Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Pferdehaltung Schwaiganger“, wie das Gestüt heute offiziell heißt, „einer grundlegenden baulichen Generalsanierung“, so Hecht. „In diesem Rahmen sind der Neubau des Lehrstalls mit Lehrwerkstatt und der Umbau eines bestehenden Gebäudes zu einem schon längst benötigten Internat vorgesehen.“ Die Gelder dafür werden „sukzessive freigemacht“. Bei der Summe von 40 Millionen Euro handelt es sich seinen Worten nach um Kostenschätzungen. „Über die tatsächliche Höhe der Mittel muss der Landtag erst entscheiden.“

Senckenberg befürchtet „ganz, ganz stark“, dass zwar abgerissen und neu gebaut wird, der Erhalt des nicht mehr zeitgemäßen Bestands jedoch ins Hintertreffen gerät. Nach der Aufbruchstimmung 2016 habe sich „vollkommene Ernüchterung“ breitgemacht bei den Mitarbeitern. „Für die Leute ist das eine Katastrophe.“ Senckenberg selbst nimmt „keine Rücksicht mehr – ich sage, was ich denke“. Der 65-Jährige geht im Sommer in Pension. Er habe „nichts mehr zu verlieren“, hofft vielmehr, mit deutlichen Worten noch etwas zum Positiven wenden zu können. Er sieht das Gestüt mit dem Kulturgut Pferd in der landwirtschaftlichen Verwaltung nicht mehr am richtigen Platz. Dieser sei eher im Kultusministerium, findet Senckenberg. Er erwartet von der zuständigen Politik eindeutige Entscheidungen und ein klares Bekenntnis: Will der Freistaat Schwaiganger – oder will er es nicht? Falls man sich fürs Gestüt ausspreche, müsse man auch für die Finanzierung sorgen. „Dann soll man uns nicht am langen Arm verhungern lassen.“ Helfen könnte in Senckenbergs Augen Druck aus der Bevölkerung. Wenn diese zeigt: Wir stehen hinter „unserem“ Gestüt.

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