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Gedenken am Volkstrauertag: Seehauser rüffelt Gemeinderäte fürs Fernbleiben

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Von: Silke Reinbold-Jandretzki

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Moment des Gedenkens: Kranzniederlegung am Volkstrauertag - hier 2019 in Murnau.
Moment des Gedenkens: Kranzniederlegung am Volkstrauertag - hier 2019 in Murnau (Symbolfoto). © Archiv

„Das sollte eine Selbstverständlichkeit sein“: Der Seehauser Johann Geisenberger kritisiert, dass bei der Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag im Ort viele Gemeinderäte fehlten. In seinen Augen zu viele. Mit dieser Meinung steht er nicht alleine.

Seehausen – Er übte seine Kritik ganz offen, genau vor dem Personenkreis, an den sein Rüffel adressiert war: Johann Geisenberger sprach zu Beginn der Seehauser Gemeinderatssitzung – und las einem Teil des Gremiums quasi die Leviten. Dem Ehrenkommandanten der Seehauser Feuerwehr, viele Jahre für den Veteranen- und Soldatenverein engagiert, missfällt, dass das Gros der Räte durch Abwesenheit glänzte, als am Volkstrauertag die Gedenkveranstaltung vor Ort abgehalten wurde. Man legte zwei Kränze nieder, eine kleine Abordnung der Seehauser Blaskapelle spielte, und Veteranenvereins-Vorsitzender Andreas Muras fand passende Worte zu diesem Anlass, der ein Symbol für Frieden und Versöhnung sein soll, an dem die Menschen aber vor allem der Kriegsopfer gedenken. In Geisenbergers Augen „gehört es sich“ für örtliche Mandatsträger, dieser Veranstaltung beizuwohnen: „Das sollte eine Selbstverständlichkeit sein“ – zumal „die Gemeinde diese organisiert, das ist anders als zum Beispiel beim Veteranenjahrtag“, argumentiert Geisenberger.

Gemeinderäte bei Gedenkveranstaltung: „Bevölkerung schaut auch ein bisschen darauf“

Ratsmitglied Klaus Neubert (CSU) beteiligte sich am Gedenken; neben Bürgermeister Markus Hörmann (CSU) waren dem Vernehmen nach auch Stellvertreter Karl Widmann (PWS) und Peter Schweiger (CSU) dabei. Neubert, der sich im Verein als Kassenprüfer engagiert, legte den Kranz für die Gemeinde nieder. Er pflichtet Geisenberger bei dessen Kritik bei – auch Neubert hätte gerne mehr Gemeinderäte bei der Gedenkveranstaltung gesehen. „Ich denke, die Bevölkerung schaut auch ein bisschen darauf“, sagt Neubert.

Bürgermeister Hörmann gibt dem Kritiker Rückendeckung

Rückendeckung erhält Geisenberger zudem von oberster Rathaus-Stelle: „Ich habe 100 Prozent Verständnis für ihn“, sagt Bürgermeister Hörmann. Er signalisiert dem alteingesessenen Seehauser seine „Unterstützung“ in dieser Sache, findet, dass das Gedenken zum Volkstrauertag, das nach Angaben Hörmanns die Gemeinde zusammen mit dem Veteranen- und Soldatenverein organisiert, „mehr wahrgenommen werden sollte. Es wäre grundsätzlich wünschenswert, wenn mehr Gemeinderäte dabei wären. Es handelt sich um einen Gedenktag, an dem man sich mal blicken lassen kann“. Das (relativ geringe) Interesse entspreche „vielleicht dem Trend der Zeit“ – doch auch die Corona-Pandemie spiele eine Rolle und mache ein Erscheinen nicht leichter. Hörmann sieht im Volkstrauertag keinen Gemeinde- und Pflichttermin für Räte, aber eine gewisse „moralische Verpflichtung“ zur Teilnahme. Er vermutet, dass bei vielen eine gewisse Müdigkeit sowie eine Termin-Übersättigung („Der Gottesdienst war auch nicht übervoll“) vorherrscht – und das Gedenken am Volkstrauertag dabei keine Priorität einnimmt.

Dr. Robert Roithmeier fehlte in diesem Jahr. „Ich denke schon“, betont der Vertreter der Liste Bürgernah/ÖDP/Grüne, „dass sich die meisten Gemeinderäte bemühen zu kommen. Aus den unterschiedlichsten Gründen klappt das halt nicht immer.“

Auch Veteranen in Mittenwald und Partenkirchen äußern Klagen

Beschwerden über fehlende Aufmerksamkeit von politischen Vertretern gibt es auch weiter südlich – allerdings in Zusammenhang mit Veteranen-Jahrtagen: Der Mittenwalder Vereins-Vorsitzende Georg Jungkunz beklagte vor kurzem schwindendes Interesse am Gedenken und machte dieses auch daran fest, dass mehr als ein Dutzend Gemeinderäte trotz Einladung dem Jahrtag ohne Absage ferngeblieben waren. Ins gleiche Horn stieß Vorsitzender Heini Waldhör von den Partenkirchner Veteranen (wir berichteten).

Zurück nach Seehausen: Dort misst Hörmann dem Volkstrauertag große Bedeutung bei: „Als Bürgermeister sehe ich in diesem eine der höchsten Wertigkeiten.“ Und Johann Geisenberger hofft zumindest, dass er mit seinen kritischen Worten etwas hat bewirken können. „Das stellt sich dann im nächsten Jahr heraus“, sagt er. Vielleicht, meint auch Bürgermeister Hörmann, habe Geisenberger „den einen oder anderen Gemeinderat“ mit seinen Worten „wachgerüttelt“.

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