Münchner Promi-Künstler verstorben

Münchner Promi-Künstler verstorben
+
Richtfest um 1902: Seidls legendäres Landhaus, das 1972 abgerissen wurde.

Seidl-Ausstellung im Schloßmuseum: Murnaus Jahrhundertarchitekt

  • schließen

Murnau lässt heuer mit einer Vielzahl an Veranstaltungen und Aktionen Emanuel von Seidl hochleben. Der Höhepunkt ist eine Sonderausstellung im Schloßmuseum, die im Dezember eröffnet wird und neue Forschungsergebnisse über den berühmten Ausnahme-Architekten liefern soll, der den Markt maßgeblich prägte.

Murnau – Emanuel von Seidl (1856 bis 1919), Architekt der deutschen Kaiserzeit, zählt zweifelsfrei zu den berühmten Persönlichkeiten, die in Murnau lebten – und ihre Spuren hinterließen. Der Sommerfrische-Ort am Staffelsee wurde seine zweite Heimat, hier fand der gebürtige Münchner sein „gelobtes Land“, wie er es einmal selbst formulierte. Auf den Südhängen schuf er sich einenPark, der heute seinen Namen trägt, und ein Landhaus im Heimatstil, das leider 1972 dem Modernisierungswahn zum Opfer fiel. Doch Seidl baute auch für diverse Auftraggeber in und rund um Murnau weitere Landsitze und Gebäude, von denen zum Glück noch viele erhalten sind. Und er initiierte die Ortsverschönerung, die dem Markt sein unverwechselbares Gesicht verlieh.

Es verwundert daher nicht, dass der prominente Baumeister, dessen 100. Todestag heuer begangen wird, der Wissenschaft reichlich Beschäftigungsfelder bietet. Bereits 1993 setzte sich das Murnauer Schloßmuseum in einer Sonderausstellung mit dem Leben und Wirken des Sohnes eines Bäckers und einer Brauerei-Erbin auseinander. In der kommenden Wintersaison steht nun erneut eine Präsentation an. Der Titel: „Verloren – doch nicht vergessen!“. Bei diesem Zitat handelt es sich um einen Kommentar, der auf der Rückseite einer Aufnahme der abgerissenen Seidlvilla steht. „Es ist das Bestreben der Ausstellung, das Verlorene wieder sichtbar zu machen und Impulse für eine nachhaltige Auseinandersetzung mit dem Architekten und seinen Werken zu geben“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung.

Museumschefin Dr. Sandra Uhrig verspricht „viele Überraschungen und neue Erkenntnisse“. Für die Schau, die am 5. Dezember startet und bis zum 1. März 2020 dauert, wurden interessante Exponate, zum Teil aus privaten Beständen und Sammlungen, zusammengetragen. Das fängt bei historischen Fotos und bislang unbekannten Dokumenten an und hört bei Bauplänen auf. Das Highlight: Vier digitalisierte Gästebücher – die Originale lagern in der Handschriftenabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek –, die man wahrscheinlich auf Displays durchblättern können wird.

Zu sehen sind Zeugnisse, die einen spannenden Einblick in die glanzvolle Zeit in dem Murnauer Landhaus gewähren. Der Hausherr war nämlich nicht nur ein hocherfolgreicher Architekt mit besten Kontakten zum Hochadel, sondern auch ein weltgewandter Gastgeber, der zu feiern wusste. Neben Unternehmern, Freunden und Familienmitgliedern gaben sich die Stars der Künstlerszene die Klinke in die Hand. Dazu zählten der Komponist Richard Strauss oder die Malerfürsten Friedrich August von Kaulbach und Franz von Stuck, um nur einige Beispiele zu nennen. Und sie verewigten sich allesamt in den besagten Gästebüchern – etwa mit Fotos, Gedichten und Illustrationen. „Jede Seite ist ein Kunstwerk für sich“, schwärmt Marktarchivarin Dr. Marion Hruschka. Zu sehen sind unter anderem Skifahrer, die den heutigen Freundschaftshügel hinunterkugeln, oder Seidls Domizil, das sich in ein riesiges Schachbrett verwandelt hat.

Bei der Ausstellung handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt des Schloßmuseums, des Marktarchivs und der Ohlstädter Kunsthistorikerin Katharina Drexler, die das Erbe Seidls für ihre Doktorarbeit aufarbeitet und ein Begleitprogramm konzipiert hat. Sie ist davon überzeugt: „Seidl hat Murnau zu etwas ganz Besonderem gemacht.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Grundschule Mittenwald: Jedes fünfte Kind mit ausländischen Wurzeln
Die Grundschule Mittenwald bekommt einen Jugendsozialarbeiter. Er tritt seinen Posten im Januar 2020 an
Grundschule Mittenwald: Jedes fünfte Kind mit ausländischen Wurzeln
Geiger Automotive: Branchenkrise bedroht Zulieferer - 33 Kündigungen allein in Murnau
Der Autozulieferer Geiger Automotive setzt angesichts der Branchenkrise den Rotstift an. Allein am Stammsitz Murnau sollen noch bis Monatsende 33 Kündigungen …
Geiger Automotive: Branchenkrise bedroht Zulieferer - 33 Kündigungen allein in Murnau
Pömetsried: Deshalb ist eine 14-jährige Flugschülerin keine Ausnahme
Der schwere Flugunfall bei Pömetsried hat die Aktiven der betroffenen Sportfliegergruppe Werdenfels schockiert. Der Verein will bei Bedarf Konsequenzen ziehen, sobald …
Pömetsried: Deshalb ist eine 14-jährige Flugschülerin keine Ausnahme
Auerbergtunnel: Naturschützer verzichten auf Klage
Der Bund Naturschutz verzichtet auf eine Klage gegen den Auerbergtunnel. Es sei „nahezu aussichtslos“, eine „falsche Verkehrspolitik“ zu korrigieren.
Auerbergtunnel: Naturschützer verzichten auf Klage

Kommentare