+
Will wieder näher zu den Menschen: Bürgermeister Rolf Beuting (l.), hier bei der Bürgerversammlung 2016.

Neue Sprechstunde auf dem Wochenmarkt

Beutings Bürgerkontakt am Bistrotisch

  • schließen

Nah dran sein am Volk zählt zu Bürgermeisters ersten Pflichten. In Murnau sitzt Rolf Beuting ab vom Schuss: im James-Loeb-Haus. Nun geht er dahin, wo das Leben pulsiert: Er führt eine Bürgersprechstunde auf dem Wochenmarkt ein.

Murnau – Nein, delikate Probleme werden nicht zwischen den Radieserln vom Gemüsestand und Bergkäse-Angeboten auf den Tisch kommen. Für diffizile Themen, die den Nachbarn oder die Kollegin nichts angehen, werden die Murnauer wohl weiter den eher vertraulichen Rahmen des Bürgermeister-Büros dem Auflauf auf dem Wochenmarkt vorziehen. „Jemand mit einem Anliegen, das Diskretion braucht, wird sich nicht im Markt zu mir an den Bistrotisch stellen“, sagt Murnaus Rathaus-Chef Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum). Gespräche über kleine Dinge ohne große Brisanz, die kann er sich durchaus vorstellen.

Beuting mischt sich unters Volk – beziehungsweise: Er wartet auf Menschen und ihre Anliegen. Ab 17. Mai hält er jeden dritten Mittwoch im Monat von 10 bis 12 Uhr eine Bürgersprechstunde auf dem Wochenmarkt vor der Volks- und Raiffeisenbank in der Fußgängerzone ab. Er reagiert damit auf den vorübergehenden Umzug der Verwaltung vor rund einem Jahr im Zuge des Rathaus-Umbaus: quasi aus dem Herzen des Orts in die Peripherie – ins idyllisch gelegene, aber im Hinblick auf den Publikumsverkehr eher abgeschiedene James-Loeb-Haus. Beuting, der schon bisher jeden ersten Donnerstagnachmittag im Monat rund zwei Stunden lang Bürger mit Anliegen empfängt, fiel auf: „Der Markt und die Nähe zum Zentrum gehen ab.“ Die neue Sprechstunde am Bistrotisch sei „eine Maßnahme, um Nähe herzustellen und eine Möglichkeit, weiter für die Gemeinde Flagge im Markt zu zeigen“. Beuting macht kein Geheimnis daraus: Das James-Loeb-Haus liege „ab vom Schuss, man bekommt viele Dinge nicht mehr mit. Man ist wirklich abgemeldet, und das ist nicht gut“. Spontane Besuche, wie er sie im eigentlichen Rathaus dann und wann hatte, kommen fast nicht mehr vor. Beuting sehnt den Tag herbei, an dem er mit der Verwaltung ins Zentrum zurückkehren und wieder „Bestandteil des Ganzen“ sein wird. Doch das dauert – wohl noch bis Ende 2018.

Sprechstunde im Büro gibt es weiter

Die Wochenmarkt-Visiten will der 49-Jährige darüber hinaus beibehalten, „wenn die Sache funktioniert“. Mancher könnte sie als PR-Aktion abtun, die darauf abzielt, Volksnähe zu demonstrieren und das eigene Image aufzupolieren. Solche Gedankenspiele lässt der Gemeinde-Chef ins Leere laufen: „Es geht darum, möglichst niedrigschwellig für die Bürger da zu sein.“ Der Gang ins Rathaus, hoch zum offiziellen Bürgermeister-Büro, könnte für viele ein Hemmnis darstellen, meint er. Dieses will Beuting beseitigen: „Ich glaube, dass es wirklich wichtig ist, Barrieren abzubauen.“ Den neuen Vor-Ort-Termin sieht er als „Beitrag“. Jeder kann sich unbürokratisch ohne Anmeldung zu Beuting an den Tisch stellen, sobald dieser frei ist, und persönliche oder gesellschaftliche Themen ansprechen.

Das Angebot ergänzt die gewohnte Bürgersprechstunde im Büro-Format, die es weiter geben wird. „Sie ist in der Regel voll“, erklärt Beuting. Vier Menschen mit Anliegen kommen jeweils etwa eine halbe Stunde lang zum Zug – am besten nach Terminvereinbarung, um längere Wartezeiten zu vermeiden. Häufig drehen sich die Gespräche ums Bauen, Parken, den Verkehr und die Sauberkeit im öffentlichen Raum. Oder es kommen Murnauer, die Kontakt mit der Verwaltung hatten, aber mit dem Ergebnis noch nicht zufrieden sind.

Übrigens: So ungewöhnlich Beutings Gang an die Öffentlichkeit erscheinen mag, er ist auf diesem Weg kein Pionier. Bürgermeister-Kollegen praktizieren’s längst. Penzbergs Verwaltungs-Chefin Elke Zehetner etwa stellt sich seit rund einem Jahr auf diese Weise Bürgerfragen: im Winter im Rathaus, seit Anfang Mai wieder donnerstags von 10 bis 11 Uhr beim Wochenmarkt auf dem Stadtplatz.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Farchanter Hotel-Pläne kommen auf den Tisch
Die Farchanter haben entschieden: Das neue Hotel an der Frickenstraße kann kommen. Mit dem Votum der Bürger ist auch der klare Auftrag zum Weiterplanen verbunden. Den …
Farchanter Hotel-Pläne kommen auf den Tisch
Kirchplatz: „Asphaltsee“ soll verschwinden
Wie wird der Krüner Kirchplatz nach der Dorferneuerung aussehen? Der Gemeinderat hat sich nun für eine Variante entschieden, die vor allem den Verkehr künftig ausbremsen …
Kirchplatz: „Asphaltsee“ soll verschwinden
Bergwacht: Lange Nacht mit zwei Einsätzen
Zwei Touristen stecken auf ihren Weg auf die Zugspitze im Schnee fest. Ein Münchner verirrt sich am Fricken. 
Bergwacht: Lange Nacht mit zwei Einsätzen
Aloisia Gastl bleibt die einzige Kandidatin
Nach der (Bundestags-) Wahl ist in Spatzenhausen vor der Wahl: Das Dorf kürt nach dem tragischen Tod von Bürgermeister Georg Wagner voraussichtlich eine Nachfolgerin: …
Aloisia Gastl bleibt die einzige Kandidatin

Kommentare