Landwirtschaft und Naturschutz 

Sensibler Fall: Ministerium schickt Vertreter

Ein Bauexperte des bayerischen Landwirtschaftsministeriums wird am Mittwoch in den Landkreis kommen, um sich ein Bild von einem geplanten Pferdestall-Bauprojekt in Murnau-Moosrain zu machen.

MurnauIn den Behörden wird das Vorhaben also hoch gehängt. Zum Hintergrund: Ein Landwirt hält am Nordrand des Murnauer Mooses im Landschaftsschutzgebiet „Ramsachleiten und Alte Loisach“ bis dato 14 Pensionspferde. Deren Zahl will er aufstocken – der Wirtschaftlichkeit wegen. Da das Landratsamt nicht mehr als 25 Tiere zulassen wollte, leitete der Mann rechtliche Schritte ein. Im Herbst war eine Abordnung des Verwaltungsgerichts München nach Moosrain gekommen, um den Fall im Rahmen eines Augenscheins vor Ort zu verhandeln. Dabei war es unter anderem um den Naturschutz gegangen. Letzten Endes hatten sich die Parteien darauf geeinigt, das Verfahren erst einmal ruhen zu lassen. Der Vorsitzende Richter hatte damals ein Gesamtkonzept gefordert.

Ein solches legte der Landwirt mittlerweile vor. Es sieht zwei Aktivstall-Einheiten mit je 18 Pferden vor. Beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) prüfte man unter anderem, ob Größe und Beschaffenheit der hofnahen Koppelflächen passen und ob ausreichend Heu- sowie Futterlager vorhanden sind. „Das Konzept ist in sich schlüssig und plausibel“, sagt Andreas Stemmer, Fachberater beim AELF. Es sei arbeits- und betriebswirtschaftlich nachvollziehbar und erfülle die Vorgaben. Wobei Stemmer betont: „Das ist ein ganz sensibler Fall. Den kann man nicht mit 08/15-Schablonen beurteilen.“

Wohl auch deswegen kommt am Mittwoch ein Vertreter des Ministeriums zu dem Besprechungstermin ins Landratsamt. „Die Belange des Naturschutzes sind absolut berechtigt“, ergänzt Stemmer. Eine Aktivstall-Einheit gibt es auf dem Hof bereits. Stemmer sagt, dies sei eine „sehr wesensgemäße Unterbringung für die Pferde. Das kommt dem natürlichen Verhalten der Tiere am nächsten“. Sie seien den ganzen Tag unterwegs. Ein tragendes Element ist bei einem Aktivstall die automatische Fütterung. Die Pferde erhalten einen Transponder. Es gibt spezielle Stationen, an denen ein Computer die Rösser erkennt und ihnen ihre Rationen zuteilt.

Auf dem Gelände ist ein neuer, 200 Quadratmeter großer Stall geplant, für den der Landwirt bereits die Genehmigung hat. Dort sollen Pferde mit Stoffwechselerkrankungen untergebracht werden. Zudem soll ein überdachter Mistplatz entstehen. Wie der Landwirt, der namentlich nicht genannt werden möchte, mitteilt, wird ein altes Stallgebäude abgerissen. „Es soll durch eine Maschinen- und Bergehalle ersetzt werden.“ Der Murnauer braucht bei seinem Projekt viel Geduld: „Wir hängen seit vier Jahren in der Luft.“ Bis 2011 hatte er Mutterkuhhaltung betrieben.

Der Bauherr hat dem AELF erst vor kurzem das modifizierte Betriebskonzept präsentiert. Dem Landratsamt liegt die Stellungnahme des AELF noch nicht lange vor. „Angesichts der Kürze der Zeit ist die Beurteilung der neuen Planung und ihre Vereinbarkeit mit der Landschaftsschutzgebietsverordnung noch nicht abgeschlossen“, sagt Stephan Scharf, Sprecher der Kreisbehörde. Das Landratsamt werde nun abschließend prüfen, ob und inwieweit das modifizierte Konzept mit den einschlägigen bau- und naturschutzrechtlichen Vorgaben vereinbar ist.

Rubriklistenbild: © Archiv Roy

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Knapp 40 Aussteller machen „Lust auf Hoamat“
Es ist so weit: Die dritte Auflage der Brauchtumsmesse „Lust auf Hoamat“ findet statt. Auf die Besucher wartet ein authentischer Mix aus Handwerk und Heimat. 
Knapp 40 Aussteller machen „Lust auf Hoamat“
Schockanrufe mit der Nummer 110 sind ein Fake
Keine Panik, falls die Nummer 110 auf dem Display erscheint: Nicht die Polizei ist am Telefon. Wer einen solchen Anruf bekommt, sollte das aber genau dieser mitteilen.
Schockanrufe mit der Nummer 110 sind ein Fake
Typisierungsaktion: Lebensretter für zwei Garmisch-Partenkirchner gesucht
Leukämie – eine Diagnose, die Martina Poettingers und Gerd Weinmeiers Leben völlig aus der Bahn geworfen hat. Eine Knochenmarkspende kann die beiden …
Typisierungsaktion: Lebensretter für zwei Garmisch-Partenkirchner gesucht
Jörg Maurer - der Meister der Zwischentöne
Mord beim G7-Gipfel: Das ist nicht in der Realität passiert, im neunten Alpenkrimi von Jörg Maurer aber schon. „Im Grab schaust du nach oben“ steht Kommissar Jennerwein …
Jörg Maurer - der Meister der Zwischentöne

Kommentare