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Weichen für zweigleisigen Ausbau Uffing-Murnau gestellt: Freistaat will Bahn mit Vorplanungen beauftragen

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Von: Roland Lory

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Auf dem Weg Richtung München ist dieser Zug.
Auf dem Weg Richtung München ist dieser Zug. © Bartl

Über viele Jahre floss im Landkreis Garmisch-Partenkirchen vorwiegend Geld in Straßen- und Tunnelprojekte. Nun geht auf der Schiene etwas voran. Der Freistaat Bayern will demnächst die Bahn mit Vorplanungen zum zweigleisigen Ausbau des Abschnitts Uffing – Murnau beauftragen.

Murnau/Uffing – Selbst für Norbert Moy, Leiter der Regionalgruppe Oberland des Fahrgastverbands Pro Bahn, kam die Nachricht gestern überraschend. Der Freistaat Bayern will den zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke Uffing – Murnau vorantreiben. Das bayerische Verkehrsministerium kündigte am Mittwoch via Pressemitteilung an, „die DB Netz AG binnen Jahresfrist mit den Vorplanungen“ zu beauftragen.

Moy begrüßt das logischerweise. „Da haben wir lange hingebettelt.“ Der Ausbau ist aus seiner Sicht „dringend erforderlich“. Wenn man eine Taktverbesserung erreichen will, sei das ein wichtiger Schritt. Bisher verkehren Züge im 30-Minuten-Takt nur zwischen München und Weilheim. Pro Bahn kämpft seit Jahren für ein abschnittsweise zweites Gleis. Erst vor ein paar Wochen hatte sich Moy für den Ausbau des Teilstücks Weilheim – Huglfing ausgesprochen.

Sechs Kilometer

Nun also Uffing – Murnau. Das sind sechs Kilometer. Bei der Vorplanung handelt es sich um klar definierte Planungsleistungen, wie Thomas Harant von der Pressestelle des bayerischen Verkehrsministeriums darlegt. „Diese sind deutlich konkreter als eine Machbarkeitsstudie.“

Auch Uffings Bürgermeister Andreas Weiß (parteifrei) war das Vorhaben neu. Seine Hoffnung ist, dass nach erfolgtem zweigleisigem Ausbau der Halbstundentakt in seinem Ort Einzug hält. Dies würde freilich bedeuten, dass die Schranke deutlich öfters geschlossen ist. Die Gemeinde Uffing will diesen Punkt bei den Planungen vorbringen. Weiß hofft zudem, dass – sollte die Zweigleisigkeit tatsächlich kommen – in diesem Zug auch der Uffinger Bahnhof barrierefrei gestaltet wird. Ein- und Ausstieg seien im aktuellen Zustand für Menschen mit Handicap „beschwerlich“.

„Nicht abschätzen“ kann der Rathauschef heute weitere Folgen eines Ausbaus der Bahnstrecke für die Region. Stichwort: Verfügbarkeit von Boden und Wohnraum. „Das wird eine Aufgabe sein, die sich ergibt“, glaubt Weiß. Denn es liegt auf der Hand: Ist das Gebiet Murnau/Uffing besser an die Landeshauptstadt angeschlossen, wird die Gegend noch attraktiver für Zuzügler und Ausflügler. Doch für Weiß steht fest. „Ohne Bahn werden wir die Verkehrswende nicht hinbekommen.“

„Riesiger Fortschritt“

Dieser Meinung ist auch der Murnauer Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum). Sein Statement fällt kurz aus: „Wenn der zweigleisige Ausbau des Streckenabschnitts Uffing – Murnau dazu führt, dass ein Halbstundentakt auf dem Werdenfels-Netz eingeführt wird, wäre das ein riesiger Fortschritt, den wir lange gefordert haben.“

Dies tat auch der Bund Naturschutz. Daher betont Ingrid Geiersberger, Vorsitzende der Ortsgruppe Murnau mit Umgebung: „Was lange währt, wird endlich gut.“ Sie ist zuversichtlich, dass der Ausbau „früher oder später“ umgesetzt wird.

Dr. Reinhard Pospischil, Bundesbahnbeamter a.D. und Sprecher des Kuratoriums E 69 04 für den Erhalt des historischen Lokdenkmals in Murnau, freut sich ebenfalls über die Nachricht. „Mehr Züge ist das Gebot der Stunde.“ Dafür sei es erforderlich, die Infrastruktur zu ertüchtigen. Mit einem Halbstundentakt nach Murnau wäre es laut Pospischil auch möglich, eine umsteigefreie Verbindung nach Oberammergau zu schaffen. „Das würde dieser Strecke einen gewaltigen Schub geben.“ Die Neuigkeiten aus dem Verkehrsministerium sorgen auch bei Murnaus Verkehrsreferent Welf Probst (Freie Wähler) für Euphorie. „Das ist zu schön, um wahr zu sein.“ Gleichwohl betont der langjährige Gemeinderat, dass es auf der ganzen Werdenfelsstrecke bis Mittenwald Verbesserungen brauche – „und vor allem eine Bestandssicherung“.

„Pünktlichkeit steigern“

Nicht nur zwischen Uffing und Murnau soll auf der Schiene etwas passieren. Die bayerische „MACH2-Initiative“ enthält aktuell insgesamt 16 Ausbauprojekte aus verschiedenen Finanzierungsquellen. Insgesamt sollen damit in Bayern auf rund 150 Kilometern Länge Strecken, die bisher ein Gleis haben, ein zweites erhalten und vier zusätzliche Begegnungsbahnhöfe realisiert werden. Das Ziel: mehr Kapazität und Flexibilität schaffen. Für Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) ist „MACH2“ ein zentraler Schlüssel für ein attraktiveres Verkehrsangebot auf der Schiene: „Mit zusätzlichen Gleisen und neuen Begegnungsbahnhöfen können wir das Zugangebot im Freistaat verbessern, die Pünktlichkeit steigern und Anschlüsse noch stabiler machen.“ Bayern investiert im Rahmen von „MACH2“ 15 Millionen Euro in die Schiene.

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