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Die Schlacht um die Sitze im Murnauer Gemeinderat ist geschlagen, hier die Wahlplakatwand am Schloss.

Alt-Bürgermeister Rapp zieht als Stimmenkönig ein

Murnauer Gemeinderat: Grüne legen stark zu, SPD stürzt ab

  • Andreas Seiler
    VonAndreas Seiler
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Die Machtverhältnisse im Murnauer Gemeinderat verschieben sich: Die Gewinner der Kommunalwahl sind die Grünen, die die Anzahl ihrer Sitze von bislang einen auf vier ausbauen können. Die SPD stürzt hingegen ab. ÖDP/Bürgerforum und CSU bilden trotz Einbußen weiterhin die beiden großen Blöcke.

Murnau – Kommunalwahlen haben ihre eigenen Gesetze – wie der Fall Murnau zeigt. Beim Kampf um das Bürgermeisteramt fiel die Spitzenkandidatin der Grünen, Ex-Gemeinderätin und Sprecherin Veronika Jones, beim Wähler durch. Sie erreichte nicht mal zehn Prozent – letzter Platz unter den fünf Bewerbern (wir berichteten). Bekanntlich ziehen Amtsinhaber Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) und Phillip Zoepf (Mehr Bewegen) in die Stichwahl, die in zwei Wochen am 29. März stattfindet.

Doch die Grünen dürfen sich auch freuen – und zwar riesig: Denn im nächsten Gemeinderat, dem insgesamt sechs politische Gruppierungen und Parteien angehören werden, sind sie als mittelgroße Kraft vertreten – mit vier Sitzen. Das ist ein enormer Zugewinn: Denn bislang hat die Öko-Partei mit Hans Kohl, der den Wiedereinzug verpasste, nur eine Stimme in dem 24 Mitglieder (plus Bürgermeister) umfassenden Kommunalparlament.

Entsprechend groß ist die Freude bei Jones: „Das ist Wahnsinn. Wir haben diese Wahl gewonnen“, jubelt sie – und fügt hinzu: „Das zeigt, dass die Leute einen anderen Wind in der Murnauer Politik wollen.“ Nun gelte es, die vorgeschlagenen Projekte und Forderungen, etwa nach mehr Bürgerbeteiligung, auch umzusetzen. Jones: „Wir haben einen klaren Arbeitsauftrag.“

Um einen Sitz zulegen kann Mehr Bewegen: Die parteifreie Truppe kommt ebenfalls auf vier Mandate. Allerdings hätte sich Fraktionschef Zoepf, wie er einräumt, fünf gewünscht. Die Gründe für das Resultat müsse man noch genau analysieren. Zoepf gibt sich kämpferisch: „Der Schiri hat noch nicht abgepfiffen“, betont der ehemalige TSV-Fußballchef mit Blick auf die Stichwahl.

CSU und ÖDP/Bürgerforum stellen in der kommenden Legislaturperiode jeweils sechs Gemeinderäte – und bleiben damit die beiden großen Machtblöcke. Sie müssen allerdings jeweils einen Sitz abgeben – gerechnet nach dem Wechsel von Josef Gramer von der CSU zum ÖDP/Bürgerforum. Zieht man das Ergebnis der Kommunalwahl 2014 heran, sind es bei der CSU sogar zwei Sitze, die flöten gingen. Die Schwarzen bieten eine besonders interessante Personalie: Künftig gehört nämlich ihr Altbürgermeister Dr. Michael Rapp dem Gremium an. Er konnte mit 4667 Stimmen den größten Zuspruch verbuchen – das ist sogar etwas mehr als Amtsinhaber Rolf Beuting (4639 Stimmen).

Bei der CSU scheint man trotz der Einbußen ganz zufrieden zu sein – und blickt nach vorne: „Wir sind gut aufgestellt und werden eine starke Fraktion stellen“, kündigt Rudolf Utzschneider, der bei der Bürgermeisterwahl durchfiel, an.

Und auch Beuting ist guter Dinge: „Alles in Ordnung. Das ist ein tolles Ergebnis“, sagt er über das Abschneiden des ÖDP/Bürgerforums. Er brauche eine starke Fraktion als Unterstützung im Gemeinderat.

Zähneknirschen herrscht hingegen bei der Freien Wählergemeinschaft, die unverändert bei drei Posten bleibt. „Ich bin nicht zufrieden“, kommentiert Welf Probst, der sich ebenfalls erfolglos um den Chefsessel im Rathaus beworben hatte. Doch die Spitzenkandidatur brachte offenbar nichts beim Stimmenfang. „Das ist mir ein Rätsel“, sagt Probst.

Eine herbe Schlappe muss die SPD einstecken. Sie stürzt ab, ist künftig nur noch mit einem Sitz im Gemeinderat vertreten. Bislang waren es drei. Völlig überraschend sei dies nicht, meint Felix Burger, der das besagte Ehrenamt übernimmt. Die SPD habe ohne Bürgermeisteranwärter weniger Aufmerksamkeit erzielt. „Und die bundespolitische Situation gibt den Rest“, sagt Burger, der kein rotes Parteibuch hat.

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