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Präsent auf der Freizeitmesse: Das Militär sieht darin eine Chance, für Nachwuchs zu werben.

Murnauer Bataillon auf der f.re.e

Kritik an Soldaten-Präsenz auf Freizeitmesse

Soldaten des Murnauer Informationstechnikbataillons 293 waren bei der größten bayerischen Reise- und Freizeitmesse vor Ort. Der Auftritt ruft bei den Kreis-Grünen und einer Friedensinitiative harsche Kritik hervor.

Murnau– Die f.re.e in München ist die größte Reise- und Freizeitmesse in ganz Bayern. Das Kürzel steht für Freizeit, Reisen und Erholung. Heuer haben 140 000 Menschen vorbeigeschaut und damit für einen neuen Rekord gesorgt.

Zu den Ausstellern gehörte auch die Bundeswehr, darunter das Murnauer Informationstechnikbataillon 293. Das Militär auf einer Freizeitmesse? Dass das gewöhnungsbedürftig klingt, ist auch dem IT-Bataillon klar. „Nun mag sich so manch einer fragen, was denn die Bundeswehr auf einer Freizeitmesse zu suchen hat“, heißt es in einer Mitteilung, die Presseoffizier Jenny Henning verschickt hat. Ihre Erklärung: „Bei der Bundeswehr lässt sich auch Hobby mit dem Beruf vereinen. Viele junge Menschen benennen Sport als ihr Hobby, und Sport ist auch wichtiger Bestandteil des alltäglichen Dienstes.“ In verschiedensten Bereichen sei körperliche Leistungsfähigkeit gefordert. Zudem sieht das Murnauer Bataillon in der Messepräsenz „natürlich auch eine großartige Chance, um für Nachwuchs in der hart umkämpften IT-Branche zu werben“.

Beim Kreisverband der Grünen ruft der Messeauftritt scharfe Kritik hervor. „Der Dienst an der Waffe ist sicherlich kein Hobby“, betont Sprecherin Doro Sührig. „Die Entscheidung für eine Laufbahn bei der Bundeswehr darf nicht so gefällt werden wie die Entscheidung für eine Rafting-Tour.“ Letztlich gehe es darum, im Ernstfall Menschen zu töten und das eigene Leben zu riskieren. „Bei allem Verständnis für die Nachwuchssorgen der Bundeswehr: Es ist unredlich, in Schulen um Minderjährige zu werben, und es ist geschmacklos, sich derart auf Freizeit- und Spaßmessen zu präsentieren.“

Auch die Friedensinitiative Bad Tölz-Wolfratshausen, die 2018 in Murnau gegen den „Tag der Bundeswehr“ demonstriert hatte, ist wenig begeistert. „Was die Bundeswehr auf einer Freizeitmesse zu suchen hat, diese Frage sollte sich ein nachdenklicher Bürger schon stellen“, findet Mitstreiterin Evelyn Kiess. Wie letztes Jahr beim „Tag der Bundeswehr“ werde hier wieder über Freizeitvergnügungen versucht, junge Menschen, auch Minderjährige, anzuwerben. „Die Bundeswehr stellt sich als attraktiver Arbeitgeber dar. Aber Soldat ist nicht ein Beruf wie jeder andere“, betont Kiess. 

Ein großer Schwerpunkt der Ausbildung sei nun einmal das Erlernen des Tötens anderer Menschen, sei es durch Handfeuerwaffen, Bombenabwürfe oder mit der Drohne. „Und jede Abteilung ist dafür Rad im Getriebe. Wie lässt sich da ,Hobby mit Beruf vereinen’“? Nach Kiess’ Meinung will es „den vielen Beratern der Bundeswehr einfach nicht gelingen, eine Anwerbestrategie zu kreieren, welche die tatsächlichen Tätigkeiten der Bundeswehrangehörigen einigermaßen wahrheitsgemäß wiedergibt und trotzdem ansprechend rüberkommt“.

Das Garmisch-Partenkirchner/Murnauer Tagblatt konfrontierte das IT-Bataillon mit Kritikpunkten. Presseoffizier Henning geht darauf nicht ein. „Mit dem ,Zentralen Messe- und Eventmarketing der Bundeswehr‘ (ZeMEMBw) als Kommunikationsplattform ist der Arbeitgeber Bundeswehr präsent, zielgruppengerecht und authentisch darstellbar“, teilt sie mit. Durch die Beteiligung an regionalen und überregionalen Messen und Ausstellungen leiste ZeMEMBw einen wesentlichen Beitrag zur Gewinnung von Interessenten sowie in der Ansprache von potenziellen Bewerbern für fachspezifische Laufbahnen und Verwendungen in der Bundeswehr.

Roland Lory

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