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Abbruch: Die Villa an der Hagener Straße, in der der renommierte Politikwissenschaftler Professor Kurt Sontheimer von 1975 bis 2005 lebte, wird dem Erdboden gleichgemacht.

Besondere Immobilie in Murnau

Sontheimer-Villa: Kritik am Abriss

Die Immobilie ist ein Stück Murnauer Ortsgeschichte, soll aber dennoch „platt gemacht“ werden. Die ehemalige Eigentümerin beklagt den Abriss der Sontheimer-Villa.

Murnau – Marianne Dippold bedauert sehr, was mit der Villa in der Hagener Straße passiert. „Es ist ein Jammer.“ Das Haus, in dem sie einst mit dem renommierten Politikwissenschaftler Professor Kurt Sontheimer lebte, wird nämlich abgerissen. Ein Unternehmer hatte das Gebäude 1965 nach den Plänen von Erwin Suppin errichten lassen. Sontheimer erwarb es zehn Jahre später und wohnte dort bis 2005. Dippold, die Lebenspartnerin des Politologen war, sieht das Haus als „Unikat der 1960er Jahre mit Geschichte“, das nun „platt gemacht“ werde.

Die Villa hatte auffällige Rundbogenfenster und Türen sowie eine große Terrasse; die Nordseite des Objekts zierte ein Mosaik, das den Heiligen Georg als Drachentöter zeigte. Südseitig standen auf dem mehr als 3000 Quadratmeter großen Grundstück einige Bäume und Sträucher. Auch die sind weg. Dippold, der das Objekt zuletzt gehörte, verkaufte es. Eigentlich wollte sie es an jemanden veräußern, der es nicht abreißt. Doch das gelang nicht. „Ich bin aufs Kreuz gelegt worden“, beklagt sie. „Jetzt kommt da ein 08/15-Bau hin.“ Geplant ist ein Einfamilienhaus mit Garage.

Dippold selbst wohnte von 1985 bis 2005 in der Villa sowie von 2013 bis 2016. 2006 ließ sie die Immobilie innen für 30 000 Euro renovieren. Das Haus sei „in keiner Weise baufällig“, eine Sanierung und Modernisierung aber geboten und sinnvoll gewesen, sagt sie. „Bereits das hübsche kleine Nachbarhaus wurde ohne Grund im Jahre 2014 platt gemacht mit seinen Obstbäumen, Sträuchern, und einer blühenden Sommerwiese für Bienen.“ Jetzt sei dies ein „trostloser, unschöner Platz ohne Leben“. Dippold fragt sich: „Warum wird von der Gemeinde Murnau nicht darauf geachtet, erhaltenswerte Bausubstanz für den Ort und letztendlich auch für den Tourismus zu bewahren?“

Die frühere Eigentümerin hat auch im Rathaus vorgesprochen. Marktbaumeister Klaus Tworek weist gegenüber dem Tagblatt darauf hin, dass die Villa nicht unter Denkmalschutz stehe: „Frau Dippold hätte sich ans Denkmalamt wenden können.“ Tworek glaubt, dass es auch möglich gewesen wäre, im Notarvertrag festzulegen, dass das Gebäude nach dem Verkauf erhalten werden muss. Dass die Kommune die Villa erwirbt, sei nie zur Diskussion gestanden. „Sie wurde dem Markt Murnau auch nie angeboten.“ Tworek stuft das Haus allerdings schon als „schönes Villengebäude an einer schönen Stelle“ ein. „Damit hätte man echt was anfangen können.“ Es sei aber kein Gebäude, das für Murnau ortsbildprägend sei. Dippold sagt: „Es verschwinden Häuser, die durchaus zeitgemäß saniert und modernisiert werden können.“ Dadurch könnten erhaltenswerte Bauwerke, die zur Geschichte des Ortes gehören, bewahrt werden. „Die nichtssagenden, uniformen Neubauten ohne Atmosphäre haben eine Halbwertszeit von 15 Jahren.“ Sie könnten die für eine Epoche relevanten Bauten, die für 70 bis 100 Jahre errichtet wurden, nicht ersetzen.

Roland Lory

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