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Dem Sportbeirat Josef Bierling ist die Sache peinlich. 

Mannschaft des Jahres wird die Feuerwehr

Sportlerehrung Murnau: Zobel und Pilsl einfach vergessen

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Der eine ist Junioren-Vize-Weltmeister im Biathlon, der andere Tischtennis-Senioren-Weltmeister: Dennoch fehlten beide bei der Sportlerehrung in Murnau, weil sich das Gremium einen großen Lapsus geleistet hat.

Murnau– Es hätte keinen Sinn gemacht, auf Murnaus Sportler des Jahres zu warten. Bei dieser großen Ehrung, dem Festakt der Marktgemeinde im Kultur- und Tagungszentrum, fehlte er. Nicht, weil der Preisträger verhindert war. Sondern weil der Sportbeirat keinen Sportler des Jahres gewählt hatte.

Niemand soll sagen, es hätte keine Optionen gegeben:

David Zobel, der Biathlet, wäre ein Kandidat gewesen. In Rumänien lief er zu Silber (im Team) und Bronze bei der Junioren-Weltmeisterschaft. Kurz danach legte der Murnauer bei der Nachwuchs-EM die Goldmedaille nach.

Oder wie wär’s mit Berthold Pilsl? Man könnte einwenden, dass er in Oberau wohnt. Doch Pilsl startete bei der Tischtennis-Senioren-WM in Alicante (Spanien) als Mitglied des TSV Murnau für Deutschland. Das qualifiziert ihn für die Wahl zum Sportler des Jahres. Außerdem hatte man ihn in der Vergangenheit bereits bei der Ehrung bedacht.

Wurde nicht geehrt: Bronze-Gewinner bei der Biathlon-Junioren-WM. 

Warum Murnau keinen der beiden gekürt hat, ist recht einfach erklärt: Der Sportbeirat hat sie vergessen. Josef Bierling, dem Vorsitzenden des Gremiums, ist die Sache peinlich. Er sagt: „Es ist blöd gelaufen. Manchmal geht dir einer durch die Lappen.“ Auch Volker Bockhorni habe sich hinterher bei ihm gemeldet. Seine Tochter Heli, Deutsche Nachwuchsmeisterin auf dem Snowboard, fehlte ebenso auf der Liste der Geehrten. Bierling betont, dass dahinter kein böser Vorsatz steckt. „Jeder, der seine Leistung bringt, hat es verdient, ausgezeichnet zu werden.“

Das Problem liegt im Nominierungsverfahren. Vereine haben die Möglichkeit, Vorschläge beim Sportbeirat einzureichen. „Auf die sind wir angewiesen“, betont der Kommunalpolitiker. Er selbst habe auch nicht jeden Kandidaten auf dem Schirm. Das Gremium setzt sich neben Bierling noch aus Sportreferent Philip Zoepf („Mehr Bewegen“), Sachbearbeiterin Diana Hauptmann sowie Vertretern der 18 Murnauer Sportvereine zusammen. Keiner von ihnen dachte an Zobel, Pilsl oder Bockhorni.

Kurios außerdem: Als Mannschaft des Jahres zeichnete die Marktgemeinde nicht einmal ein Sport-Team aus – sondern die Feuerwehr. Ihre Wettkampfgruppe hatte Rang 29 bei der Deutschen Meisterschaft erreicht. Es mangelte auch in dieser Kategorie nicht an Alternativen. Die Murnauer Handballerinnen und Fußballerinnen waren als Meister in die Bezirksliga aufgestiegen, das Minigolf-Team packte gar den Sprung in die Dritte Liga. In diesem Fall wusste der Beirat von den Erfolgen, einigte sich aber dennoch auf die Feuerwehr-Wettkampfmannschaft. Alexander Weinhart, Vorsitzender des TSV, betont, dass weder die Handball- noch die Fußball-Sparte ihre Teams nominiert haben. „Jeder wusste davon. Es kamen aber keine Vorschläge“, sagt er. Die Minigolfer verzichteten generös auf eine Kandidatur, weil sie eh so viele Preise abräumen. In diesem Jahr stellte der MGC mit Michaela Zwirlein (Jugend-Team-Weltmeisterin) Murnaus Sportlerin 2016. „Wir hatten nicht die Qual die Wahl. Es wäre schwierig geworden“, wenn die übrigen drei Teams auch kandidiert hätten, räumt Bierling ein. Mit der Feuerwehr als Sieger kann er gut leben. Dreimal pro Woche trainiert die Gruppe. Außerdem seien die Aufgaben bei einer solchen Meisterschaft sehr wohl sportlich fordernd. Und: „Es zeigt, wie breit gefächert wir als Marktgemeinde aufgestellt sind. Das ist nicht schlecht.“

Bierling hofft auf weitere Erfolge der Vergessenen. Denn im kommenden Jahr möchte er sie auf jeden Fall ehren. Denn nun hat er Zobel und Co. auf dem Schirm.

So läuft die Sportlerehrung: 

In Murnau gibt es klare Vorgaben, wer als Sportler oder Mannschaft des Jahres ausgezeichnet werden kann. Athleten müssen aus Murnau kommen oder einem Murnauer Verein angehören sowie mindestens bei Deutschen Meisterschaften unter den besten Fünf landen oder auf bayerischer Ebene eine Medaille gewinnen. Für Teams ist der Aufstieg in die Landesliga als Minimal-Voraussetzung vorgeschrieben, erklärt Josef Bierling. Allerdings, betont der Chef des Sportbeirats, gebe es Ausnahmen, um verdiente Sportler oder Mannschaften zu ehren. Eine Ausnahme bildet die Jugendsportler-Wahl. „Da wird nicht so hart entschieden“, sagt Bierling. Außerdem kann das Gremium einen Sonderpreis für ein Lebenswerk oder Athelten, die in irgendeiner Verbindung zu Murnau stehen, verleihen.

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