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Welf Probst hofft, dass AfD-Anhänger das Gespräch suchen.

„Genug Dinge, die wir anpacken können“

AfD nimmt Kommunalwahlen ins Visier

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Der Triumph, den die rechtsgerichtete Alternative für Deutschland (AfD) in der Region bei der Bundestagswahl erzielt hat, bereitet Lokalpolitikern Kopfzerbrechen. Doch es fehlt ein Patentrezept. Die AfD hat bereits die Kommunalwahlen im Visier.

Murnau– Welf Probst interessiert sich für Geschichte, er ist leidenschaftlicher Kommunalpolitiker und Verfechter der europäischen Idee. Der Bundestags-Wahlabend traf den Murnauer Kreis- und Gemeinderat (Freie Wähler) ins Mark. 12,6 Prozent an Zweitstimmen holte die rechte AfD im Landkreis, mehr als 9 Prozent in Murnau – und fast 17 in Oberau. „Das hat mich sehr erschreckt, vor allem das Ergebnis im Landkreis. Und es stimmt mich auch sehr traurig“, sagt der Handwerksmeister. Probst hatte damit gerechnet, dass die AfD im Osten stark abschneidet – aber in der Region? Probleme mit Flüchtlingen seien nicht so gravierend wie in größeren Städten. „Und dem Landkreis geht es nicht schlecht. Man fragt sich: Woher kommt das AfD-Ergebnis?“ Mancher hat Probst angesprochen, der Tenor: Die Politiker eierten mit irgendwelchen Dingen rum, während sich die Leute nicht ernst genommen fühlten – „weil es nicht die Themen sind, die sie selbst bewegen“.

Probst bricht über niemanden den Stab, doch er will „verstehen, warum es dazu gekommen ist“. Der Murnauer, der sich oft mit Menschen unterhält, wünscht sich, dass auch AfD-Sympathisanten „auf uns Politiker zukommen, uns sagen, wo sie der Schuh drückt“ – um nachvollziehen und reagieren zu können. Gespräche brächten am meisten, meint Probst. „Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.“ Probst findet, auch mit Blick auf die deutsche Vergangenheit, dass man aus reinem Protest eine Partei, die sich „nicht im demokratischen Gefüge abspielt“, nicht wählen dürfe. Mit Kollegen aus der Politik hat er sich ausgetauscht: Es herrsche „große Ratlosigkeit“, wie es zu solch einem Ergebnis kommen konnte.

Peter Imminger hat sich seinen Reim darauf gemacht, „das ist nicht schwer zu erklären“, sagt Oberaus CSU-Bürgermeister. Jede Woche erhalte er anonyme Briefe mit Klagen über Asylbewerber im Ort. Knapp 100 Flüchtlinge leben in Oberau, und wenn einige „an der Loisach sitzen und feiern, dann gefällt das vielen Leuten nicht“. Das örtliche AfD-Ergebnis entspringt in seinen Augen „zu 100 Prozent der Flüchtlingsproblematik“. Oberaus Tunnel-Heilsbringer Alexander Dobrindt (CSU) bekam im Ort als Direktkandidat 55,4 Prozent. Viele Oberauer wählten ihn – und mit der Zweitstimme AfD. Imminger hatte, gerade aus Tunnelgründen, mit mehr Stimmen für den bisherigen Bundesverkehrsminister gerechnet. „Ohne Tunnel wäre es noch schlimmer geworden. Das war Protest – was willst du da machen? In der Komunalpolitik bist du hilflos.“ Die Flüchtlingspolitik müsse besser und in geordneteren Bahnen laufen. „Sonst weiß ich nicht, wohin sich die Lage bei den nächsten Wahlen entwickelt.“ 2018 geht es in Bayern um den Landtag, zwei Jahre später ums Kommunale.

Auf 2020 richtet die AfD bereits ihren Blick, wenn man sich im Kreisverband Oberbayern Süd-West voraussichtlich am Sonntag zur Vorstandssitzung trifft. Dann wird man sich besprechen. „Wir werden natürlich schauen, dass wir Kandidaten finden, die nicht nur Platzhalter sind, sondern die einzelnen Ebenen in einer Kommune erreichen“, sagt die Kreisvorsitzende Edeltraud Schwarz. „Da gibt es genug Dinge, die wir anpacken können, die für die Bürger wichtig sind und über die diskutiert werden muss.“ Schwarz kündigt an: „Wir werden da antreten, wo es nötig ist.“ Und: „Auf jeden Fall“ will die AfD in Garmisch-Partenkirchen Bewerber ins Rennen schicken. Murnau, räumt Schwarz auch nach Erfahrungen im Bundestagswahlkampf ein, sei „für die AfD ein schweres Pflaster“. 7,6 Prozent votierten am 24. September im Ort für die Direktkandidatin Schwarz, 9,3 Prozent gaben ihre Zweitstimme der AfD.

In Probsts Augen bereits viel zu viel.

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