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Zurück am Staffelsee: D e r Fischotter.

„Zusätzlicher Belastungsfaktor“

Fischotter-Rückkehr sorgt nicht nur für Begeisterung

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In vielen Ländern Westeuropas gilt er als selten oder ausgestorben. Im Staffelsee ist der Fischotter wieder aufgetaucht – sehr zur Freude von Tierschützern. 

Seehausen– An diesem Nachweis lässt sich nicht rütteln: Daniëlle Sijbranda, Biberberaterin des Landkreises, filmte die neue Tierart, die sie im Staffelsee an zwei verschiedenen Stellen entdeckte. Der Fischotter hat sich wieder angesiedelt, mindestens drei Tiere hat Sijbranda ausgemacht. Über viele Jahre galt die Art in weiten Teilen Deutschlands als ausgestorben. Im Freistaat konnte sich in Niederbayern eine kleine Reliktpopulation halten, die sich seit Mitte der 1990er Jahre wieder nach Westen, Süden und Norden ausbreitet.

Jetzt ist der Fischotter, ein besonders und streng geschütztes Tier, wieder in der Region – sehr zur Freude von Tessy Lödermann, die schon seit etwa einem Jahr von dem Rückkehrer weiß, aber den Mantel des Schweigens über die für sie frohe Botschaft breitete: „Ich bin begeistert“, sagt die Vorsitzende des Tierschutzvereins des Landkreises. Sie empfindet die Sichtung des Fischotters, der je nach saisonaler Verfügbarkeit gerne auch Krebse, Amphibien, Reptilien, Vögel, Kleinsäuger und Insekten frisst, als „Bereicherung. Das zeigt, dass bei uns intakte Ökosysteme vorhanden sind“. Die Population, prophezeit Lödermann, werde nicht so riesig werden, dass sie eine Gefahr für die Fischbestände im See darstelle.

Trotzdem treibt das, was Naturschützer freut, offenbar anderen Sorgenfalten auf die Stirn – Staffelsee-Fischern etwa. „Bei ihnen gibt es große Angst“, hat Sijbranda bereits vor Tagen erklärt. Eine Stellungnahme war von den Fischern aktuell nicht erhältlich. Doch Fachleute dämpfen die Furcht, falls es sie denn gibt: „Der Fischotter sollte kein Problem für den See darstellen“, sagt Michaela Thiel, Expertin für diese Tierart beim Landesfischereiverband (LFV) Bayern. LFV-Pressesprecher Thomas Funke zufolge hangelten sich die Tiere im Zuge ihrer Verbreitung an Teichwirtschaften entlang, für die sie ein großes Problem bedeuteten. Diese sind des Fischotters Paradiese, weil sie quasi ein reich gedecktes Büffet darstellen. Auf Platz zwei der Lebensraum-Hitparade folgen Thiel zufolge Fließgewässer. „Der See ist für Fischotter am unattraktivsten.“

Doch Funke betont: Zu viele Tiere stellten ein Problem dar, „man darf die Rückkehr nicht nur bejubeln. Wir empfehlen, die Situation gut zu beobachten“. Wasserkraft und Einträge aus der Landwirtschaft in Gewässern setzten Fischbeständen zu. Der Otter sei „für Fische ein Belastungsfaktor zusätzlich“.

Wie viele dieser Tiere aus der Familie der Marder es in Bayern gibt, ist unklar. Es existiere keine flächendeckende Verbreitungskartierung, so Thiel. Sie geht aber davon aus, dass die nacht- und dämmerungsaktiven Fischotter häufiger auftreten als gedacht. Thiel vermutet, dass es sich bei den sicher gesichteten drei Tieren im Staffelsee um eine Mutter mit zwei Jungen handeln könnte. Weibchen brächten einmal pro Jahr Junge – in freier Natur zwei bis drei Stück – zur Welt. Man müsse damit rechnen, dass die Zahl der Fischotter am Staffelsee steigt, sagt Thiel, die kürzlich auch aus Huglfing eine „positive Meldung“ erhalten hat. „Sie vermehren sich aber nicht explosionsartig.“ Und: Für die Reusenfischerei – hier besteht die Gefahr, dass sich die Tiere in den Netzen verhängen und als Beifang sterben – gebe es Lösungen.

Doch so weit ist man am Staffelsee nicht. „Das Thema ist noch jungfräulich“, sagt Seehausens Bürgermeister Markus Hörmann (CSU), der aktuell Informationen sammelt. Von Fischern im Dorf erhielt er bislang keine Reaktion auf das Auftauchen der Tiere, auch das Landratsamt erreichten nach Angaben von Sprecher Stephan Scharf keine Klagen. Probleme träten in der Oberpfalz auf, das viele Fischteiche aufweise. Fischotter, die Scharf als „Zeichen für eine intakte Natur“ bezeichnet, fänden sich verbreitet in Ostbayern und „nur ganz vereinzelt“ in Oberbayern, Schwaben, Unter- und Mittelfranken. „Man kann in keinster Weise von einer flächendeckenden Verbreitung sprechen.“ In der Behörde will man sich nun Gedanken darüber machen, wie man weiter verfährt – und wie Hörmann auch Informationen sammeln über den Neu-Staffelseer.

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