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Lukrativ: der Betrieb des Stromnetzes – hier Masten im Murnauer Norden.

Netzgesellschaft gegründet

Staffelsee-Gemeinden steigen ins Stromgeschäft ein

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Das Tauziehen um das Murnauer Stromnetz ist beendet. Jetzt machen die Rivalen von einst, die Marktgemeinde und die Bayernwerk AG, gemeinsame Sache. Ins Leben gerufen wurde eine Netzgesellschaft, an der auch umliegende Kommunen beteiligt sind.

Murnau – Das Geschäft mit Stromnetzen gilt als lukrativ. Denn jeder Anbieter muss eine Art Gebühr bezahlen: das so genannte Netzentgelt. Es verwundert nicht, dass die Energieriesen wenig Interesse daran haben, sich davon zu trennen. Doch immer mehr Städte und Gemeinden versuchen, die Infrastruktur zurück in die öffentliche Hand zu bekommen. Rekommunalisierung heißt das Zauberwort. Konflikte sind da programmiert – und beschäftigen häufig die Gerichte. Das war auch in Murnau der Fall.

Zur Erinnerung: Der Weg zum Stromnetz führt über die Konzession, also das Recht, den öffentlichen Grund für die Leitungen zu nutzen. Im Zuge eines aufwändigen Bewerbungsverfahrens bekamen 2016 die Murnauer Gemeindewerke (zusammen mit den Stadtwerken München als Partner) den Zuschlag. Doch damit war der bisherige Betreiber und Eigentümer der technischen Anlagen, die Bayernwerk AG, eine hundertprozentige Eon-Tochter, nicht einverstanden (wir berichteten). Das Unternehmen zweifelte das Prozedere für die Vergabe an. Es kam zum Prozess, der immer noch nicht entschieden ist.

Vermutlich wird gar kein Richterspruch nötig sein. Denn die beiden Parteien haben sich aufeinander zubewegt, eine Allianz geschmiedet und den Rechtsstreit gestoppt. Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) spricht von einem „Super-Deal“ und einem „riesengroßen Meilenstein“. „Im Laufe der Gespräche ist deutlich geworden, dass wir noch etwas Besseres erreichen können“, berichtet der Rathaus-Chef in einem Pressegespräch.

Gegründet wurde nämlich eine gemeinsame Netzgesellschaft: die Oberland Stromnetz GmbH & Co. KG mit Sitz in Murnau – ein Konstrukt, das das gesamte Stromnetz im Staffelsee-Gebiet kontrolliert. Neben dem Hauptort Murnau sind auch umliegende Dörfer mit im Boot. Fünf haben bereits fest zugesagt: Uffing, Seehausen, Spatzenhausen, Riegsee und Großweil. Weitere sollen folgen. Geplant ist ein Bündnis von zehn Orten. Diese sollen auch mit einer Mehrheitsbeteiligung das Sagen in der genannten GmbH haben. Weitere Gesellschafter sind die Bayernwerk AG und die Stadtwerke München. Bereits am 1. Januar 2018 soll es losgehen. Karl Steingruber, kaufmännischer Leiter der Murnauer Werke und einer der Geschäftsführer des neuen Betriebs, spricht von einer „perfekten Lösung“ und von einem „sehr großen Schritt in der interkommunalen Zusammenarbeit“.

Das Geschäftsmodell, das dahinter steckt, ist kompliziert. Entscheidend ist: Die Bayernwerk AG überträgt ihr Stromnetz auf die GmbH, pachtet es zurück und betreibt es. Die Kommunen müssen dafür den Gegenwert als Einlage mitbringen. Diese Investitionen sind kein Pappenstiel. Allein der Wert des Murnauer Netzes wird auf 4,4 Millionen Euro geschätzt.

Und was soll das Ganze bringen? Die Beteiligten erhoffen sich ein Modell, von dem alle profitieren. „Das macht wirtschaftlich Sinn. Das ist eine entscheidende Verbesserung“, meint Beuting. Zum einen hätten die Kommunen mehr Einnahmen: Zu denen aus der Konzession kämen die aus der Pacht hinzu. Außerdem spielten energiepolitische Ziele eine Rolle. „Wir können mehr eigene Akzente setzen“, sagt Beuting. Dies komme bei allen Fragen der Infrastruktur zum Tragen, etwa wenn es darum gehe, Ladestationen für Elektroautos zu installieren.

Und was hat die Bayernwerk AG davon? Sie büßt zwar Einfluss ein, bleibt aber im Geschäft. Das dürfte immer noch besser sein, als das Stromnetz komplett zu verlieren. Im Murnauer Rathaus herrscht die Meinung vor, dass man den Rechtsstreit über eine Übernahme auf jeden Fall gewinnen würde.

Auf Nachfrage hält sich die Bayernwerk AG zurück. Zuerst wolle man den Abschluss der Verhandlungen mit allen Gemeinden abwarten, sagt Sprecher Manuel Köppl. „Wir sind auf einem guten Weg einer Einigung. Es geht um eine beiderseitige Win-win-Situation.“ Es sei die „beste Lösung“, so Köppl weiter, wenn der Netzbetrieb in der Region von einem verlässlichen Partner gesichert werde.

Indessen wird in Murnau an der nächsten Kooperation nach einem ähnlichen Strickmuster gefeilt – nur ein paar Nummern kleiner. Dabei geht es um das Gasnetz in Murnau und Seehausen – diesmal mit der Energienetze Bayern als Kompagnon.

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