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Gewusst wie: Lehrerin Marion Fiedler (vorne rechts) leitet das P-Seminar am Staffelsee-Gymnasium, bei dem sich alle elf Teilnehmer ihr eigenes Kajak bauen.

Schon die Inuit haben so gebaut

Der etwas andere Physik-Unterricht

Murnau - Sich sein eigenes Kajak bauen – diese pfiffige Idee setzen momentan Elftklässler des Murnauer Staffelsee-Gymnasiums mit Feuereifer in die Tat um. 

Im Photoraum des Murnauer Staffelsee-Gymnasiums drängt sich ein knappes Dutzend Elftklässler um das Gerüst eines Kajaks; alle binden, schrauben, bohren und schleifen. Ein für eine Schule dieser Art eher ungewöhnliches Bild. Des Rätsels Lösung: Die Burschen haben sich für ein P-Seminar (wobei P für praktisches steht) entschieden, das ihnen von Oberstudienrätin Marion Fiedler angeboten wurde.

„Es handelt sich dabei um einen etwas abgewandelten Physikunterricht“, erläutert die Pädagogin, deren Leidenschaft die Beschäftigung mit Wasserfahrzeugen ist. „Im Urlaub habe ich ein ‚Skin-on-frame‘-Kajak auf dem Meer gesehen und war sofort fasziniert von dieser Bootsbautechnik, mit der bereits die Inuit ihre Boote gebaut haben“, erzählt Fiedler. Dabei wird zunächst ein Rahmen aus Eschenleisten und Spanten aus Bootsbausperrholz gefertigt, mit reißfestem Nylonmaterial überzogen und anschließend mit Polyuretan beschichtet. „Bereits als kleines Mädchen habe ich mich am liebsten mit Modellbau beschäftigt. Und diese Freude möchte ich in diesem Seminar weitergeben.“

Während der Sommerferien hat die Lehrerin in ihrer Garage hierfür eine „Helling“ (eine Richtbank) aus Stahl angefertigt, damit die geplanten Boote verzugsfrei gebaut werden können, dazu einen Bausatz – gewissermaßen den Prototypen. Alle elf Teilnehmer werden im Verlauf des Seminars, das im November begann, ihr eigenes Boot bauen – unter Mithilfe ihrer Klassenkameraden.

Bei den Vorarbeiten halfen die Lehrwerkstatt der Firma Felder in Hall (Tirol), die die Spanten frästen, sowie die Schreinerei Wittmann aus Aidling, die die Längsstringer aus Eschenholz lieferte. „Beide Firmen haben uns durch sehr günstige Preise enorm unterstützt“, verdeutlicht Fiedler.

„Das handwerkliche Arbeiten macht den Jungen viel Spaß“, glaubt die Lehrerin. „Es ist aber auch ungewohnt für sie und benötigt viel Konzentration und Ausdauer. Jeder Baufortschritt erfordert Mitdenken, sauber und möglichst fehlerlos zu arbeiten, damit die Boote gut geradeaus laufen und stabil werden.“

Dies bestätigt auch Elftklässler Nikolas Fach (16): „Ich fand das Projekt eine echt coole Idee, weil wir dabei etwas Handwerkliches machen können und wir ein sichtbares Ergebnis haben.“ Alles müsse dabei sehr präzise sein, „und wir müssen stets darauf achten, dass wir uns in dem engen Raum nicht gegenseitig im Weg stehen. Am meisten Spaß macht mir dabei das Teamwork, die Leute sind gut drauf, und es verstehen sich alle“.

Auch Kilian Feuerstein (ebenfalls 16) ist mit großem Eifer bei der Sache: „Mit dem Akkubohrer zu arbeiten, zu sägen und zu schrauben macht richtig Spaß. Und die Vorfreude auf die erste gemeinsame Ausfahrt auf dem Staffelsee ist schon da.“

Fiedler geht es vor allem um die Sicherheit: „Wir üben erst mal mit einem Plastikboot, weil das Paddeln noch nicht alle können.“ Der erste Ausflug soll dann von Murnau aus zum Gasthof Alpenblick in Uffing stattfinden. „Das wird bestimmt eine Riesengaudi.“

Alle Teilnehmer mussten sich im Übrigen mit jeweils 600 Euro an „ihrem“ eigenen Boot beteiligen, zudem sprangen der Lions-Club Murnau-Staffelsee und der Kiwanis-Club Garmisch-Partenkirchen mit Spenden in die Bresche. „Denn sonst“, ist sich die Lehrerin sicher, „wäre das Seminar nie zustande gekommen.“

Heino Herpen

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