+
Der Staffelseebus (auf dem Bild an der Haltestelle im Mittleren Burggraben) wird bisher nur wenig frequentiert. Dies könnte sich bessern, wenn er den Senioren-Ruhesitz Staffelsee direkt anfahren würde.

Kritik am Staffelseebus-Konzept

Staffelseebus: Jahresdefizit von knapp 50.000 Euro

Seit 1. September 2015 dreht der Staffelseebus im nördlichen Landkreis seine Runden. Doch nur wenige nehmen dieses Angebot an. Die Fahrgastzahlen sprechen eine deutliche Sprache.

MurnauTag für Tag steuert der Staffelseebus Ziele in Murnau, Grafenaschau und Seehausen an. Als kostengünstige Alternative zu anderen, teureren Verkehrsmitteln ist er seit 1. September 2015 auf Tour. Doch nur wenige nehmen dieses Angebot an.

Wie vom Landratsamt Garmisch-Partenkirchen zu erfahren war, das im Dezember 2014 für die bisher ungeliebte Linie einen Verkehrsleistungsvertrag mit dem Regionalverkehr Oberbayern (RVO) geschlossen hat, wurden bei einer Fahrgastzählung zwischen Oktober 2015 und März 2016 täglich zwischen 20 und 24 Passagiere registriert. Bei einer weiteren Ermittlung im September 2016 waren es nur mehr 20 pro Tag. Dem stehen üppige Fixkosten gegenüber. „Die Ausgaben für den Betrieb des Staffelseebusses betragen im Monat durchschnittlich 4510 Euro“, teilt Stephan Scharf, Sprecher des Landratsamtes, mit. Und er wird noch präziser: „Die monatlichen Einnahmen belaufen sich auf 520 Euro, sodass pro Monat ein Defizit von rund 3990 Euro entsteht.“ Dadurch wächst das Minus im Jahr auf etwa 47.880 Euro an, das der Landkreis-Steuerzahler begleichen darf. Der mit der RVO geschlossene Kontrakt hat eine Laufzeit bis 31. August 2018. „Ob der Bus danach weiter betrieben wird, bleibt den Kreisgremien vorbehalten“, sagt Scharf.

Rainer Paschen, Vorsitzender des Murnauer Seniorenbeirats, sieht die schwache Frequentierung des Busses mit Sorge. „Es war ein Fehler von Anfang an, dass der Senioren-Ruhesitz Staffelsee an der Garhöll nicht direkt an die Linie angeschlossen wurde“, meint er. „Der Heimbeirat hat in dieser Sache einen eigenen Antrag an das Landratsamt gerichtet, der jedoch negativ beschieden wurde“, bedauert Paschen. „Dessen Argument war, dass bei einer Anbindung des Garhöll die Zuganschlüsse am Murnauer Bahnhof aus Zeitgründen nicht mehr eingehalten werden könnten.“ Bisher hält der Bus an der Kohlgruber Straße, aber nicht vor dem Ruhesitz, der etwa 300 Meter westlich liegt.

„Wir vom Seniorenbeirat meinen, dass wir uns einmal die anderen Haltestellen anschauen sollten, die zum Teil kaum frequentiert werden“, verdeutlicht Paschen. Laut Statistik steigen etwa bei zwei Stationen in Riedhausen pro Woche nur maximal zwei Fahrgäste zu. „Wir haben darüber diskutiert, sie zugunsten des Ruhesitzes Staffelsee fallen zu lassen und somit den Zeitverlust auszugleichen.“

In Kürze steht zu diesem Thema ein Gespräch mit dem Landratsamt an. Auch Heimleiter Martin Herber würde sich über eine Fahrplanänderung freuen: „Es geht uns schon länger darum, dass unsere Bewohner nicht so abgehängt sind“, sagt er. „Unsere personelle Ausstattung ist nicht mehr so üppig, seit wir nur noch über ein Haus verfügen. Daher können wir nicht mehr regelmäßig einen eigenen Bus-Service anbieten.“

Die Haltestelle an der Kohlgruber Straße sei für die Senioren völlig ungeeignet, zumal viele von ihnen den Weg dorthin gar nicht mehr schafften. Sein Appell: „Unsere Bewohner sind Bürger wie alle anderen auch. Und gerade sie hätten die Anbindung an die Buslinie besonders nötig.“

Heino Herpen

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Schreiben sorgt für Riesenwirbel
Drei Seiten geballter Zündstoff: Das Staatliche Bauamt in Weilheim hat mit einem dreiseitigen Brief für Turbulenzen in Mittenwald gesorgt. Darin wird den verdutzten …
Schreiben sorgt für Riesenwirbel
GaPa-Tourismus: Nachfolger von Peter Ries nimmt Arbeit auf
Er tritt in große Fußstapfen: Thorsten Unseld ist der Nachfolger von Tourismusdirektor Peter Ries. Vor zwei Wochen hat der neue Kaufmännische Leiter bei GaPa-Tourismus …
GaPa-Tourismus: Nachfolger von Peter Ries nimmt Arbeit auf
Gemeinde geht auf Anwohner zu
Die lärmgeplagten Anwohner an der Schwaigangerstraße in Murnau können einen ersten Etappensieg verbuchen. Die Marktgemeinde will ihrer Forderung nach einer …
Gemeinde geht auf Anwohner zu
Wenn der eigene Bruder unwählbar wird
Das Leben treibt oft seltsame Blüten: Im Falle von Claudio Corongiu geht es um etwas hochgradigÄrgerliches: Am Sonntag bemüht sich sein jüngerer Bruder Enrico um ein …
Wenn der eigene Bruder unwählbar wird

Kommentare