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Was vom Unwetter blieb: Im Freilichtmuseum an der Glentleiten müssen nun beschädigte Wege repariert werden.

Erst traf es Grafenaschau, dann Großweil und die Glentleiten

Unwetter-Häufung nur  „Zufall“

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Die Region hat im Wetter-Roulette zuletzt wiederholt den Schwarzen Peter gezogen: Nach Grafenaschau setzte eine Gewitterzelle Großweil und der Glentleiten zu; Aufräumarbeiten laufen. Ein Experte sagt: Die lokale Häufung ist ein Zufallsprodukt und lässt sich nicht unbedingt auf den Klimawandel schieben.

von Silke Jandretzki

Großweil– Kieswege wurden zu kleinen Canyons: zu 50 bis 60 Zentimeter tiefen Gräben. „Wir haben öfter mal Starkregen mit Ausspülungen – aber in diesem Ausmaß gab es das noch nie, das ist einmalig“, sagt Dr. Melanie Bauer, Pressesprecherin des Freilichtmuseums Glentleiten. Und auch Manfred Sporer, Bürgermeister der darunter liegenden Gemeinde Großweil, kann sich „an so ein Ereignis nicht erinnern“. 70 bis 80 Liter Regen pro Quadratmeter sollen sich am Freitagnachmittag innerhalb kurzer Zeit über den Ortsteil Großweil ergossen haben. Inklusive Museum, wo es Zollinger Halle, altes Eingangs- und Feuerwehrgebäude traf, stand nach Angaben Sporers „in knapp zehn Häusern“ Wasser im Keller; über 100 Feuerwehrkräfte aus der Region waren im Dauereinsatz. Im Ort traf es Geschäfts- und Wohngebäude. Den entstandenen Schaden vermögen weder Sporer noch Bauer genau zu beziffern. „Er wird im fünfstelligen Bereich liegen“, sagt Sporer. „Das ist eine realistische Größe.“

Auch Grafenaschau hatte erst an Pfingsten ein punktueller Starkregen heimgesucht – mit ähnlichen Auswirkungen und Schäden. Nun ist mancher alarmiert, befürchtet eine Häufung dieser Extrem-Ereignisse, vielleicht ausgelöst durch den Klimawandel? Experte Guido Kugelmann spricht angesichtes der Wiederholung mit Blick auf die Großwetterlage eher von Zufall, „wo wann welches Gewitter runtergeht und welche Niederschlags-Intensität auftritt“. In den vergangenen Wochen spielten nach Angaben des Meteorologen beim regionalen Klimabüro München des Deutschen Wetterdienstes zwei Phänomene zusammen. Zum einen traten keine großen Luftdruckunterschiede und nur eine schwache Strömung in höheren Atmosphären auf; eine starke würde die Gewitter ziehen lassen. So aber blieben diese an einer Stelle stehen. Zum anderen brachte die Strömung, die es gab, feuchtwarme Luft aus dem Mittelmeerraum. „In Verbindung mit der Sonne entstehen dann gerne Schauer und Gewitter“, erklärt Kugelmann. Ob es in der Region künftig häufiger zu solchen Unwettern kommen werde, lasse sich nicht sagen. Die jüngste Großwetterlage schaffte eine Situation, die solche Ereignisse bedinge. Eine Kaltwetterfront macht damit nun erst mal Schluss.

Das dürfte man an der Glentleiten und in Großweil mit Erleichterung hören – dort gilt es, Schäden vom Freitag zu beseitigen. Im Freilichtmuseum ist wegen der zerstörten Wege momentan noch ein Drittel des Geländes gesperrt (für Erwachsene gilt deshalb ein reduzierter Eintrittspreis von fünf statt sieben Euro): der Almbereich, der Technikteil mit den Mühlen, historische Kegelbahn und Salettl sowie sämtliche Gebäude im unteren Teil. „Wahrscheinlich noch in dieser Woche“, sagt Bauer, soll das Mühlental wieder zugänglich sein. Wann der Rest folgt, lasse sich noch nicht sagen. 20 Leute sind damit beschäftigt, die Wege zu reparieren. Wasser drang zudem in historische Häuser ein, ohne große Schäden zu hinterlassen. „Darüber sind wir sehr froh“, sagt Bauer. Auch im Verwaltungsgebäude bildeten sich Pfützen. Die Tiere auf dem Gelände, das am Samstag geschlossen blieb, wurden beim Unwetter in Ställen in Sicherheit gebracht, zwei Besucher mit Feuerwehr-Quads zum Ausgang gefahren. Man pumpte selbst Wasser aus dem Keller des alten Eingangsgebäudes, in dem das Schriftenlager in Mitleidenschaft gezogen wurde, während sich Großweils Wehr am späteren Freitagabend die Untergeschosse von Zollinger Halle und Glentleitner Feuerwehrhaus vornahm.

Im Ort hinterließ das Unwetter neben Kellern vor allem Schäden an Straßen, Wegen und Grundstücken. So wurde unter anderem das Kiesbankett der Museumsstraße, die in Hanglage zur Glentleiten führt, ausgespült. Unterhalb der Einrichtung verließ im Großweiler Süden ein Bach sein mit Geschiebe gefülltes Bett und wälzte sich auf einer Wiese über eine Ortsstraße hinweg bis zum Karpfsee. An der Autobahnausfahrt kam es zu einem Erdrutsch.

Für Sporer blieben zwei Erkenntnisse: Es macht Sinn, wie in früheren Jahren, bevor Schutzmaßnahmen an der Loisach umgesetzt wurden, einen gewissen Vorrat an bereits gefüllten Sandsäcken anzulegen. Und: Gerade an Hangstraßen wie der Route hoch zum Museum müssen Gullys nach stärkeren Niederschlägen gereinigt werden, damit sie wieder aufnahmefähig sind. Denn der nächste stärkere Regen kommt bestimmt.

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