Mögliches Millionenprojekt in Murnau

Hallenbad-Streit: Die Fronten bleiben verhärtet

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Wer soll den ersten Schritt machen und Position beziehen? Die Marktgemeinde Murnau oder der Landkreis? Um diese Frage geht es, vereinfacht gesagt, beim Ringen um den möglichen Schulschwimmbad-Bau in Murnau. Eine Annäherung ist nicht in Sicht.

Murnau – Es ist noch nicht einmal klar, ob das Mammutprojekt überhaupt eine politische Mehrheit in der zweitgrößten Landkreis-Kommune finden würde. Jetzt werden in der Ortspolitik Stimmen laut, die fordern, dass zuerst der Gemeinderat eine Grundsatzentscheidung fällen sollte.

Die jüngste Sitzung im Kreisausschuss wird Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) nicht so schnell vergessen. Er kassierte mit seinem Antrag auf Landkreisgelder nicht nur eine Abfuhr, sondern wurde auch noch von seinem Erzrivalen, Altbürgermeister und Vize-Landrat Dr. Michael Rapp (CSU), vorgeführt (wir berichteten). Über eine Übernahme von Kosten könne man erst abstimmen, hieß es in der Runde, wenn Murnau seine Hausaufgaben erledigt und das Hallenbad-Vorhaben beschließt. Der Tagesordnungspunkt wurde daher vertagt. Der Spielball liegt also jetzt wieder im Feld des Marktes.

Doch Beuting bleibt hart. „Ich bestehe darauf, dass sich der Landkreis in dieser Angelegenheit äußert“, sagt er. Man könne nicht einfach ins Blaue hinein planen, erst müsse die Finanzierung stehen. Diesen zentralen Punkt abzuklären, dazu sei er auch vom Gemeinderat beauftragt worden. Beuting beruft sich darauf, dass der Landkreis für einen Großteil der Murnauer Schüler (Realschule und Staffelsee-Gymnasium) die Finanzverantwortung trage.

CSU-Gemeinderat Josef Bierling, ein leidenschaftlicher Befürworter des Sportstättenbaus, geht mit Beutings Vorgehensweise hart ins Gericht. Er habe den Eindruck, ärgert sich Bierling, der ÖDP-Mann wolle nur dem Landkreis den Schwarzen Peter zuschieben, um einen Schuldigen für geplatzte Hallenbad-Träume zu haben. „Es geht nicht mehr um die Sache. Das ist schade“, meint der Christsoziale. Gespräche seien ja bereits geführt worden – und die Kreisverwaltung habe Unterstützung signalisiert. Jetzt müsse der Markt sagen, ob er die vornehmlich für den Schulunterricht gedachte Schwimmhalle will – oder nicht. „Nur so kann der Weg sein.“ Bierling ist davon überzeugt, dass das Ganze mit Fördermitteln und einer Landkreis-Finanzspritze zu schultern wäre. Diese Hilfen könnte man bei einem Ja zum Hallenbad als Voraussetzung festhalten.

Welf Probst von den Freien Wählern findet ebenfalls, dass das Thema in den Gemeinderat gehört, um das weitere Prozedere zu besprechen. Beuting habe zwar das Mandat für Verhandlungen bekommen. Nur hätte er das Kommunalparlament über den Stand der Dinge informieren müssen. Stattdessen sei er gleich mit einem Antrag in den Kreisausschuss „gerumpelt und hat eine Bauchlandung gemacht“, wundert sich Probst. Er, so der Politiker weiter, sei aber „skeptisch“, ob sich Murnau ein Bad leisten kann.

Doch es gibt auch Beuting-Unterstützer. „Eine Entscheidung, ohne zu wissen, in welcher Höhe sich der Landkreis beteiligt, wäre angesichts der im Raum stehenden Summen mehr als verantwortungslos“, schrieben Holger Poczka und Stefan Lechner (beide ÖDP/Bürgerforum) in einem gemeinsamen Leserbrief.

Und was sagt die Kreisbehörde dazu? Die könnte sich offenbar einen einmaligen Investitionszuschusses vorstellen. Zumindest wurde dieser in einer Beschlussvorlage zur besagten Sitzung des Kreisausschusses ins Spiel gebracht. Im Raum steht eine Summe in Höhe von rund 2,6 Millionen Euro. Für Beuting wäre dies eine Diskussionsgrundlage: „Damit hätte man arbeiten können.“ Allerdings stellt sich das Gemeinde-Oberhaupt auch eine Beteiligung an den Betriebskosten vor. Laut einer im Mai vorgestellten Studie würde der Bau eines Sporthallenbads sieben Millionen Euro kosten. Zählt man einen möglichen Grundstückskauf und die Mehrwertsteuer hinzu, ergäbe sich eine Investition in Höhe von fast zehn Millionen Euro.

Rubriklistenbild: © dpa

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