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Möglicher Standort für bezahlbares Wohnen: das Gelände westlich des James-Loeb-Hauses. Allerdings müssten dann diese Obstbäume geopfert werden. 

Verwaltung erarbeitet neue Vorschläge für Wohnbebauung

Streit um James-Loeb-Areal: Erster Punkt für Bürgerinitiative

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Der Bürgerprotest gegen die geplante Wohnbebauung auf dem Murnauer James-Loeb-Areal zeigt offenbar Wirkung. Der Gemeinderat fällte zwar in seiner Sitzung noch keine Entscheidung. Aber die Stimmen waren nicht zu überhören, die eine weniger massive Variante favorisieren. Die Rathaus-Verwaltung will nun neue Vorschläge erarbeiten.

Murnau – Größere Neubau-Projekte erregen häufig die Gemüter – erst recht, wenn sie in einem sensiblen Gebiet umgesetzt werden sollen. Ein solches ist zweifelsfrei das Murnauer James-Loeb-Areal mit dem ehrwürdigen, alten Gemeinde-Krankenhaus, in dem das Innovationsquartier untergebracht ist, und der schönen Streuobstwiese. Die Marktgemeinde plant dort ein genossenschaftliches Bauprojekt, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Der Entwurf eines Bebauungsplans sieht dreigeschossige Gebäude mit einer zulässigen Wandhöhe von 8,75 Metern vor – eine Größenordnung, mit der viele Anwohner überhaupt nicht einverstanden sind. Es regt sich Widerstand; in kürzester Zeit wurden über 300 Unterschriften gesammelt. Wortführer Helmut Nau und seine Mitstreiter stören sich an der ihrer Ansicht nach zu massiven Bebauung. Diese passe nicht zum Ortsbild, heißt es. Gefordert werden nur zwei Geschosse, eine aufgelockerte Bebauung und der Verzicht auf Wohnblöcke.

Den Volkszorn bekamen die Ortspolitiker gleich zu Beginn der Gemeinderatssitzung, in der das brisante Thema auf der Tagesordnung stand, in der „Bürgerfragestunde“ zu hören. Auch Nau ergriff das Wort und machte seinem Ärger Luft: „Das ist für diese Umgebung zu viel“, monierte der Architekt – und warnte vor Bezugsfällen. „Wenn alle Wiesen zugeballert sind, dann haben wir Murnau so verändert, dass es sein Gesicht verliert.“

Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) versuchte, die Wogen zu glätten und Brücken zu bauen. „Dieser Plan legt noch kein Gebäude fest“, erklärte er. Erst im nächsten Schritt könnten sich interessierte Genossenschaften mit ihren Konzepten bewerben. Bei der Vergabe des gemeindeeigenen Grundstücks – im Gespräch ist ein Erbpachtmodell – spiele die Qualität des Wohnens eine große Rolle. „Wir haben alle das selbe Anliegen“, sagte der Rathauschef, der darauf verwies, dass der Gemeinderat die jetzt strittige, dreigeschossige Bebauung bereits beschlossen hat.

Doch in diesem Punkt fand offenbar bei vielen Mandatsträgern ein Umdenken statt, was im Verlauf der längeren und bisweilen emotionalen Debatte deutlich wurde. Der Tenor: Das Bauvorhaben in der aktuellen Fassung sei überdimensioniert – und eine abgespeckte Version daher angebracht. Vor allem Wandhöhe und Geschosszahl stießen auf Ablehnung. Die Rede war von „Hochhäusern“, die überhaupt nicht in das Viertel passten. „Wir müssen nochmal nachjustieren“, sagte etwa Maria Schägger (Freie Wähler) in die Runde. „Ich möchte meine Heimat nicht verkaufen.“ Und Regina Samm (CSU) empfahl: „Wir sollten sehr vorsichtig rangehen.“

Es wurden jedoch auch Stimmen laut, die die akute Wohnungsnot in der Marktgemeinde in Erinnerung riefen: „Uns ziehen die Leute weg“, betonte Michael Manlik (ÖDP/Bürgerforum). Er appellierte an seine Kollegen, sich nicht nur für städtebauliche Fragen einzusetzen, sondern auch für das sozialverträgliche Wohnen.

Entschieden wurde in der Sitzung noch nichts. Die Verwaltung will nun auf Tagblatt-Nachfrage verschiedene Varianten prüfen. Frühestens Ende Juli sollen die Ergebnisse vorliegen. Mögliche Kompromisse zeichneten sich in der Sitzung bereits ab. Vorstellbar wären unter anderem zweigeschossige Wohnhäuser mit ausgebauten Dachgeschossen oder eine Mischung aus zwei- und dreigeschossigen Bauwerken. Entscheidend dabei ist: Genossenschaften müssen in der Lage sein, so zu bauen, dass günstiges Wohnen realisierbar ist.

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