+
Unterschriften-Marathon im Rathaus: (v. l.) Holger Rehmeier (Stadtwerke München), Stefan Drexl (Bayernwerk), Karl Steingruber (Regionalwerk der Kommunen), Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting, Gerhard Lößlein (Stadtwerke München) und Ursula Jekelius (Bayernwerk).

Neue Gesellschaft gegründet

Stromnetz: Gemeinden schmieden Allianz

  • schließen

Die Kommunen des Staffelseeraums gehen  in Sachen Stromversorgung neue Wege: Zusammen mit Partnern gründeten sie jetzt eine Netzgesellschaft.

Murnau – Das Thema klingt ziemlich bürokratisch. Es geht aber um eine wichtige Infrastruktur, die alle betrifft: die Stromversorgung. Jetzt haben der Markt Murnau sowie umliegende Gemeinden gemeinsam mit der Eon-Tochter Bayernwerk und den Stadtwerken München im Zuge eines kleinen Festaktes eine Netzgesellschaft aus der Taufe gehoben – ein kompliziertes Konstrukt, das das gesamte Stromnetz im Staffelseeraum kontrolliert. Dieses umfasst Leitungen mit einer Länge von insgesamt rund 780 Kilometern sowie etwa 7800 Hausanschlüsse.

Im großen Sitzungssaal des frisch sanierten Murnauer Rathauses fand, bevor Häppchen und Sekt gereicht wurden, ein regelrechter Unterschriften-Marathon statt. Schließlich musste ein dickes Vertragswerk besiegelt werden. Der Vorteil für die Kommunen liegt auf der Hand: Sie haben nun Einfluss auf alle wichtigen Entscheidungen in Sachen Stromnetz. „Wir können eigene Akzente setzen, zum Beispiel wenn es um die Installation von Ladestationen für Elektroautos geht“, erläutert Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum). Für den Bürger ändert sich nichts. Er kann weiterhin frei einen Stromanbieter auswählen.

Die Vorgeschichte ist lang: Das Geschäft mit Stromnetzen gilt als lukrativ. Kein Wunder, dass die großen Energie-Unternehmen kein Interesse haben, sich davon zu trennen. Doch immer mehr Städte und Gemeinden versuchen, die Infrastruktur in die öffentliche Hand zu bekommen. Rekommunalisierung heißt das Zauberwort. Das war auch in Murnau der Fall. Der Markt lieferte sich mit der bisherigen Betreiberin und Eigentümerin, der Bayernwerk AG, ein jahrelanges Tauziehen um das Stromnetz, das in einen Rechtsstreit über die Konzessionsvergabe mündete. Der Durchbruch gelang schließlich in Form der jetzt offiziell gegründeten Oberland Stromnetz GmbH & Co. KG, so der volle Name – eine Kompromisslösung, die weitere Kommunen der Region mit ins Boot holte und von der alle profitieren können. „Wir haben aus einer Gegnerschaft ein Miteinander gemacht“, betont Beuting. Die Weichen hierfür wurden bereits 2017 gestellt.

So funktioniert der Deal: Die Bayernwerk AG überträgt ihr Stromnetz auf die neue GmbH, pachtet es zurück und betreibt es. Die Kommunen, die sich zum Regionalwerk Oberland zusammengeschlossen haben, müssen den Gegenwert als Einlage mitbringen. Insgesamt sind dies 6,6 Millionen Euro. Dafür werden aber auch Einnahmen kassiert. Mit dabei sind neben dem Hauptort Murnau Uffing, Huglfing, Oberhausen, Spatzenhausen, Riegsee, Großweil, Obersöchering und Eglfing. Seehausen stellt nur sein Netz zur Verfügung, beteiligt sich aber nicht an der Gesellschaft. Entscheidend: Die Gemeinden verfügen in der Stromnetz-GmbH über eine 51,1-Prozent-Mehrheit – und haben somit das Sagen. 

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Bär in Bayern gesichtet: Wildtierkamera knipst „scheues“ Tier  - Tierschützer mit Vermutung
Ein Braunbär ist an der Grenze zu Bayern in eine Fotofalle getappt. Jetzt wurde das Tier auch im Freistaat geknipst - bei Garmisch-Partenkirchen.
Bär in Bayern gesichtet: Wildtierkamera knipst „scheues“ Tier  - Tierschützer mit Vermutung
Straßenausbau in Aidling: Anlieger drohen Gemeinde mit Klage
Der Straßenbau An der Scharnitz in Aidling kann wahrscheinlich heuer noch abgeschlossen werden. Ob die Anlieger dafür zahlen müssen, ist derzeit noch unklar. Wenn ja, …
Straßenausbau in Aidling: Anlieger drohen Gemeinde mit Klage
Gefahrenstelle: Voraussetzung für Gehweg fehlt noch
Für viele ist sie eine der gefährlichsten Stellen im Ort: die Bundesstraße 23 im Bereich des Campingplatzes an der Griesener Straße. Schon lange will Grain-au dort einen …
Gefahrenstelle: Voraussetzung für Gehweg fehlt noch
Vier Tote sind genug: Gemeinde Krün drängt auf Entschärfung der B2
Die Bundesstraße 2 bei Krün soll auf Höhe Barmsee und Tennsee entschärft werden. Geplant ist unter anderem Fußgänger-Unterführung.
Vier Tote sind genug: Gemeinde Krün drängt auf Entschärfung der B2