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Besucher fotografieren sich am 29.08.2015 im Verteidigungsministerium in Berlin am Tag der offenen Tür der Bundesregierung vor einem Panzer.

Friedensinitiative plant Demo und Mahnwache

„Tag der Bundeswehr“ in Murnau: Waffenverherrlichend und kinderschädlich? 

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Die Bundeswehr rührt Anfang Juni in Murnau kräftig die Werbetrommel – mit einem Aktionstag, der auch Familien ansprechen soll. Eine Friedensinitiative kündigt Proteste an.

Murnau – Die Vorbereitungen für dieses Großereignis, das deutschlandweit an 16 Standorten stattfindet, laufen auf Hochtouren: Beim „Tag der Bundeswehr“ am Samstag, 9. Juni, will sich die Truppe in einer Bandbreite präsentieren, „wie sie Murnau noch nicht gesehen hat“, heißt es in einer Pressemitteilung. Rund 12 000 Besucher werden zu dem Spektakel in der Werdenfelser Kaserne erwartet, für das die Bundeswehr weder Kosten noch Mühen scheut und bei dem sie Einblicke in ihre Aufgaben und Tätigkeiten gewährt. Der Beweggrund für die PR-Offensive liegt auf der Hand: Es soll Nachwuchs gewonnen werden.

Ein Tag für die ganze Familie? In Murnau können Bundeswehrfahrzeuge auch von den kleinen Besuchern unter die Lupe genommen werden. 

Militärische Erlebniswelt mit Kinderprogramm

Die Garnison an der Weilheimer Straße – in Murnau ist das IT-Bataillon 293 stationiert – verwandelt sich dann in eine militärische Erlebniswelt. So wird schweres Gerät wie Panzer und Haubitzen aufgefahren, Fallschirmspringer landen auf dem Fußballplatz, Besucher können in einem geländegängigen Einsatzfahrzeug mitfahren oder erleben, wie es in einem Feldlager im afrikanischen Wüstenstaat Mali zugeht – um nur einige Beispiele zu nennen. Und damit den kleinen Gästen nicht langweilig wird, gibt’s ein Kinderprogramm, zu dem beispielsweise ein Karussell oder Schminken zählen.

Der Bad Tölzer Helmut Groß, Vorsitzender der Friedensinitiative Bad Tölz-Wolfratshausen, ist mit dieser Werbekampagne alles andere als einverstanden. „Uns stört vor allem, dass sich die Bundeswehr an diesem Tag als ganz normaler attraktiver Arbeitgeber präsentiert und dass mit entsprechenden Attraktionen ausdrücklich auch Kinder zu dieser Veranstaltung eingeladen sind“, kritisiert er auf Nachfrage. Seiner Ansicht nach geht es hier nicht nur um Kinderbetreuung, damit sich die Erwachsenen in Ruhe informieren können. Die Kleinen würden mit sämtlichen Waffensystemen konfrontiert. „Das ist fragwürdig“, sagt der Landschaftsgärtner, der sich seit Anfang der 1980er Jahre in der Friedensbewegung engagiert.

„Wir halten die Bundeswehr in der heutigen Zeit für überflüssig.“

Seine Gruppierung will daher den „Tag der Bundeswehr“ nicht einfach so hinnehmen, sondern kündigt zum gleichen Termin zwei Gegenveranstaltungen an. An der Mariensäule in der Fußgängerzone ist eine Demo mit Musik- und Redebeiträgen geplant – und in der Nähe des Kasernen-Haupteingangs eine Art Mahnwache. Beide Versammlungen sind angemeldet – und werden von der Polizei als harmlos eingestuft.

Groß hat generell ein Problem mit den deutschen Streitkräften: „Wir halten die Bundeswehr in der heutigen Zeit für überflüssig. Landesverteidigung ist auf absehbare Zeit kein Thema und würde im Ernstfall unser hochtechnisiertes Land nicht schützen, sondern eher komplett unbewohnbar machen“, meint er mit Verweis auf einen möglichen Einsatz von Atomwaffen. Auch die Wahrnehmung internationaler Verantwortung durch Kriegs- und Militäreinsätze lehne sein Bündnis grundsätzlich ab.

Bundeswehr-Sprecher: „Unsere Zielgruppe sind 17- bis 35-Jährige“

In der Bundeswehr kann man indessen die Vorwürfe nicht nachvollziehen. Mit dem besagten Aktionstag würden nicht gezielt Kinder angesprochen, stellt Oberstleutnant und Pressestabsoffizier Max-Joseph Kronenbitter klar. „Unsere Zielgruppe sind die 17- bis 35-Jährigen.“ Aber der Tag sei nunmal auch für Familien interessant. Und da gehöre ein Programm für Mädchen und Buben dazu. Alle ausgestellten Waffen werden seinen Angaben zufolge von Sicherheitspersonal beaufsichtigt und dürften nicht angefasst werden. Generell habe das Angebot keine „waffenverherrlichenden Elemente“, erläutert der Sprecher der Bundeswehr. Aber natürlich sei diese kein ziviler Arbeitgeber. „Das Militärische ist unser Kernbestandteil. Wir zeigen die Dinge, wie sie sind.“

Und was sagt er dazu, dass Groß und seine Leute dagegen auf die Straße gehen? Das sei in Ordnung, fährt Kronenbitter fort – und verweist auf den Auftrag der Bundeswehr, das demokratische Grundrecht der Meinungsfreiheit zu verteidigen: „Wir kämpfen auch dafür, dass Du gegen uns sein kannst.“

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