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Wurde bestreikt: die Murnauer Unfallklinik, hier der Haupteingang mit den Corona-Sicherheitsvorkehrungen.

Unterschiedliche Angaben über Umfang und Auswirkungen

Tarifstreit erreicht Unfallklinik

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Ein Tarifkonflikt ist immer auch ein Kampf um die Deutungshoheit – erst recht, wenn es zur Arbeitsniederlegung kommt. Bestes Beispiel: der Ärzte-Warnstreik an der Murnauer Unfallklinik. Die beiden Verhandlungsparteien machten völlig unterschiedliche Angaben zum Umfang und zu den Auswirkungen der Aktion.

Murnau – Dem Besucher der Murnauer Unfallklinik (UKM) bot sich das gewohnte Bild – sieht man von den strengen Sicherheitsvorkehrungen im Zuge der Corona-Pandemie einmal ab. Ein Hinweis auf einen Warnstreik der Ärzteschaft und auf mögliche Beeinträchtigungen war jedenfalls im Eingangsbereich des international angesehenen Traumazentrums nicht zu finden. In dem Betrieb, der einer der größten Arbeitgeber in der Region ist, schien alles seinen üblichen Gang zu nehmen.

Dabei hatte die Ärztegewerkschaft Marburger Bund ihre Mitglieder dazu aufgerufen, die Arbeit an diesem Tag niederzulegen, um im Tarifstreit mit dem Dachkonzern BG Kliniken, einer gemeinnützigen GmbH mit insgesamt 13 Standorten, den Druck zu erhöhen. In Berlin wurden in einem Hotel am Alexanderplatz die Verhandlungen fortgesetzt. Der Knackpunkt ist dabei vor allem der künftige Umgang mit den gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten nach Bereitschaftsdiensten.

Nach Darstellung der BG Kliniken – Träger sind die Berufsgenossenschaften und die Unfallkassen in Deutschland – war der Streik in Murnau nur ein Sturm im Wasserglas. Gerade mal rund ein Dutzend Beschäftigte hätten sich an dem Arbeitskampf beteiligt, berichtete Eike Jeske, Sprecher des Klinikverbundes mit Sitz in Berlin – nicht viel bei insgesamt rund 280 UKM-Ärzten. Und weiter heißt es in der schriftlichen Stellungnahme: „Aktionen auf dem Klinikgelände hat es keine gegeben, und die Patientenversorgung war zu keiner Zeit beeinträchtigt. Auch an unseren weiteren Standorten ist die Lage vollständig ruhig.“

Eine Beschreibung, die Dr. Andreas Botzlar für „Fake News“ hält. Der Chirurg, der Zweiter Bundesvorsitzender des Marburger Bundes und am UKM als Oberarzt in der Notaufnahme tätig ist, hat eine ganz andere Version parat. Eine konkrete Anzahl an Streikteilnehmern konnte er zwar nicht nennen. Es hätten aber deutlich mehr mitgemacht als das von den BG Kliniken angegebene Dutzend – mit spürbaren Folgen.

„Die Auswirkungen sind offensichtlich erkennbar“, fasste Botzlar, der sich derzeit in Berlin aufhält, zusammen. So sei beispielsweise das OP-Programm notgedrungen heruntergefahren worden. Es habe sich aber bei allen Einschnitten um aufschiebbare Leistungen gehandelt. „Es soll niemand Schaden erleiden“, so der Mediziner. Er sei jedenfalls mit der Streikaktion „sehr zufrieden“. Auf eine Kundgebung vor Ort habe man verzichtet. Dafür fuhren Botzlar zufolge rund 30 seiner UKM-Kollegen in die Hauptstadt, um den Forderungen des Marburger Bundes nach besseren Arbeitsbedingungen Nachdruck zu verleihen.

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