SPD-Paukenschlag: „Unerwartete Wendung“ - Esken verkündet „Kanzler-Wumms“ - doch der Tonfall überrascht

SPD-Paukenschlag: „Unerwartete Wendung“ - Esken verkündet „Kanzler-Wumms“ - doch der Tonfall überrascht
+

Zahl im Bereich Murnau steigt

Tatmotiv Hunger: Senioren werden zu Ladendieben

  • Silke Reinbold-Jandretzki
    vonSilke Reinbold-Jandretzki
    schließen

Murnau - Hunger lässt sie zu Ladendieben werden: Bei der Murnauer Polizei werden zunehmend Senioren aktenkundig, die Essen stehlen.

Die Entwicklung – Murnaus Polizei-Chef Joachim Loy findet sie „auffallend“: Die Inspektion verzeichnet in ihrem Zuständigkeitsgebiet zunehmend Senioren, die beim Ladendiebstahl ertappt werden. 10 Menschen über 60 Jahren bei insgesamt 30 angezeigten Taten waren es im vergangenen Jahr – „so viele wie noch nie“, betont Loy. Einst stellten ältere Täter bei diesem Delikt eher eine große Ausnahme dar. Mittlerweile gehört jeder dritte Beschuldigte dieser Gruppe an. Der Polizei-Chef beobachtet seit längerem eine langsame, aber stetige Zunahme.

Und er sieht, was diese Senioren stehlen: „Lebensmittel“. Für Loy ein klarer Indikator dafür, dass es in der Region zunehmend ältere Menschen in Not gibt. Vielen von ihnen hilft die Murnauer Tafel. Immer montags von 13 bis 14 Uhr können sich Bedürftige aus der Region gegen einen Nachweis an der Ausgabestelle im Kemmelpark mit Lebensmitteln versorgen – bisher für einen Euro pro Einkauf. 65 bis 68 Menschen kommen nach Angaben von Irmgard Zink, Leiterin der Murnauer Tafel, jede Woche – drei Viertel davon seien Senioren. Nimmt man die Familien der Kunden hinzu, versorgt die Einrichtung „170 bis 180 Menschen“.

Das Problem: Diese Hilfe könnten wohl noch viel mehr Menschen gebrauchen. „Ich rechne mit einer hohen Dunkelziffer“, sagt Zink. „Es ist sehr schwierig, an ältere Menschen ranzukommen.“ Die 83-Jährige versucht dies „auf allen Wegen, weil es ganz sicher genügend Ältere mit wenig Rente und Bedürftige gibt“ – doch viele wagten sich aus Scham nicht zur Ausgabestelle an der Dr.-Friedrich-und-Ilse-Erhard-Straße 13. Dabei sei diese doch „so abgelegen“, betont Zwink. „Und wir haben immer genügend Lebensmittel.“

Doch auch Christine Larch weiß: Viele, vor allem alteingesessene Murnauer, trauen sich nicht zu Caritas und Tafel, „weil sie Angst haben, gesehen zu werden“ – und damit stigmatisiert. Deshalb geht Larch ebenfalls von einer „hohen Dunkelziffer“ an bedürftigen Senioren aus, die von Toastbrot und Billigwurst leben, wenn sie sich eine gesunde, vollwertige Ernährung nicht mehr leisten können. Larch meint: „Es gibt auf alle Fälle immer mehr ältere Menschen mit wenig Geld, vor allem Frauen.“

Sie spricht aus Erfahrung, denn sie leistet in Murnau Basisarbeit: als Zweite Vorsitzende des Seniorentreffs sowie als ehrenamtliche Ansprechpartnerin im Caritas-Mehrgenerationenhaus (MGH), dem Treffpunkt Miteinand im Kemmelpark – speziell im offenen Café-Treff. Dieser stellt montags von 12.30 bis 17 Uhr, also parallel zur Tafel, eine erste, niederschwellige Anlaufstelle für Hilfesuchende dar. Die Ehrenamtlichen wollen, dass Bedürftige ihre Hemmschwelle überwinden. Sie drücken Besuchern ein Programm in die Hand, bieten ihnen Kaffee und Kuchen oder eine Suppe an. Larch beklagt, dass das MGH unter Finanzierungsproblemen leide und würde sich mehr Unterstützung von Gemeindeseite wünschen. „Ohne Ehrenamtliche“, sagt sie, „wäre das Mehrgenerationenhaus schon lange weg."

Silke Jandretzki

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Grafenaschau soll Dorfkern bekommen - Lindenhof-Eigentümer kritisiert jedoch Pläne der Gemeinde Schwaigen
Die Innere Mission sieht die Pläne der Gemeinde Schwaigen für das Lindenhof-Areal kritisch. Die Kommune will dort Verschiedenes realisieren.
Grafenaschau soll Dorfkern bekommen - Lindenhof-Eigentümer kritisiert jedoch Pläne der Gemeinde Schwaigen
Schwere Radunfälle im Tölzer Land: Fünf Verletzte
Eine ganze Reihe von schweren Fahrradunfällen ereignete sich am Wochenende im südlichen Landkreis. Fünf Beteiligte mussten in Krankenhäuser gebracht werden. Einmal war …
Schwere Radunfälle im Tölzer Land: Fünf Verletzte
„Ausbremst is!“: Grainauer Bürger demonstrieren -Anwohnern stinkt der Ausflugsverkehr
Gegen Verkehr, Lärm und Gestank protestierten zahlreiche Bürger aus Grainau am Samstagvormittag. Ihr Ziel ist, die Politik zum Umdenken zu animieren.
„Ausbremst is!“: Grainauer Bürger demonstrieren -Anwohnern stinkt der Ausflugsverkehr
Nach der Demo gegen den Verkehrskollaps: „Parkplatz-Suchchaos“ rund um den Eibsee
Mit so vielen Teilnehmern hatten die Initiatoren nicht gerechnet. Knapp 500 kamen nach Grainau, um unter dem Motto „Ausbremst is“ für die Verkehrswende und gegen das …
Nach der Demo gegen den Verkehrskollaps: „Parkplatz-Suchchaos“ rund um den Eibsee

Kommentare