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Tauziehen um Murnauer James-Loeb-Areal: Kampfabstimmung abgeblasen

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Von: Andreas Seiler

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Hier könnte genossenschaftlicher Wohnungsbau entstehen: die freien Flächen neben dem alten Gemeinde-Krankenhaus. © Herpen

Der Markt Murnau kommt im Streit um die geplante Wohnbebauung auf dem James-Loeb-Areal nicht weiter: Das heikle Thema wurde in der Sitzung des Gemeinderats vertagt. Der Knackpunkt ist die Frage, welche Gebäudehöhe das Gelände am alten Gemeinde-Krankenhaus verträgt.

Murnau – Dieser Andrang im Sitzungssaal des Murnauer Rathauses hatte Seltenheitswert: Am Mittwochabend mussten sogar Extra-Stuhlreihen aufgestellt werden, damit die vielen Besucher Platz fanden. Gleich zu Beginn der Zusammenkunft des Gemeinderats, in der „Bürgerfragestunde“, machten mehrere Redner ihrem Ärger Luft. Der Anlass: der geplante genossenschaftliche Wohnungsbau auf dem James-Loeb-Areal – ein Dauerthema, mit dem sich jetzt das Kommunalparlament erneut beschäftigte. Die Bürgermeisterpartei ÖDP/Bürgerforum hatte dazu einen Antrag eingereicht.

Die Gemeinde möchte mit dem Vorhaben der Wohnungsnot entgegenwirken. Nur stößt die in den Augen der Anlieger zu massive Bebauung – der Entwurf eines Bebauungsplans sieht dreigeschossige Gebäude vor – auf erheblichen Widerstand. Befürchtet werden eine Verschandelung des Ortsbildes und eine Zunahme der Verkehrsbelastung in dem Viertel. Im Gespräch ist bereits ein Bürgerbegehren.

Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) habe versprochen, die Betroffenen miteinzubeziehen. Doch bislang sei dies nicht geschehen, ärgerte sich Wortführer Helmut Nau – und appellierte eindringlich an den Rathauschef: „Nehmen Sie die Bürger ernst!“ Mit den bislang vorliegenden Plänen kann sich der Architekt überhaupt nicht anfreunden. Diese seien „mehr als mangelhaft“, monierte Nau, der für ein abgespecktes, zweigeschossiges Konzept plädiert. Die Fläche um das alte Gemeinde-Krankenhaus werde sonst „verhunzt“. Noch drastischer äußerte sich Evelyn Borlinghaus. „Das Gelände wird vergewaltigt“, sagte sie – und stellte gleich das gesamte Bauprojekt in Frage: „Muss das unbedingt sein?“

Beuting versuchte, die Wogen zu glätten. Man rede bislang über „ungelegte Eier“. Zuerst müsse der Startschuss für das Planungsverfahren erfolgen. Dann würden auch die Anlieger eingebunden. „Es muss eine verträgliche Lösung gefunden werden“, meinte Beuting. Grundsätzlich sprach er sich für eine „dichte Bebauung“ aus. Denn nur auf diese Weise, so sein Argument, ließen sich bezahlbare Mieten realisieren. „Das ist der Trend der Zeit.“

Mit dem besagten Antrag wollte das ÖDP/Bürgerforum Bewegung in die Sache bringen. Fraktionschef Michael Manlik sprach von einem „Kompromiss“. Dieser sah eine Teilbebauung im Nordwesten des Areals vor – allerdings mit drei Vollgeschossen. Sonst bestehe die Gefahr, warnte Manlik, dass sich keine Genossenschaft findet, die investiert.

Doch zu einer Kampfabstimmung kam es nicht. Im Laufe der lebhaften Debatte wurde schnell deutlich, dass die Meinungen weit auseinandergehen – vor allem hinsichtlich der Dimension der Bebauung. CSU-Gemeinderat Michael Hosp wünschte sich weitere Unterlagen, etwa eine Bedarfsanalyse, die Aufschluss darüber geben soll, welche Art von Wohnraum in Murnau überhaupt gebraucht wird. „Wir sind vollkommen in der Luft“, beschwerte sich der Politiker. Und Freie-Wähler-Chef Welf Probst befand: „Ich halte das Grundstück für ungeeignet.“ Außerdem wurde in der Sitzung der Vorwurf laut, das ÖDP/Bürgerforum wolle kurz vor der Wahl noch schnell einen Erfolg erzielen.

Nach längerem Hin und Her verständigte sich das Gremium mehrheitlich (gegen die Stimmen des ÖDP/Bürgerforums) darauf, das Thema zu einem späteren Zeitpunkt erneut aufzugreifen. Die Fraktionen sollen die Gelegenheit haben, sich auszutauschen. Es zeichnet sich ab: Eine Entscheidung wird der Gemeinderat erst in der nächsten Legislaturperiode fällen.

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