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Seltener Fund: die tote Boa constrictor aus der Murnauer Lourdesgrotte. 

Polizei tappt noch im Dunkeln

Tote Boa in Lourdesgrotte:  das Schlangenrätsel

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Wie kam eine rund drei Meter lange Würgeschlange in die Murnauer Lourdesgrotte? Der ungewöhnliche Fall beschäftigt nach wie vor die Polizei. Fest steht bislang nur: Bei dem tot aufgefundenen Tier handelt es sich um eine Boa constrictor, die normalerweise in Südamerika beheimatet ist.

Murnau – Elfriede Gröbl wird den vergangenen Freitagvormittag nicht so schnell vergessen: Denn als die Murnauerin und ihr Mann in der Lourdesgrotte oberhalb des Alpenhofs nach dem Rechten schauten, trauten sie ihren Augen nicht. In einer dunklen Ecke der religiösen Stätte, die Gläubige aufsuchen, um zur Mutter Gottes zu beten, lag ein „riesengroßer, schwarzer Haufen“, wie die 78-Jährige berichtet. Bei näherer Betrachtung erwies sich dieser als zusammengekringelte Schlange. Sie sei schon etwas erschrocken, sagt Gröbl. „Wir sind davon ausgegangen, dass sie noch lebendig ist.“ Und einer Schlange dieses Kalibers kommt man nicht zu nahe. Also verständigten die beiden, die sich seit vielen Jahren um die Lourdesgrotte kümmern, beispielsweise für frische Kerzen und Blumen sorgen, die Polizei. Diese stellte fest, dass das Tier bereits tot war (wir berichteten). Es komme schon mal vor, dass sich kleine Lebewesen in den felsigen Hohlraum verirren, meint Gröbl, etwa eine Kröte oder ein Vogel. Aber ein solches Reptil sei ihr dort noch nie untergekommen. Sie vermutet, dass es ausgesetzt wurde. „Eine andere Möglichkeit kann ich mir nicht vorstellen.“

Die Beamten der Murnauer Inspektion gehen zwar ersten Hinweisen nach, tappen aber weiterhin im Dunkeln. Zwei Fragen stehen im Mittelpunkt: Wem gehörte das stattliche Kriechtier? Und wie und warum kam es ausgerechnet in die besagte Grotte, die an die angebliche Marienerscheinung im französischen Lourdes erinnert? Zumindest konnte mithilfe einer Expertin aus München die genaue Art festgestellt werden: Es handelt sich um eine Boa constrictor. Fest steht: Diese ist normalerweise von Mexiko bis ins südliche Südamerika verbreitet – aber nicht im Voralpenland. Allenfalls Zoos und Reptilienfans halten derartige Exemplare in speziellen Terrarien, in denen eine konstant warme Lufttemperatur von um die 30 Grad Celsius herrscht. Nach Ansicht der Polizei kommen drei Erklärungen in Frage: Der Eigentümer hat die Schlange lebendig ausgesetzt, den bereits toten Körper „entsorgt“, oder das Tier, das seine Beute erst erwürgt und dann mit einem Happs verschlingt, ist ausgerissen. Auch wird geprüft, ob eine Straftat vorliegt. Beispielsweise ist ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz denkbar.

Die Tierschutzorganisation „Peta“ spricht laut einer Pressemitteilung bereits von Tierquälerei und setzt eine Belohnung in Höhe von 500 Euro für Hinweise, die zu seiner Verurteilung führen, aus. „Es muss genau geprüft werden, ob hier ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vorliegt. Wenn die Boa aufgrund von Vernachlässigung oder durch Aussetzen gestorben ist oder vielleicht sogar zuvor getötet wurde, muss der Täter dafür zur Rechenschaft gezogen werden“, sagt Fachreferentin Jana Hoger. „Häufig handelt es sich bei solchen Funden um Exoten aus dem Internet, deren Halter sich nicht ausreichend mit den Bedürfnissen der anspruchsvollen Lebewesen auseinandergesetzt haben. Wenn ihnen dann Aufwand, Kosten und – im wahrsten Sinne des Wortes – die Tiere selbst über den Kopf wachsen, werden die Reptilien oft skrupellos entsorgt.“ „Peta“ fordert daher ein generelles Haltungsverbot dieser Exoten in Privathaushalten.

Eine Boa zu kaufen, ist einfach. Laut Thomas Lücke, der in Oberammergau das Reptilienhaus betreibt, sind diese Tiere bei Händlern oder auf Börsen erhältlich. Dafür sei die Haltung anspruchsvoll und nicht ganz billig. Für den Menschen gefährlich sind diese Schlangen in der Regel nicht – außer sie fühlen sich bedroht. Lücke: „Wir passen nicht in ihr Beuteschema. Wir sind viel zu groß.“

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