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Sensibles Thema am Staffelsee: der Biber.

Es ist von 2015

Falsch-Info: Naturschützer prangern mit altem Foto Tod eines Staffelsee-Bibers an

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Der Bund Naturschutz (BN) ist mit seiner Kritik an der Tötung von Bibern übers Ziel hinausgeschossen. Ein BN-Vertreter räumt ein, das Foto eines angeblich aktuell erschlagenen Staffelsee-Bibers stamme aus dem Jahr 2015. 

Seehausen – Der Bund Naturschutz (BN) im Landkreis hat seiner Mission Biber-Schutz möglicherweise einen Bären-Dienst erwiesen – auch wenn Dr. Rudolf Nützel sagt: „Das hoffe ich nicht.“ Der Vorsitzende der BN-Ortsgruppe Murnau mit Umgebung hatte vor einer Woche die Pressemitteilung für die Kreisgruppe verfasst, die nun weite Kreise zieht. Auch die Polizei ist involviert. Und Nützel sagt, er würde heute, nach entsprechenden Hinweisen, teilweise andere Formulierungen wählen.

Der BN, bekannt als seriöser Kämpfer für Natur und Tier, hat sich beim Einsatz für den streng geschützten Biber, der etwa in Seehausen im Bereich Staffelsee-Südufer mit Seewaldweg über eine Art behördliche Ausnahmegenehmigung getötet werden darf (wir berichteten), ein Glaubwürdigkeitsproblem eingehandelt. Das geschah mit einer Mixtur aus einem alten Bild, eingebettet in aktuelle Geschehnisse, und einem falschen kausalen Zusammenhang.

Foto und Text waren im falschen Kontext

Und darum geht es: Nützel schilderte in der Pressemitteilung, dem BN seien Fotos von einem erschlagenen Biber zugeschickt worden. „Nach den vom Landratsamt Garmisch-Partenkirchen vorgenommenen Tötungen mehrerer Biber fühlen sich offenbar auch Privatpersonen befugt, ihrem Hass gegenüber dem heimischen Wildtier durch Tötung Ausdruck zu verleihen“, hieß es weiter. Landratsamt und Polizei forderte der BN auf, „die derzeitigen illegalen Zustände zu unterbinden und Ermittlungen aufzunehmen“.

Mutmaßliche Selbstjustiz am Staffelsee als Folge der Behördenerlaubnis also, dazu Fotos eines erschlagenen Bibers. Der BN hat, freundlich ausgedrückt, mit dieser Nachricht die Wahrheit wohl zurechtgerückt. Nützel räumt nach einigem Hin und Her ein, die Formulierung „Nach den vom Landratsamt vorgenommen Tötungen...“ sei „falsch“, die Genehmigung nicht ursächlich. Und: Das Foto, das den mausetoten Nager zeigt, stamme vom 23. April 2015. Er, Nützel, habe das Aufnahmedatum auch gekannt. Die zwei Biber, die im Kreis mit Behörden-Erlaubnis „entnommen“ wurden, starben nach Angaben des Landratsamts aber erst in den vergangenen Monaten.

Eine Uffingerin hat dem BN das Foto zukommen lassen

Nützel erhielt die Bilder, die ein Tier mit blutiger Verletzung neben der Schnauze in einer für den Spätwinter untypischen Vegetation zeigen, vor zweieinhalb Wochen – von einer ihm bekannten Uffingerin, Mitglied des BN und „mit fachlicher Ahnung“. Diese habe erwähnt, der Biber sei erschlagen worden. „Das habe ich übernommen. Ich muss mich auf das verlassen, was ich an Informationen bekomme.“ Man wisse, dass in ganz Bayern seit Jahren Biber illegal erschlagen werden. Nützel schlussfolgert mit Blick auf den toten Nager 2015: „Das wird wahrscheinlich auch am Staffelsee öfter vorkommen – das ist meine Vermutung.“ Er betont: „Solche Beweisbilder hat man nur selten, normalerweise verschwinden die Tiere einfach.“ Die Entnahme-Genehmigung stelle für Täter eine „zusätzliche Motivation“ dar.

Doch an der Todesursache des Nagers, der im Bereich Scharfes Eck am Ufer lag, gibt es Zweifel. Murnaus Polizei-Chef Joachim Loy tippt eher auf eine Bissverletzung. Seine Inspektion zieht Erkundigungen in dem Fall ein, prüft, ob eventuell ein Delikt vorliegt. Seehausens Bürgermeister Markus Hörmann (CSU) war in der Dienststelle vorstellig geworden, nachdem er gehört hatte, dass die Sache „hinten und vorne so nicht sein kann“. Er habe „Betroffene“ begleitet, die wollten, dass der Fall angezeigt und geklärt wird: „Man kann nicht ein Dorf unter Generalverdacht stellen und die Sache dann nicht weiter verfolgen.“ Es gehe um massive Anschuldigungen: „Da wird impliziert, dass die Bürger von Seehausen zu Selbstjustiz greifen.“ Also kam Hörmann mit zur Polizei. Er kritisiert die Vorwürfe in der Pressemitteilung des BN, wählt die Worte „unterirdisch“ und „wahnsinnig schlecht“ recherchiert. „Gerade wenn man so etwas als Anklage benutzt, sollte man sich ein bisserl informieren und auskennen.“

Die genehmigte „Entnahme“ am Südufer mit Seewaldweg hat die Gemeinde übrigens abgebrochen, noch ehe der erste Biber gefangen war – „auch wegen der Anschuldigungen“, sagt Hörmann. Man wollte verhindern, dass Naturschützer nachts umherstreifen und Aktionen starten.

Nun ist sowieso erst mal Schluss: Bis September darf der Biber nicht gejagt werden.

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