+
Schäferhund „Franky“ schlägt Alarm: Zum Abschluss der Übung in der Werdenfelser Kaserne in Murnau spielten Polizei und Bundeswehr einen Anti-Terror-Einsatz durch. Der Sprengstoff-Spürhund wurde dabei im Kofferraum eines verdächtigen Autos fündig.

Übung von Polizei und Bundeswehr

Drehbuch für den Terror-Fall

  • schließen

Wie kann die Bundeswehr bei einem Terrorangriff helfen? Während andere Bundesländer die umstrittenen Inlandseinsätze am Reißbrett testen, stellen Bayerns Polizei und Streitkräfte in Murnau das gemeinsame Vorgehen mit einem fiktiven Szenario vor.

Murnau - Im Kofferraum schlängt Franky an. Aufgeregt wedelt der Sprengstoff-Spürhund der Diensthundestaffel Weilheim mit dem Schwanz und blickt zu Hundeführer Michael Glas, nachdem er die Metallkiste in dem dunkelblauen Van beschnuppert hat. „Sprengstoff!“, ruft der Landespolizist und die Einsatzkräfte treten von dem verdächtigen Fahrzeug zurück. Jetzt ist die Bundeswehr am Zug. Ein Soldat der Kampfmittelbeseitigung stapft im astronautenhaften Schutzanzug an den Wagen – dann ist Schluss. Schnitt, Übung beendet. So könnte sie aussehen, die Zusammenarbeit von Polizei und Bundeswehr, wenn Terroristen eine Anschlagsserie starten.

Bei einer gemeinsamen Stabsrahmenprüfung von Polizei und Bundeswehr erprobten Einheiten aus Bayern, Baden-Württemberg, Bremen, Nordrhein-Westfalen, dem Saarland und aus Schleswig-Holstein in den vergangenen drei Tagen in ganz Deutschland die Koordination und Kommunikation im Fall eines Terroranschlags. Eigentlich beschränkte sich die GETEX-Übung (Gemeinsame Terrorismus-Abwehr-Exercise) auf das Erproben und Optimieren von Alarmketten in polizeilichen Führungsstäben – eine Übung am Reißbrett also. Aber Bayern wäre nicht Bayern, wenn es beim Thema Innere Sicherheit nicht auch etwas zu zeigen hätte. „Als Zeichen an die Bevölkerung“, wie Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagt, wurde der Innenhof der Werdenfelskaserne in Murnau (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) gestern Schauplatz eines fiktiven Bedrohungsszenarios.

Das Szenario: Terroranschlag mit Geiselnahme

Gut verpackt: Ein Soldat im Bombenschutzanzug.

Das Drehbuch für einige Dutzend Soldaten und Polizisten, die den Einsatz bei strömendem Regen simulierten: Nach einem terroristischen Sprengstoffanschlag inklusive Geiselnahme in zwei bayerischen Städten mit vielen Toten müssen die Einsatzkräfte ein Krankenhaus in Südbayern beschützen. Alle verfügbaren Polizeikräfte sind im Einsatz, die technischen Kapazitäten erschöpft, deshalb wird die Bundeswehr zur Unterstützung gerufen. Am Kontrollpunkt im Sicherheitsbereich der Klinik fährt ein verdächtiges Fahrzeug vor. Der Fahrer wird festgenommen – dann kommen Schäferhund Franky und der Bombenentschärfer zum Einsatz.

Inlandseinsätze der Bundeswehr bei einem Terrorangriff sind höchst umstritten – nach der Übung gestern sprach sich etwa die SPD-Landtagsfraktion noch einmal gegen Einsätze der Streitkräfte im Inneren aus. Das Grundgesetz lässt sie in Ausnahmefällen zu – wenn die Polizei die Terrorabwehr alleine nicht mehr stemmen kann und das Bundesland Unterstützung anfordert.

Von der Leyen: Abläufe hätten zu lange gedauert

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), die zur Übung in Murnau angereist war, betonte, dass sie ihre Soldaten nur ausrücken ließe, wenn „eine terroristische Lage katastrophischen Ausmaßes“ vorliege. Die Bevölkerung würde es schließlich nicht verstehen, wenn die Soldaten bei einem schweren Terroranschlag, bei dem die Polizei an ihre Grenzen stößt, in den Kasernen blieben. Von der Leyen räumte aber auch ein, dass manche Abläufe bei der Bundeswehr am ersten Übungstag noch deutlich zu lange gedauert hätten. „Wir haben in der Tat gelernt, dass wir doch zum Teil unterschiedliche Begriffe haben.“ Anfangs hätte es bis zur Entscheidung manchmal Stunden gedauert, so die Ministerin – zum Ende des Testlaufs habe man für das gleiche Vorgehen nur mehr 20 Minuten gebraucht.

Streicheleinheit: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen nimmt sich Zeit für Spürhund Franky.

In Zukunft könnten weitere praktische Übungen folgen, kündigte die Verteidigungsministerin an. „Wir stehen bereit.“ Dann machte sie sich auf den Weg zurück nach Berlin, um nach der dreitägigen Übung Bilanz zu ziehen. Aber nicht ohne sich noch ein paar Minuten für Schäferhund Franky Zeit zu nehmen. Zur Belohnung für seinen Einsatz gab es eine ausgiebige Streicheleinheit.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Farchanter Hotel-Pläne kommen auf den Tisch
Die Farchanter haben entschieden: Das neue Hotel an der Frickenstraße kann kommen. Mit dem Votum der Bürger ist auch der klare Auftrag zum Weiterplanen verbunden. Den …
Farchanter Hotel-Pläne kommen auf den Tisch
Kirchplatz: „Asphaltsee“ soll verschwinden
Wie wird der Krüner Kirchplatz nach der Dorferneuerung aussehen? Der Gemeinderat hat sich nun für eine Variante entschieden, die vor allem den Verkehr künftig ausbremsen …
Kirchplatz: „Asphaltsee“ soll verschwinden
Bergwacht: Lange Nacht mit zwei Einsätzen
Zwei Touristen stecken auf ihren Weg auf die Zugspitze im Schnee fest. Ein Münchner verirrt sich am Fricken. 
Bergwacht: Lange Nacht mit zwei Einsätzen
Aloisia Gastl bleibt die einzige Kandidatin
Nach der (Bundestags-) Wahl ist in Spatzenhausen vor der Wahl: Das Dorf kürt nach dem tragischen Tod von Bürgermeister Georg Wagner voraussichtlich eine Nachfolgerin: …
Aloisia Gastl bleibt die einzige Kandidatin

Kommentare