Knotenpunkt: das Umspannwerk an der Dr.-Schalk-Straße.
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Knotenpunkt: das Umspannwerk an der Dr.-Schalk-Straße.

Energieversorgung und Ortsentwicklung

Grundeigentümer spielen nicht mit: Murnauer Umspannwerk bleibt an Ort und Stelle

  • Roland Lory
    vonRoland Lory
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Ein Standort südlich des TSV-Geländes war der letzte Strohhalm im Zusammenhang mit einer etwaigen Verlagerung des Murnauer Umspannwerks. Doch diese Pläne haben sich zerschlagen. Somit scheint das Thema Verlegung endgültig vom Tisch zu sein.

  • Das Murnauer Umspannwerk bleibt an Ort und Stelle.
  • Denn ein zuletzt anvisierter Standort südlich des TSV-Geländes ist nicht realisierbar.
  • Der Grund ist, dass Areale für den Bau und Grunddienstbarkeiten sich nicht kurzfristig beschaffen lassen.

Murnau – Nach der Gemeinderatssitzung am 3. Februar herrschte Einigkeit unter allen Fraktionen. Einigkeit darüber, das Umspannwerk aus dem Ortskern heraus zu verlagern. Einstimmig entschied das Gremium vor einem Monat, sich gemeinsam für die Verlegung des Umspannwerkes an einen Standort südlich des TSV-Geländes einzusetzen.

Grundeigentümer machen nicht mit

Doch mit diesem Standort wird es nichts. Gespräche mit den betroffenen Grundstückeigentümern ergaben, „dass sich die erforderlichen Grundstücke für den Bau und die Grunddienstbarkeiten nicht kurzfristig beschaffen lassen“, verkündete Rathaussprecherin Annika Röttinger am Montag per Pressemitteilung. Sie trägt die Überschrift „Umspannwerk verbleibt in der Dr.-Schalk-Straße“.

Standort an Deponie zurückgestellt

Der besagte Standort südlich des TSV-Geländes war quasi der letzte Strohhalm, an den man sich klammerte. Ein anderer an der Grüngutdeponie Weindorf wurde zwar Anfang Februar zurückgestellt. Doch es erscheint äußert zweifelhaft, dass aus diesem Plan etwas wird.

Beutings Bedauern

Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) geht jedenfalls davon aus, dass das Thema erledigt ist: „Ich bedaure es sehr, dass wir das Umspannwerk nicht aus dem Ort heraus verlagern können“, wird er in der Pressemitteilung zitiert. Seiner Meinung nach hätte eine Verlegung „enorme städtebauliche Entwicklungspotentiale für Murnau ergeben“. Beuting: „Es wäre ein riesiger Gewinn für unsere Gemeinde gewesen. Ich finde es sehr schade, dass wir die notwendigen Grundstücke dafür nicht beschaffen können. Daraus wird nun eine Aufgabe für die kommenden Jahrzehnte entstehen.“

Auch Stewens enttäuscht

Auch Zweite Bürgermeisterin Dr. Julia Stewens (Freie Wähler) zeigt sich der Mitteilung zufolge enttäuscht: „Wenn wir die Chance, die sich uns jetzt mit der Standorterneuerung durch die Bayernwerk Netz ergeben hätte, nicht wahrnehmen können, wird sich die nächste solche Möglichkeit frühestens in 40 Jahren ergeben.“ Aus ihrer Sicht müsse man jetzt schon die Weichen für eine Auslagerung durch einen Flächennutzungsplan stellen, damit die Gemeinde dann nicht mit leeren Händen dastehe, sollte sich wieder eine solche Chance bieten.

Meinungen der Fraktionen

Dass es mit der Verlagerung nichts wird, sei abzusehen gewesen, sagt Grünen-Fraktionssprecherin Veronika Jones. Das A und O seien die Grundstücke. „Wenn ich nicht alle Grunddienstbarkeiten habe, kann ich nicht verlagern.“ Phillip Zoepf, Fraktionssprecher von Mehr Bewegen, bringt den Faktor Zeit ins Spiel. „Es ist leider daran gescheitert, dass wir die Zeit nicht hatten.“ Zoepf ist überzeugt: „Wenn wir es rechtzeitig aufgegleist hätten, wäre es leichter gegangen.“ Seiner Ansicht nach hätte die Gemeinde rechtzeitig eine Info-Veranstaltung für alle Grundstückseigentümer organisieren müssen. CSU-Fraktionssprecher Rudolf Utzschneider sieht es genauso: „Es hat keine Info-Veranstaltung in größerem Rahmen stattgefunden.“ Wenn man die Bevölkerung viel früher eingebunden hätte, „wäre ein anderes Ergebnis möglich gewesen“.

Manlik: Riesenchance vertan

Michael Manlik, Fraktionssprecher des ÖDP/Bürgerforums, hat eine andere Sicht auf die Dinge. „Ich bin der Überzeugung, dass wir, wenn der Gemeinderat von Anfang an an einem Strang gezogen hätte, eine bessere Chance gehabt hätten.“ Im Gremium habe sich das Ganze nie in eine Richtung entwickelt. „Man hat eine Riesenchance vertan“, findet Manlik.

Burger: Haben Elfmeter verschossen

SPD-Einzelkämpfer Felix Burger drückt es so aus: „Man hat einen Elfer verschossen.“ Der Gemeinderat habe in der Sache „kein gutes Bild abgegeben“. Burger spricht gar von einem „Volldesaster“. Das größte Versäumnis sei, dass Bürgermeister Beuting „erst nach der Wahl Gas gegeben hat. Das war viel zu spät“. Zudem sei in der Kommunikation „sehr viel falsch gelaufen“.

Probsts Kritik an „Bedenkenträgerei“

Welf Probst (Freie Wähler) war von Anfang an begeistert, von der Idee, das Umspannwerk zu verlegen. Umso mehr bedauert er, dass daraus nichts wird. „Es ist sehr traurig, dass manche Grundeigentümer nicht mitmachen zum Wohl der Allgemeinheit. Man sieht, dass solche Projekte immer schwieriger werden.“ Im Gemeinderat wurde nach Probst Auffassung „zu viel Bedenkenträgerei“ laut.

Verschiedene Meinungen zur Einhausung

Unterdessen wird noch geprüft, ob man am Bestandsstandort an der Dr.-Schalk-Straße eine Einhausung realisieren und Kabel in den Boden verlegen könnte. „Die Ergebnisse werden in einer der nächsten Gemeinderatssitzungen vorgestellt“, teilt Rathaussprecherin Röttinger mit. Die Kabel unter die Erde zu bringen, wäre aus Manliks Sicht „das Wichtigere“. Jones hofft, „dass wir eine Einhausung hinkriegen“. Die Anwohner wären dafür „dankbar“. Die Freien Wähler sind dagegen. „Wir sehen keinen Nutzen. Das kostet einen Haufen Geld und bringt uns nichts.“

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