Der bisherige Standort: Das Grundstück, auf dem das Murnauer Umspannwerk steht, ist im Eigentum der Bayernwerk Netz GmbH. Im Hintergrund sind der Froschhauser See und der Riegsee zu erkennen. 
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Der bisherige Standort: Das Grundstück, auf dem das Murnauer Umspannwerk steht, ist im Eigentum der Bayernwerk Netz GmbH. Im Hintergrund sind der Froschhauser See und der Riegsee zu erkennen. 

Geplante Verlagerung des Knotenpunkts in Murnau

Umspannwerk: Gutachten zu Altlasten wird nicht online gestellt - Der Grund ist rechtlicher Art

  • Roland Lory
    vonRoland Lory
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Das Murnauer Umspannwerk wird zum Dauerthema. Bei einer Verlagerung in den Außenbereich würde das Bayernwerk Gebäude am bisherigen Standort weiter nutzen. Unterdessen ist unklar, ob ein zweites Altlasten-Gutachten bis Mitte Januar vorliegen kann.

  • Bei einer Verlagerung des Umspannwerks würde das Bayernwerk Gebäude am bisherigen Standort weiter nutzen.
  • Die Gemeinde stellt das Altlasten-Gutachten aus Gründen des Urheberrechts nicht online.
  • Ein weiteres Gutachten müsste bis etwa Mitte Januar vorliegen - ein strammer Zeitplan.

Murnau – Das Thema Umspannwerk ist in Murnau Ortsgespräch. Viele Bürger schicken Leserbriefe. Im Marktgemeinderat steht die Sache ganz oben auf der Agenda. Denn die Zeit drängt. Der Grund: Die Bayernwerk Netz GmbH will, dass der Markt Murnau spätestens im Januar 2021 eine Entscheidung für eine der bisher untersuchten Verlagerungsvarianten trifft. Die Gemeinde fasste einen Standort östlich der Grüngutdeponie Weindorf ins Auge. Es ist eine exponierte Stelle. Froschhauser Bürger protestieren. Eine Verlagerung des Umspannwerks kommt nur im Osten des derzeitigen Standorts in Frage, da in diesem Bereich alle 110-kV-Freileitungen in den Ort geführt werden.

Das zweite Gutachten

Die Zeit drängt auch, weil der Marktgemeinderat beschloss, ein zweites Gutachten erstellen zu lassen. Dieses müsste logischerweise bis etwa Mitte Januar vorliegen. Grünen-Fraktionssprecher Hans Kohl findet es fraglich, ob das gelingen kann. CSU-Fraktionssprecher Rudolf Utzschneider sieht es ähnlich: „Der Zeitplan ist extrem sportlich. Die Zeit läuft total gegen uns.“ Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) sagt: „Ein Gutachten macht nur Sinn, wenn bis Mitte Januar Ergebnisse geliefert werden können.“

Der Prozess läuft

Nachdem die Gemeinde Angebot eingeholt hat, wird sie den Auftrag für die Expertise an den wirtschaftlichsten Interessenten vergeben. Der Prozess läuft. „Über dessen Ergebnisse möchten wir zunächst den Gemeinderat informieren“, teilt Rathaussprecherin Annika Röttinger mit. Dabei geht es darum, den Untergrund östlich der Grüngutdeponie Weindorf zu untersuchen. Dort war früher eine Müllhalde.

Berechtigtes Interesse

Inzwischen steht auch fest, dass das erste, vom Büro BFM Umwelt GmbH (München) angefertigte Altlasten-Gutachten auf der Homepage der Marktgemeinde nicht veröffentlicht werden kann. „Aus urheberrechtlichen Gründen“, sagt Röttinger – und ergänzt im Behördendeutsch: „Einer Einsichtnahme durch Dritte im gesetzlich geregelten Rahmen, beispielsweise unter Geltendmachung eines berechtigten Interesses im Rahmen des Umweltinformationsgesetzes, steht jedoch nichts entgegen.“

Bayernwerk würde Feld nicht komplett räumen

Ein Punkt, der bei der ganzen Sache nicht außer Acht gelassen werden sollte, ist: Bei einer Verlagerung in den Außenbereich bliebe der bisherige Standort in gewissem Umfang erhalten. Das Bayernwerk würde also nicht komplett das Feld räumen. Der stellvertretende Pressesprecher Christian Martens sagt: „Eine mögliche Verlagerung würde die komplette 110-kV-Freiluftschaltanlage an der Dr.-Schalk-Straße betreffen. Westlich angrenzende, bereits bebaute Grundstücke der Bayernwerk Netz GmbH würden unverändert weiter genutzt.“ Dabei handelt es sich um „Bestandsgebäude und noch junge Technik, die auch weiterhin als Verknüpfungspunkt mit dem regionalen 20-kV-Netz (Mittelspannung) erforderlich sind“.

Einhausung am bisherigen Standort möglich

In der Sondersitzung war es zudem um etwaige Alternativen am bisherigen Standort gegangen. Wäre es möglich, das vorhandene Umspannwerk einzuhausen und die Leitungen unter die Erde zu verlegen? „Sowohl bei einer möglichen Verlagerung als auch beim Verbleib der Anlage auf dem Bestandsgrundstück wäre aus technischer Sicht eine Schaltanlage in einem Gebäude realisierbar“, sagt dazu Martens. „Die Verbindung ins Hochspannungsnetz kann grundsätzlich (auch) in Kabelbauweise erfolgen. Es muss jedoch berücksichtigt werden, dass die erforderlichen Kabeltrassen in Abhängigkeit von der gewählten Variante unterschiedlich ausfallen würden und jede Kabeltrassenlösung der Bayernwerk Netz vom Veranlasser rechtlich vollständig gesichert zur Verfügung gestellt werden müsste.“ Veranlasser wäre in diesem Fall die Marktgemeinde, die dabei mit Kosten zu rechnen hätte.

Kosten sind unklar

Apropos Kosten: Diese stehen momentan noch in den Sternen. „Dazu gibt es noch keine Zahlen, da die Kosten davon abhängen, ob das Umspannwerk verlagert wird (und wenn ja, an welchen Standort genau) oder ob es, wenn es am bestehenden Standort bleibt, etwa eingehaust wird“, sagt Rathaussprecherin Röttinger. Bis der Marktgemeinderat diese Entscheidungen getroffen hat, könnten keine Kosten kalkuliert werden.

Grunddienstbarkeiten wären nötig

Ein Thema sind auch Grunddienstbarkeiten im Bereich um die Grüngutdeponie Weindorf. CSU-Fraktionssprecher Utzschneider sieht darin „Stolpersteine“. Das Bayernwerk hatte der Gemeinde die Vollmacht erteilt, die Leitungsrechte mit den Eigentümern der Flächen zu besprechen. „In diesen Gesprächen hat der Markt Murnau von den den Überlegungen gegenüber aufgeschlossenen Grundstückseigentümern durchweg positive Rückmeldungen erhalten“, erklärt Röttinger. Die Eintragung der Grunddienstbarkeiten wäre Aufgabe der Bayernwerk AG.

Hinweis

Wer ein berechtigtes Interesse nachweisen kann, das vorhandene Gutachten zu den Altlasten im Bereich der Grüngut-Deponie Weindorf einzusehen, kann sich im Marktbauamt unter der Telefonnummer 0 88 41/ 47 61 70 oder per E-Mail an bauamt@murnau.de melden. Auch eine zentrale Ansprechperson in Sachen Umspannwerk ist mittlerweile benannt: Rathaussprecherin Annika Röttinger, erreichbar unter Telefon 0 88 41/ 47 61 23 oder per E-Mail (presse@murnau.de). Inzwischen gibt es auf der Homepage des Marktes Murnau erste Informationen zum Thema Umspannwerk, zu finden unter www.murnau.de/de/umspannwerk.html.

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