Oberste Priorität: Der Gemeinderat will sich gemeinsam für die Verlegung des Umspannwerks an einen Standort südlich des TSV-Geländes (r.) einsetzen. 
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Oberste Priorität: Der Gemeinderat will sich gemeinsam für die Verlegung des Umspannwerks an einen Standort südlich des TSV-Geländes (r.) einsetzen. 

Heftige Debatte im Gemeinderat

Umspannwerk Murnau: Nächster Standort im Visier

  • Roland Lory
    VonRoland Lory
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Dicke Luft hat am Mittwochabend im Murnauer Marktgemeinderat geherrscht. Das Gremium diskutierte mal wieder über das Dauerthema Umspannwerk. Am Ende stand ein Beschluss. Dieser war allerdings, nachdem die Volksvertreter hinter verschlossenen Türen weiterdebattierten, schnell Makulatur.

  • Das Thema „Verlagerung des Murnauer Umspannwerks“ ist noch nicht vom Tisch.
  • In einer Sondersitzung am Mittwochabend flogen teilweise die Fetzen.
  • Am Donnerstagnachmittag wartete das Rathaus mit einer Überraschung auf.

Murnau – Spätestens im März sollten die notwendigen Verträge zwischen der Marktgemeinde Murnau und der Bayernwerk Netz GmbH in Sachen Verlagerung des Umspannwerks vorliegen. Diesen Zeitplan gibt der Netzbetreiber vor. Im Februar sollte klar sein, ob die unmittelbar betroffenen Grundstückseigentümer zustimmen. Ein sportlicher Zeitplan.

Fass neu aufgemacht

Eigentlich hatte der Marktgemeinderat das Kapitel ja bereits im Dezember ad acta gelegt. Er beschloss damals, dass die Verlegung scheitert, weil ein Standort fehlt. Danach gab es herbe Vorwürfe gegen Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), die dieser zurückwies. Die Fraktionen ÖDP/Bürgerforum und Bündnis 90/Die Grünen machten das Fass dann aber wieder auf. Sie beantragten, dass Grundstücke südlich beziehungsweise südöstlich der Grüngutdeponie Weindorf noch einmal geprüft werden, um dort eine eingehauste Anlage zu errichten.

Dicke Luft

Am Mittwochabend hat sich der Gemeinderat in einer Sondersitzung mit der ganzen Thematik befasst. Dabei prallten die Meinungen aufeinander. Die Fronten - verhärtet. Die Stimmung – angespannt. Seitens der CSU legte sich Fraktionssprecher Rudolf Utzschneider ins Zeug. Er wollte unter anderem wissen, ob es schon rechtsverbindliche Dienstbarkeiten gibt. Dazu Beuting: „Man kann keine Verträge machen, solange die CSU keinem Antrag zugestimmt hat. Wir haben von Ihnen nur Bedenken gehört.“

CSU weist Kritik zurück

Utzschneider verneinte dies. Seine Fraktion habe mehreren Standorten zugestimmt. Er widersprach dem „Eindruck, es gäbe Gruppen, die gegen eine Verlegung sind“. Auch Franz Neuner (CSU) machte deutlich, dass weder die CSU noch er „jemals generell gegen eine Verlagerung“ gewesen seien. „Es geht rein um die Machbarkeit.“ Doch auch Welf Probst (Freie Wähler) hielt den Christsozialen vor: „Ihr seid nur dagegen.“ Bei jedem Vorschlag suche die CSU die Stecknadel im Heuhaufen.

Die Eskalation

Utzschneider warf Beuting vor, er versuche, ihn „mit persönlichen Aussagen lächerlich zu machen“. Der CSU-Sprecher wies auch zurück, es läge nur an einem Grundeigentümer, dass eine Verlagerung nicht klappt. Maria Schägger, Fraktionssprecherin der Freien Wähler, platzte daraufhin der Kragen. Sie erinnerte an die gepfefferte Pressemitteilung, die Utzschneider, Grünen-Fraktionssprecherin Veronika Jones und Mehr-Bewegen-Sprecher Phillip Zoepf um den Jahreswechsel verschickten. Darin machten sie einzig und allein Bürgermeister Beuting für das Scheitern der Verlegung verantwortlich. „Seien Sie mir nicht böse: Schämen Sie sich“, sagte Schägger an Utzschneiders Adresse. Auch Felix Burger (SPD) fand die Pressemitteilung grenzwertig. „Das war schwieriges Material, das schwer zu ertragen war. So kann man nicht miteinander umgehen.“

Zwölf Räte pro Antrag

So ging es hin und her. Beuting zeigte sich überzeugt: „Jeder der zehn Standorte wäre realisierbar, wenn der Wille da ist.“ Zoepf sah das anders. Zuvor hatte er Kritik geäußert. Hätte man das Thema Verlagerung „vor drei Jahren aufgegleist, hätte man es bei einer Beteiligung der Grundeigentümer zum Erfolg führen können“. Der Bürgermeister regte zwischendurch an, die Sitzung für einen nicht-öffentlichen Teil zu unterbrechen. Doch dazu kam es nicht. Am Ende stimmten zwölf Räte für den Antrag, den das ÖDP/Bürgerforum und Bündnis 90/Die Grünen gestellt hatten. Zehn waren dagegen, und zwar die Vertreter der CSU und von Mehr Bewegen.

Bedenken der Anlieger

Zu Beginn hatten sich zwei Bürger zu Wort gemeldet. Die Weindorferin Simone Strobl betonte, dass die Verlagerung im Dezember „vom Tisch“ gewesen sei. „Dadurch entsteht ein totales Glaubwürdigkeitsproblem.“ Andreas Neuner, ebenfalls aus Weindorf, trug die Bedenken einer Interessengemeinschaft (IG) gegen einen Standort an der Grüngut-Deponie vor. Die Kritikpunkte in dem Schreiben, das der Bürgermeister und die Räte bekamen und das auch dem Tagblatt vorliegt, sind vielfältig. Einer lautet: „Die vorgesehenen Flächen liegen nahe an bereits vorhandener Wohnbebauung. Dies verstellt der Gemeinde jegliche Form der städtebaulichen Weiterentwicklung in diesem Bereich und stellt darüber hinaus eine Abwertung der bestehenden Wohngebiete dar.“

Standort an Deponie „nicht akzeptabel“

Zudem merkt die IG an, dass bei einer Verlegung aus einem zentralen Standort künftig zwei gemacht würden. Denn das Bayernwerk würde an der Dr.-Schalk-Straße nicht komplett das Feld räumen. Weiterer Punkt: Eine Wohnbebauung an der Dr.-Schalk-Straße sei „in unseren Augen nicht realisierbar“. Darüber hinaus sei die Lage der diskutierten Standorte im Bereich der Grüngutsammelstelle „aus Sicht des Landschafts- und Naturschutzes und des Ortsbildes für eine Anlage dieser Dimension nicht akzeptabel“. Damit nicht genug: „Durch die Schaffung von Gewerbeflächen für ein Umspannwerk wird auch die Ansiedelung von weiteren Gewerbebetrieben in diesem Bereich in Zukunft nicht zu verhindern sein“, fürchtet die Initiative. Sie mutmaßt, „dass einzelne Parteien noch mal händeringend nach Notlösungen suchen, die für Murnau keinen Mehrwert bedeuten. Der bereits geprüfte und erneut vorgeschlagene Standort wird für Murnau keine Verbesserung bringen, sondern im besten Fall eine örtliche und zeitliche Verlagerung der Probleme für einen sehr hohen Preis darstellen.“ Für die IG ist es nicht nachvollziehbar, warum ausgerechnet dieser Standort wieder betrachtet werden soll und alle anderen Varianten in der nochmaligen Prüfung offenbar keine Rolle mehr spielen. Die Initiative ist überzeugt: „Mit einer Verlegung ganz in den Norden Murnaus könnte unserer Ansicht nach für die nächsten Jahrzehnte ein deutlich höherer Mehrwert geschaffen werden, ohne dass dadurch Anwohner unmittelbar betroffen sind und die städtebauliche Entwicklung Murnaus negativ beeinträchtigt wird.“

Manlik kontert

Michael Manlik, Sprecher des ÖDP/Bürgerforums, nahm sich die Stellungnahme Punkt für Punkt vor, wies dabei die meisten Bedenken zurück, räumte aber ein, dass das Landschaftsbild durch einen solchen Bau beeinträchtigt wird. „Aber nicht so gravierend, wie es dargestellt wird.“ Manlik betonte: „Allen gerecht zu werden, das geht nicht.“

Doch noch zusammengerauft

Am Donnerstagnachmittag dann die Überraschung via Pressemitteilung der Marktgemeinde. „Einstimmig beschloss der Gemeinderat, sich gemeinsam für die Verlegung des Umspannwerkes an einen Standort südlich des TSV-Geländes einzusetzen“, steht darin. Dies beschloss das Kommunalparlament im nicht-öffentlichen Teil. Der Standort südlich des TSV-Geländes „stellt sich für alle Fraktionen als bestmöglicher Standort dar, dessen Umsetzung nun oberste Priorität hat“, heißt es in der Mitteilung, die die stellvertretende Geschäftsleiterin Nina Herweck-Bockhorni verschickte. „Deshalb werden alle Kapazitäten nun vorrangig auf diese Prüfung gelegt, der Standort in der Nähe der Deponie wird zunächst zurückgestellt.“ Beuting zeigte sich zufrieden: „Es freut mich sehr, dass wir in der gestrigen Sitzung noch einen gemeinsamen Weg gefunden haben, von dem alle überzeugt sind, denn nur so besteht eine Chance, ein solches Großprojekte umzusetzen.“

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