Knotenpunkt: das Umspannwerk an der Dr.-Schalk-Straße in Murnau.
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Knotenpunkt: das Umspannwerk an der Dr.-Schalk-Straße in Murnau.

Gemeinderat stoppt Pläne

Umspannwerk Murnau: Verlagerung vom Tisch

  • Roland Lory
    vonRoland Lory
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Im Oktober ploppte das Thema „Verlagerung des Murnauer Umspannwerks“ in der Öffentlichkeit auf. Etwa acht Wochen später steht fest: Es wird keine Verlegung geben. Diverse Varianten ließen sich aus verschiedenen Gründen nicht realisieren.

  • Eine Verlagerung des Murnauer Umspannwerks ist vom Tisch.
  • Dies hat der Marktgemeinderat am Mittwoch entschieden.
  • Nun will man eine Einhausung des bestehenden Gebäudes prüfen.

Murnau – Das Programm für den öffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung klang eher unspektakulär. Gut, die Haushaltssatzung für 2021 sollte verabschiedet werden. Recht viel mehr stand am Mittwochabend aber nicht auf der Tagesordnung. Doch dann hob man einen Punkt in die öffentliche Sitzung, den die Räte eigentlich hinter verschlossenen Türen besprechen wollten: das Thema Umspannwerk.

Standorte beerdigt

Rückblende: Am 25. November beschloss der Marktgemeinderat, alle ins Auge gefassten Standorte südlich der Riegseer Straße ad acta zu legen. Zuvor hatte es vehemente Proteste von Froschhauser und Weindorfer Bürgern gegen eine Verlegung des Umspannwerks in diese Ecke Murnaus gegeben. Ein neuer Arbeitskreis nahm sich des Themas an. Gemeindeeigene Flächen im Nordosten von Weindorf rückten in den Fokus. Doch das Gespräch mit einem der wichtigsten Grundeigentümer zeigte: Es besteht keine Bereitschaft, Überleitungsrechte zu erteilen. Der Eigentümer äußerte nach Angaben der Kommune „ferner die Vermutung, dass auch dieser oder ähnlich gelagerte Standorte von den Bewohnern Froschhausens nicht unterstützt würden“.

An der Deponie Schwaiganger?

Kurz diskutierte die Arbeitsgruppe über einen Standort an der Deponie Schwaiganger. Resultat: vielleicht technisch möglich, aber nicht finanzierbar. Sodann sah man sich eine Stelle nördlich des Wasserschutzgebiets westlich des Ortsteils Egling an. Die geeigneten Flächen sind aber alle in Privateigentum. Die Realisierung würde rund 13,5 Millionen Euro verschlingen. Dies sei „eine überschlägige Kostenschätzung“, sagte Marktbaumeister Klaus Tworek.

Die Marktgemeinderäte konnten am Mittwoch aus drei Varianten auswählen.

■  Variante 1: Die Möglichkeit der Verlegung des Umspannwerks an einen Standort im Bereich nördlich des Wasserschutzgebiets westlich von Egling wird weiterverfolgt. Die Verwaltung wird beauftragt, entsprechende technische Prüfungen zu veranlassen und mit den betroffenen Grundeigentümern und Anliegern in Verhandlung zu treten.

■  Variante 2: Die Verlegung scheitert aufgrund des Fehlens eines Standortes, an dem ein neues Umspannwerk unter Berücksichtigung des technischen und finanziellen Aufwandes mit Zustimmung der Bürger errichtet werden kann. Eine Einhausung am Bestandsstandort Dr.-Schalk-Straße ist sowohl städtebaulich als auch finanziell uninteressant und wird daher nicht weiterverfolgt.

■  Variante 3: Die Verlegung scheitert aufgrund des Fehlens eines Standortes, an dem ein neues Umspannwerk unter Berücksichtigung des technischen und finanziellen Aufwandes mit Zustimmung der Bürger errichtet werden kann. Eine Einhausung am Bestandsstandort Dr.-Schalk-Straße wird geprüft. Die Prüfung soll die Kosten transparent darstellen, die frei werdenden Flächen aufzeigen und damit verbundene potenzielle Nachnutzungsmöglichkeiten.

Schock über „Anfeindungen“

Eine knappe Mehrheit fand sich am Ende für Variante 3. Zehn der anwesenden Mandatsträger stimmten dafür, neun dagegen. Somit ist eine Verlagerung des Umspannwerks vom Tisch. Welf Probst (Freie Wähler) bedauerte dies. Aus seiner Sicht wäre eine Verlegung „eine große Chance für die Weiterentwicklung“ des Ortes gewesen. Probst beklagte zudem, dass „ständig viele falsche Infos in der Öffentlichkeit unterwegs gewesen“ seien. Er sprach auch von „Anfeindungen“, diese hätten ihn „besonders geschockt“. Probst machte überdies darauf aufmerksam, dass ein Umspannwerk „keine Müllverbrennungsanlage“ sei. Sein Fazit: „Es wird immer schwieriger, solche Projekte zu realisieren.“ Anna Schlegel-Herz (ÖDP/Bürgerforum) stieß ins selbe Horn. „Es ist traurig, dass diese Chance vertan wurde.“ Dass die Froschhauser sich wehrten, sei ihr gutes Recht. Doch es gibt laut Schlegel-Herz auch eine Liste mit 80 Unterschriften von Bürgern, die vom jetzigen Standort betroffen sind und für eine Verlegung sind. „Die haben sich leider nicht so laut geäußert.“

Einhausung wird geprüft

Vor allem die Grünen machten sich dafür stark, Möglichkeiten am bestehenden Standort, der erneuert wird, zu prüfen. Fraktionssprecherin Veronika Jones findet: Aus ästhetischen und städtebaulichen Gründen macht es Sinn, über eine Einhausung nachzudenken. Der Knotenpunkt ist im Eigentum der Bayernwerk Netz GmbH. Im Falle einer Einhausung wäre der Markt Murnau finanziell gefordert. In der Sitzung war von 3,5 Millionen Euro die Rede.

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