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Hässliches Ärgernis: Müll in der Natur.

Murnauer Moos als Müllhalde

Ärger um Frevel in Naturschutzgebiet

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Verstreuter Hausmüll, volle Abfallsäcke, Autoreifen, ein alter Fahrradrahmen: Umweltfrevler schrecken vor dem Naturschutzgebiet Murnauer Moos nicht zurück. Immer wieder kommt es zu Verschmutzungen. Das schmerzt Naturliebhaber.

Murnau– Moore, sagt Dieter Herfurth, „liegen mir am Herzen“. Seit rund 50 Jahren zieht es den Vogelkundler aus Garmisch-Partenkirchen immer wieder ins Murnauer und ins Kochelsee-Moos. Herfurth mag ihre Vielseitigkeit und ihreRuhe.

Doch statt Naturgenuss erzeugen die Besuche im Murnauer Moos bei Herfurth in unschöner Regelmäßigkeit auch Ärger. Etwa, wenn er wieder auf wild entsorgte Hausmüllsäcke und schmutzige Papiertaschentücher statt auf geschützte Blumen trifft und ihm ein Radrahmen oder ein Graffiti am Fels am Langen Köchel ins Auge sticht anstelle der Vögel, nach denen er Ausschau hält. Man finde fast alles, sagt der 79-Jährige. Besonders vermüllt sind seiner Erfahrung nach die Zugänge zum Moos: „Da kann man bequem hinfahren, alles rausschmeißen und weiterfahren.“ Die Verschandelung der geschützten Natur-Perle ist Herfurth ein Dorn im Auge – „und wie: Das kann ich nicht akzeptieren. Es geht nicht, dass man überall seinen Mist ablädt“. Er wolle nicht wissen, fügt Herfurth hinzu, „was in den kleinen Seen schon alles verschwunden ist“. Er weiß: Kontrollen auf dieser großen Fläche sind unmöglich. „Man kann nur an die Vernunft der Menschen appellieren.“

Oder ihnen an den Geldbeutel gehen: Wer illegal Abfall entsorgt und erwischt wird, dem droht ein Ordnungswidrigkeitsverfahren. In ganz extremen Fällen, wenn etwa im großen Stil Ladungen Öl oder Fässer entsorgt werden, kann nach Angaben von Landratsamts-Sprecher Stephan Scharf der Höchstsatz von 100 000 Euro fällig werden. Wer Hausmüll im Plastiksack in die Natur wirft, ist auch mit 100 Euro dabei.

Die Polizei kommt den Tätern „relativ oft“ auf die Schliche. Harald Schleuder, zuständiger Beamter der Inspektion Murnau, schätzt, dass die Aufklärungsquote der aktenkundig gewordenen Fälle illegaler Müllentsorgung bei rund 50 Prozent liegt. Die Schmutzfinken schlagen überall im Naturschutzgebiet und an den Rändern zu, sagt Schleuder – „da eben, wo man unbemerkt hinfahren und sein Zeug rauswerfen kann, ohne leicht gesehen zu werden“. Vor nicht allzu langer Zeit lagen direkt an der Straße bei Westried und unter der Autobahnbrücke Ohlstadt Säcke. Ein Kubikmeter Haus- und Sperrmüll fand sich auch vor Grafenaschau. Die Kosten für die Entsorgung blieben an der Gemeinde Murnau hängen, sagt Schleuder. Meist übernähmen die Kommunen das Saubermachen, erklärt Scharf. Die Taten selbst drängen nur selten bis ins Landratsamt durch. Bekannt ist der Behörde, dass für Müllfrevel der Parkplatz Hechendorf öfter herhalten muss. Schleuder fehlt jedes Verständnis für diese Taten, die Naturschutzgebiete genauso betreffen wie Wälder: „Es gibt überall Möglichkeiten, seinen Abfall legal zu entsorgen – da muss man die Natur nicht auch noch belasten.“

Die Mitglieder des Fischereivereins Murnau kennen das Problem nur zu gut – und greifen einmal im Jahr, meist im Frühling, zur Selbsthilfe: Sie reinigen den Lindenbach, ihr Fischwasser, von Abfällen, arbeiten sich in der Regel aus dem Bereich Grafenaschau in Richtung Ähndl vor. Hans Hofmann, Zweiter Vorsitzender des Vereins, hat nur ein Wort für das, was die Mitglieder alles aus der Natur fischen: „Furchtbar.“ Da waren schon mal zehn alte Autoreifen darunter. Am Ende des Ramadama stehen die Teilnehmer alle Jahre wieder vor einem „Riesen-Berg“ Abfall.

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