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Unfallklinik Murnau geht neue Wege: Investor für 100 neue Personalwohnungen gesucht

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Von: Silke Reinbold-Jandretzki

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Das Bild zeigt einen Wohnkomplex von außen.
370 Wohneinheiten bietet das Klinikum Murnau seinem Personal. Doch es braucht viel mehr. © Dominik Bartl

Die Unfallklinik Murnau will für bezahlbare Mitarbeiter-Wohnungen sorgen. Die Verantwortlichen suchen nun einen externen Investor für das 70 bis 80 Millionen Euro teure Leuchtturmprojekt.

Murnau – Immobilienpreise und Mieten erklimmen in Murnau astronomische Höhen – und ein Ende der Entwicklung scheint nicht in Sicht. Im Grunde landkreisweit mittlerweile. Die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau stellt das indirekt vor Probleme: Das renommierte Traumazentrum sucht Personal, vor allem in der Pflege. Auf mögliche neue Mitarbeiter von auswärts hat der angespannte Wohnungsmarkt mit hohen Lebenshaltungskosten indes abschreckende Wirkung. „Gerade in der Pflege höre ich oft den Satz: Ich komme total gerne zu Ihnen, wenn Sie eine Wohnung für mich haben“, sagt Klinik-Geschäftsführerin Sarah Heinze.

Das Porträtbild zeigt eine Frau mit Brille.
Klinik-Geschäftsführerin Sarah Heinze setzt sich für das Großprojekt ein. © privat

Auch beim bestehenden Personal gibt es auf diesem Sektor viel Nachfrage, den die Verantwortlichen abklopfen ließen, als es noch nicht wie heute 60 offene Stellen zu besetzen galt. Ergebnis der Umfrage: Der Bedarf liegt nach Angaben Heinzes bei 100 zusätzlichen Wohnungen. Bislang stellt die Klinik 370 Einheiten zur Verfügung – vom kleinen Appartement bis zum Fünf-Zimmer-Zuhause für Familien, in ganz unterschiedlichem Alter und Zustand. Das Ziel ist deshalb klar: Es sollen 100 neue Wohnungen entstehen und andere, die in die Jahre gekommen sind, grundlegend saniert werden. „Wir reden von einer Investition von 70 bis 80 Millionen Euro“, sagt Heinze mit Blick auf das geplante Paket aus Abriss, Neubau und Sanierung.

Unfallklinik Murnau: Keine Fördermittel für Mitarbeiter-Wohnungen zu erwarten

Die Chefetage des Hospitals, das dem Verbund der BG-Kliniken angehört, kann nicht selbst die Bagger anrollen lassen. Für Mitarbeiter-Wohnungen, sagt Heinze, seien keine Fördermittel zu erwarten, die Errichtung entspreche auch nicht dem Satzungszweck, dem man unterworfen ist. Und: Heinze erinnert daran, dass die Unfallklinik 2019 ein Rekordminus eingefahren hat, das die finanziellen Möglichkeiten beschränkt(e); nun befindet sie sich auf einem Konsolidierungskurs.

Um zu einer Lösung zu kommen, haben die Verantwortlichen ein Konstrukt ersonnen, das sie auf einem für sie völlig neuen Weg ans Ziel bringen soll. Die Grundidee: Die Unfallklinik sucht einen geeigneten Investor, dem sie ein relativ großes Grundstück mit Platz für 100 Wohnungen auf dem eigenen Gelände für eine Bebauung über einen Erbbaurechtsvertrag gegen einen laut Heinze „sehr, sehr geringen Erbpachtzins“ zur Verfügung stellt. Der Partner schafft Wohnraum und bietet diesen, da er die Kosten für den Grunderwerb spart, ausschließlich Klinikmitarbeitern nach sozialen Kriterien vergleichsweise günstig an. „Den Investor müssen wir mittels Ausschreibung suchen“, betont Heinze. Man arbeite mit Hochdruck daran. Es gilt, „jemanden zu finden, der zu uns passt“.

Lange Beziehung mit dem Investor: Erbpachtvertrag über mindestens 50 Jahre

Schließlich schwebt der Verwaltungschefin keine kurze Affäre vor, sondern eine lange, möglichst glückliche Beziehung. „Erbpachtverträge laufen mindestens 50 Jahre“, über diesen Zeitraum bleibt man „mit dem Partner verbandelt“. Deshalb stecke die Klinikleitung viel Energie in diese Suche. „Wir wollen die beste Lösung für unsere Mitarbeiter finden“, stellt Heinze klar. Man peilt dabei ein Verhandlungsverfahren an, die „freieste Ausschreibungsmöglichkeit“. Heinze setzt als zeitlichen Horizont für diese Phase geschätzt sechs bis neun Monate an. Die genaue Dauer werde davon abhängen, „wie viele Interessenten sich melden“. Bis die ersten Mitarbeiter einziehen, werden Jahre vergehen.

Eine Hürde, die Heinze als hoch erachtet hatte, ist bereits überwunden: Die Gesellschafterversammlung ließ sich von der Investor-Neubau-Variante überzeugen. Das Gremium hätte diese „zum Scheitern bringen können. Für Unfallversicherungsträger ist das kein übliches Modell“. Eher schon ein absolutes Novum.

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