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Internationales Publikum: Fachleute beim Jubiläumssymposium an der Unfallklinik Murnau.

Jubiläum im Zentrum für Rückenmarkverletzte 

Unfallklinik ist Murnaus Arbeitsplatz-Riese

Was bedeutet es, querschnittgelähmt zu sein - heute und vor 50 Jahren? In der  Unfallklinik Murnau wird dies deutlich.

Murnau – Eine Querschnittlähmung ist viel mehr, als nur nicht mehr gehen zu können. Dies hat der stellvertretende bayerische Landtagspräsident Karl Freller (CSU) am Freitag in der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Murnau im Rahmen eines zweitägigen Jubiläumssymposiums des Zentrums für Rückenmarkverletzte unterstrichen, das seit 50 Jahren besteht. Angesichts der hohen Arbeitsbelastung im Pflegebereich im Allgemeinen forderte Freller unter dem Beifall der rund 250 Zuhörer mehr Zeit der Pflegekräfte für ihre Patienten und einen grundlegenden Wandel im Gesundheitswesen. Auch warnte er vor technokratischen Entscheidungen in diesem Bereich.

Für die rund 30 Fachvorträge internationaler medizinischer Kapazitäten, eine Podiumsdiskussion, Bilderausstellungen und Filmvorführungen waren unter anderem Fachreferenten aus den USA, Kanada, Australien, Spanien und England angereist. Geschäftsführerin Sarah Heinze thematisierte im großen Hörsaal des Klinikums die massiven Veränderungen bei der Behandlung Querschittgelähmter in den vergangenen fünf Jahrzehnten. „Vor 50 Jahren ging es vor allem um das Überleben der Betroffenen“, betonte sie. „Vieles, was heute zum Standard gehört, gab es damals nicht.“

Am Beispiel eines nahen Verwandten erlebte Heinze den Umgang mit Rückenmarkverletzten aus nächster Nähe: „Man musste ständig auf die Urinbeutel achtgeben, es gab altertümliche Rollstühle, und die Umgebung war nicht behindertengerecht gestaltet.“ Auch bei der Pflege habe sich viel verändert, stellte die Geschäftsführerin fest: „Verkürzte Liegezeiten und Arbeitsverdichtung führen dazu, dass für die einzelnen Patienten wenig Zeit bleibt.“

Der Ärztliche Direktor Dr. Fabian M. Stuby erinnerte an die Kostenträger, die eine so aufwändige Behandlung, wie sie Querschnittgelähmte brauchen, erst ermöglichten. Zudem wagte er einen Blick in die Zukunft: „Natürlich geht das alles nur, wenn man am Zahn der Zeit ist und man moderne Therapiemethoden austestet und auch anwendet, wenn sie sich als gut erweisen. Ich hoffe, dass wir bald sagen können, dass wir hier mit führenden Forschern Entwicklungen mit Robotik und künstlicher Intelligenz zum Wohle der Patienten vorantreiben können.“

Einen Aspekt, der heute fast in Vergessenheit geraten ist, brachte Pflegedienstleiter Peter Schersach zur Sprache. „1969 wurde nicht nur das Querschnittzentrum eröffnet, sondern auch die Kohlebergwerke in Peißenberg und Penzberg wurden geschlossen. Das heißt, es kamen Arbeitskräfte auf den Markt – kräftige junge Männer, von denen wir damals eine größere Zahl eingestellt haben. Aus dem Bergwerk in die Pflege – das war ein Erfolgsmodell.“ Hätten doch viele der Bergleute auch über soziale Kompetenzen verfügt.

Der stellvertretende Landrat Dr. Michael Rapp (CSU) hob die seit 2007 währende, enge Zusammenarbeit zwischen UKM und Klinikum Garmisch-Partenkirchen hervor. „Zusammen haben beide Häuser 1100 Betten und versorgen jährlich rund 100 000 Patienten“, listete er auf. Als „Dreh- und Angelpunkt unserer wirtschaftlichen Entwicklung“ bezeichnete der Murnauer Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) die Klinik: „Fast 40 Prozent aller Arbeitsplätze sind dort angesiedelt. Sie hat eine enorme Bedeutung für den Ort.“ Für Querschnittgelähmte in ganz Deutschland und darüber hinaus sei die Klinik ein „Ort der Hoffnung“.

Die Chefärztin des Zentrums, Dr. Doria Maier, führte durch einen intern entstandenen Film in das Symposium ein. Darin wurden die Anfänge der Einrichtung über fünf Jahrzehnte hinweg nachgezeichnet.

Das Programm umfasst Vorträge zur Historie der Querschnittlähmung, zu Behandlungs- und Versorgungsstrategien, Forschung sowie Zukunftssicherung durch Wissenstransfer.

Heino Herpen


Lesen Sie auch: Wohnungsbau: Unfallklinik Murnau hinkt hinterher

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