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Unfallklinik Murnau: Schlagkraft zahlt sich bei Zugunglück aus

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Von: Silke Reinbold-Jandretzki

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Überregionales Traumazentrum: Die Unfallklinik Murnau ist für 
 die Behandlung Schwerstverletzter gerüstet.
Überregionales Traumazentrum: Die Unfallklinik Murnau ist für die Behandlung Schwerstverletzter gerüstet. © Bartl Archiv

Die Unfallklinik Murnau zählt zu den größten Traumazentren Deutschlands, ist spezialisiert auf die Behandlung Schwerstverletzter. Rund um die Uhr für alle Notfälle gerüstet zu sein, kostet viel Geld – und hat sich zum Beispiel beim Zugunglück von Burgrain ausgezahlt. Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Fabian Stuby zieht ein positives Fazit.

Murnau – Die Katastrophe von Burgrain trug sich um die Mittagszeit zu – ein wenig Glück in diesem unfassbaren Unglück, bei dem fünf Menschen starben und 68 mitunter schwerst verletzt wurden. Der Zug entgleiste zu einem Zeitpunkt, als in der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Murnau (BGU) regulärer Hochbetrieb herrschte, jede Menge Mitarbeiter im Haus waren. Fünf Menschen, die jeweils mehrere Verletzungen erlitten hatten, die jede für sich bereits ihr Leben bedrohte – also Polytraumata –, kamen in kurzen Zeitabständen in die BGU: vier direkt in den Operationssaal, einer erst auf die Intensivstation und dann in den OP.

Unfallklinik Murnau: Rund um die Uhr sind Spezialisten verfügbar

Die Unfallklinik ist als überregionales Traumazentrum für genau solche Katastrophen gerüstet. Das erläuterte der Ärztliche Direktor Prof. Dr. Fabian Stuby bei einem Pressegespräch. Die Spezialisten müssen in der Lage sein, zwei Polytraumata zum gleichen Zeitpunkt plus einige Schwerverletzte zu behandeln. Dafür hat der Maximalversorger entsprechend viele Teams vorzuhalten, rund um die Uhr. Beim Zugunglück, sagt Stuby, habe man gesehen, dass dies sehr gut klappe. Das galt in seinen Augen ebenso für die Verteilung der Schwerverletzten im Landkreis auf sein Haus und aufs Klinikum Garmisch-Partenkirchen, für die Zusammenarbeit mit Rettungsdiensten und weiter entfernten Krankenhäusern wie Innsbruck. „Dies zeigt auch, dass dieses Traumanetzwerksystem, das die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie mit den Krankenhäusern ins Leben gerufen hat, sehr gut funktioniert.“ In diesem kooperieren seit einigen Jahren bestimmte Kliniken, die sich unter anderem durch Ausstattung, 24-stündige Verfügbarkeit und Fachkompetenz in der Versorgung Schwerstverletzter auszeichnen. Auch die kostspielige ständige Verfügbarkeit von Personal für Ausnahmesituationen gehört dazu. Das Zugunglück habe gezeigt, dass „eine entsprechende Vorhaltung notwendig ist“, betont Stuby. Er hofft, dass dies, als einziger positiver Effekt dieses Ereignisses, „nach außen hin klar wird“. Als Klinik, die sich mit Traumata beschäftigt, habe man „immer anfahrbereit“ zu sein, auch wenn es Zeiten gebe, in denen niemand eingeliefert werde. Doch „wenn alle kommen“, stellt Stuby klar, müsse die Klinik in der Lage sein, diese zu versorgen. „Diese Vorhaltung“, kritisiert der Ärztliche Direktor, „ist das, was nicht finanziert wird momentan.“ Allein in der Chirurgie sind 24 Ärzte im Dienst. Um einen OP-Saal zu führen, braucht es an die 10 Personen.

Nach Zugunglück bei Burgrain: Programm in OP-Sälen der Unfallklinik wird gestoppt

Alarm löste man nach dem Zugunglück nur für die Diensthabenden aus, weitere Mitarbeiter wurden lediglich benachrichtigt und mussten sich bereithalten, aber letztlich nicht in die Klinik kommen. Das Programm in den OP-Sälen wurde gestoppt, um die Opfer der Katastrophe sofort operieren zu können. Sechs Notfallmediziner waren beim Unglück direkt vor Ort, um die Schwerstverletzten zu versorgen und eine Triage vorzunehmen, Betroffene also nach der Schwere ihrer Blessuren einzuteilen. „Wir konnten dann hier mit den Teams die optimale Versorgung für jeden gewährleisten“, sagt Stuby.

Zwei Katastrophen-Opfer noch stationär in der Unfallklinik Murnau

Zwei der fünf Zugunglück-Patienten, die schwerste Polytraumata davontrugen, befanden sich auch gestern noch in der Unfallklinik in stationärer Behandlung. Sie seien stabil, sagt Stuby, wiesen aber offene Frakturen auf, die sich bei der langwierigen Rettung aus dem Zug infizierten. In der Unfallklinik werden sie nun rehabilitiert. Ihr Leben aber wird nicht mehr das alte sein.

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