Die Unfallklinik Murnau aus der Vogelperspektive.
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Steht für Spitzenmedizin: die Unfallklinik Murnau.

Fokus liegt nun wieder auf dem Kerngeschäft

Keine Patienten aus den arabischen Staaten mehr: Murnaus Unfallklinik schreibt rote Zahlen

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Murnaus Unfallklinik gilt als ein Haus der Spitzenmedizin – international renommiert und profitabel. Doch die Jahre 2018 und 2019 waren in wirtschaftlicher Hinsicht alles andere als erfolgreich: Sie wurden jeweils mit einem dicken Minus in Millionenhöhe abgeschlossen.

  • Die Freudenjahre sind vorbei: Die Unfallklinik Murnau hat 2018 und 2019 ein Minus geschrieben.
  • Aus den Ölstaaten kamen plötzlich keine Patienten mehr.
  • Dank Rücklagen ist das Unternehmen nicht gefährdet.

Medizin „Made in Germany“ wird im Ausland hoch geschätzt. So sehr, dass sich jedes Jahr ein zahlungskräftiges Klientel in Deutschland behandeln lässt. Das Zauberwort lautet „Medizintourismus“ – ein lukratives Zusatzgeschäft für die hiesige Kliniklandschaft.

Auch Murnaus Unfallklinik (UKM) sprang vor über zehn Jahren auf diesen Zug auf – und investierte kräftig, um vor allem Kunden aus den reichen arabischen Golfstaaten zu gewinnen und ihnen den Aufenthalt im oberbayerischen Voralpenland so angenehm wie möglich zu machen. Teilweise stellten die Gäste aus den Ländern von 1001 Nacht gut fünf Prozent aller Patienten – und ließen die Einnahmen des 600-Betten-Hauses sprudeln. Ob nun eine eigene Station, ein muslimischer Gebetsraum, ein Koch oder ein Dolmetscher – für das Deluxe-Publikum, etwa aus Saudi-Arabien, Kuwait oder den Vereinigten Arabischen Emiraten, wurden am Staffelsee weder Kosten noch Mühen gescheut.

„Politische Verstimmung" trifft Murnauer Unfallklinik hart

Doch dann kam 2018, wie jetzt der Kaufmännische Direktor Christian Schroth auf Tagblatt-Nachfrage berichtet, das abrupte Ende. „Das war kein Murnau-Problem“, stellt der Manager klar. Aber die Ölstaaten, denen die Gesundheit ihrer Bürger lieb und teuer ist, schickten plötzlich keine Patienten mehr nach Deutschland, sondern in andere Länder der Spitzenmedizin, etwa nach Südkorea oder in die USA. Schroth macht eine „politische Verstimmung“ für diesen Bruch verantwortlich, der auch das UKM traf.

Doch damit nicht genug: Ein arabisches Land – Schroth verrät nicht welches – stellte vergangenes Jahr die Zahlungen ein und ließ damit die Außenstände anwachsen. „Wir haben offene Rechnungen in Millionenhöhe“, räumt Schroth ein.

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Die Folge: Wertberichtigungen, die Abschreibungen gleichkommen, und weitere Belastungen verhagelten dem Vorzeige-Betrieb, der dem Verbund der BG Kliniken angehört, die Bilanzen der letzten beiden Jahre. 2018 betrug das Minus 4,7 Millionen Euro, 2019 sogar 8,8 Millionen Euro. Die Folge: Das international angesehene Traumazentrum, mit rund 2300 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber der Region, zog die Reißleine und verabschiedete sich weitgehend vom lange Zeit gewinnbringenden Araber-Geschäft. „Das ist nicht wirklich zuverlässlich“, lautet Schroths nüchternes Fazit.

Positive Entwicklung - bis Corona kam

Jetzt konzentriere man sich wieder voll aufs Kerngeschäft – also auf die Versorgung von Unfallopfern und den berufsgenossenschaftlichen Auftrag, Patienten vom Unfallort bis hin zur Wiedereingliederung zu begleiten. Schroth, der von einer „strategischen Neuausrichtung“ spricht, blickt trotz des Dämpfers optimistisch in die Zukunft. In spätestens drei Jahren, so sein Credo, will man wieder schwarze Zahlen schreiben.

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„Wir sind auf einem guten Weg“, ist die UKM-Führungskraft überzeugt. In diesem Jahr habe man mit einer „positiven Entwicklung“ begonnen. Doch dann kam Corona – und damit ein schmerzhafter Einnahmeausfall, weil Betten freigehalten und OP-Programme reduziert werden mussten. Zeitweise lag laut Schroth die Belegung während des landesweiten Lockdowns bei unter 50 Prozent. „Wir haben nur noch Notfallpatienten aufgenommen“, erläutert der Kaufmännische Direktor. Wie heftig sich dieser Rückschlag trotz der Ausgleichszahlungen auf das Jahresergebnis auswirken wird, sei momentan noch unklar. Aber es werde wohl erneut auf ein „deutliches Minus“ hinauslaufen, kündigt der Prokurist an.

Es drängt sich die Frage auf: Kann das UKM diese Verlustserie verkraften? Ja, sagt Schroth. „Das Unternehmen ist nicht gefährdet.“ Man habe hohe Rücklagen gebildet. Es seien weder Kurzarbeit noch betriebsbedingte Kündigungen geplant. „Wir brauchen die Leute“, betont er – und schiebt hinterher: „Es besteht kein Grund zur Sorge.

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