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Pause in Kasachstan: die Abenteurer Daniel Dekinger (l.) und Michael Hejda. 

Der Weg ist das Ziel

Unterwegs bis nach Tadschikistan: „Bayerische Buam“ kehren zurück

Michael Hejda und Daniel Dekinger sind drei Wochen lang mit einem alten Karren vom Blauen Land bis nach Tadschikistan gefahren. Auf ihrer Reise gen Zentralasien haben sie wunderbare Landschaften und Menschen kennengelernt. Und etwas Gutes getan.

Seehausen/Murnau – Gerade hatten sie das Zelt aufgebaut, in der Nähe des Bahngleises irgendwo in Kasachstan, als die zwei Männer mit ihrem Auto kamen. Zirka 50 Jahre müssen sie gewesen sein. Misstrauisch musterten sie die zwei Camper. Daniel Dekinger (23) aus Seehausen und Michael Hejda (28) aus Murnau wollten schon wieder alles zusammenpacken und sich einen anderen Ort zum Übernachten suchen. Doch dann setzten sich die zwei Männer zu den jungen Deutschen dazu. Sie tranken ein Bier und unterhielten sich mit ihnen. Obwohl sie kein Word Englisch sprachen – und die beiden Bayern kein Kasachisch. Verstanden haben sie sich trotzdem.

Es sind Erinnerungen wie diese, die Dekinger und Hejda von ihrer Reise vor allem geblieben sind. Die jungen Männer fuhren mit einem alten Subaru 7500 Kilometer vom Blauen Land bis nach Taschikistan. Die beiden nahmen an der „Tajik Rallye“ teil und traten gegen 16 anderen Teams aus ganz Deutschland, der Schweiz, Österreich und Italien an. Dabei ging es aber nicht darum, wer am schnellsten ist. „Der Weg war das Ziel“, sagt Dekinger. Und er diente einem wohltätigen Zweck. Die Teilnehmer sammelten im Rahmen der Rallye Spenden für die Caritas, die humanitäre Projekte wie den Bau von erdbebensicheren öffentlichen Einrichtungen in Tadschikistan unterstützt. Und für die Hänsel-und-Gretel-Stiftung, die sich für Kinderschutzprojekte engagiert. 750 Euro musste jedes Team zahlen, um an der Rallye teilzunehmen. Die Gelder fließen an die sozialen Einrichtungen. In Tadschikistan verschenkten die Teams außerdem ihre Autos und ihre Ausrüstung. Gesponsert wurden die beiden von Unternehmen aus Murnau, Eschenlohe und Saulgrub. Sie unterstützten sie nicht nur beim Startgeld, sondern auch bei vielen anderen Ausgaben vor und während der Reise. „Ohne diese Hilfe wäre es überhaupt nicht möglich gewesen loszufahren“, sagt Dekinger.

Wunderschöne Landschaften, beeindruckende Menschen 

Er und Hejda starteten als „Bayerische Buam“ und lernten Länder wie Rumänien, die Ukraine, Russland, Kirgistan, Kasachstan und zuletzt Tadschikistan kennen. Nicht gerade typische Urlaubsziele. „Aber wunderschöne Länder“, sagt Dekinger und kommt ins Schwärmen. Die Weite der Landschaften in Kirgistan, die Steppen, Wüsten und Hochebenen in Kasachstan, hochalpine Pässe in Tadschikistan. „Ich kann jedem empfehlen, sich das selbst anzuschauen“, sagt der 23-Jährige. Da machte es auch nichts, wenn die Straßen im Nirgendwo aufhörten. Als die Freunde in Kasachstan vier Tage auf einer „wenig bis nicht existierenden Straße“ entlangfuhren, mussten sie irgendwann auf den Feldweg daneben ausweichen. „Das haben alle so gemacht“, sagt Dekinger. Als es dort nicht mehr weiterging, fuhren sie einfach rechts von dem Weg weiter.

Aber nicht nur die Landschaften haben einen Eindruck hinterlassen. Es war vor allem die Mentalität der Menschen, die die „Bayerischen Buam“ beeindruckt hat. „Je ärmer die Länder, desto gastfreundlicher sind die Leute“, sagt der Seehauser. In der Ukraine wollten er und Hejda mit anderen Teilnehmern aus Österreich an einem See übernachten. Kurz darauf kam ein Einheimischer vorbei, der sie in sein Haus einlud. In der Früh brachte er ihnen Äpfel vorbei. Einmal ging in Kirgistan der Luftfilter kaputt. Ein Ladenbesitzer griff zielsicher zum Ersatzteil, um den beiden Abenteurern auszuhelfen. Eine Gegenleistung habe er von den zwei Fremden nicht erwartet. „Als wir ihm Geld gegeben haben, hat er sich wahnsinnig gefreut“, erinnert sich Dekinger.

Weiter ging es immer - auch wenn es ein paar Dollar kostete

Eine ähnliche Reise würde er sofort wieder unternehmen, obwohl die Organisation vorab „schon gewaltig“ war. Das Beantragen von Genehmigungen und der Visa habe am meisten Zeit in Anspruch genommen. Unterwegs ging es immer irgendwie weiter. Manchmal musste man eben ein paar Dollar dafür hergeben. Wenn er wieder einmal in Richtung Zentralostasien fahren sollte, will sich Dekinger jedoch ein bisschen mehr Zeit lassen. Dann möchte er sich die faszinierenden Landschaften der Region und die Menschen, die dort leben, ganz genau anschauen.

Magdalena Kratzer

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