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Dauerthema in Murnau: Was soll aus dem Untermarkt werden?

Debatte über Verlängerung der Murnauer Fußgängerzone

Bürgerbeteiligung via Facebook  

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Murnaus Rathaus-Chef Rolf Beuting geht in Sachen Bürgerbeteiligung neue Wege und setzt gezielt soziale Medien ein: Auf Facebook startete er erstmals eine Meinungsumfrage. Das Thema: der Dauerbrenner Untermarkt-Beruhigung. Die Resonanz ist enorm.

Murnau – Früher setzten sich Politiker an die Stammtische, um dem Volk aufs Maul zu schauen. Heute übernehmen die sozialen Medien diese Rolle. Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) hat diesen Trend erkannt und ist auf Facebook aktiv. Er nutzt das Netzwerk professionell als politische Plattform – und probierte kürzlich etwas Neues aus: Der ÖDP-Mann appellierte – mit Verweis auf einen Tagblatt-Artikel – an seine rund 1100 Facebook-Freunde, sich zum Untermarkt zu äußern. Der Anlass war ein Antrag der Grünen-Gemeinderätin Veronika Jones, die sich dafür stark macht, den Abschnitt im Ortszentrum zur autofreien Zone zu erklären.

Die Beteiligung ist für eine lokale Angelegenheit enorm: Innerhalb weniger Tage erhielt Beuting rund 190 Beiträge. „Das ist ein sehr hohes Feedback. Ich bin beeindruckt. Ich war überrascht, dass es so gut funktioniert“, erklärt er auf Nachfrage. Beuting will die Daten auswerten und in die Beratung im Gemeinderat einfließen lassen. Es gehe ihm darum, ein möglichst breites Meinungsbild der Bevölkerung zu erhalten.

Die Umfrage ist zwar nicht repräsentativ. Dennoch fallen beim Durchlesen der Postings zwei Dinge auf. Erstens: Der angeschlagene Ton ist weitgehend sachlich – was bei Facebook nicht selbstverständlich ist. Und zweitens: Sowohl Befürworter als auch Gegner einer im Süden verlängerten Fußgängerzone sind gut vertreten. Beuting vermutet, dass sich beide Lager in etwa die Waage halten. Eine eindeutige Meinungsmehrheit gebe es im Ort wohl nicht.

Die Anhänger der erweiterten Fußgängerzone versprechen sich vor allem eine höhere Einkaufs- und Lebensqualität. „Super Idee! Das würde Murnau noch attraktiver machen! Man sieht doch jetzt sehr gut, dass es bereits funktioniert“, schreibt etwa ein Diskussionsteilnehmer, der auf die derzeitige Verkehrsberuhigung im Untermarkt anspielt. Dieser wurde aufgrund der Rathaus-Baustelle vorübergehend zur Sackgasse degradiert. In einer anderen Anmerkung ist zu lesen: „Murnau kann nichts Besseres passieren als eine längere Fußgängerzone. Es liegt dann auch bei der Gemeinde, durch großzügige Regelungen die Fußgängerzone mit Leben zu füllen.“ Ein weiterer Diskutant bringt ökologische Überlegungen ein: „Der Untermarkt sollte nur für muskelbetriebene Mobilität zugelassen werden, also Fußgänger und Radfahrer. Die meisten Autos sind nur mit einer Person besetzt. Und wegen einer Person durchschnittlich 1,5 Tonnen Material zu bewegen, erscheint mir nicht sehr weise.“

Doch die Idee eines Untermarkts, in dem Autos tabu sind, stößt auch auf Ablehnung. Eine Frau meint: „Ich finde es nicht gut. Ist eh schon kompliziert genug, durch Murnau zu fahren.“ Eine andere schreibt: „Fußgängerzone? Warum? In der jetzigen Fußgängerzone ist schon kaum noch was los. Warum dann noch erweitern?“ Und in einem Kommentar steht: „Absolut unnötig. Vor allem: Was soll das kosten? Allein das Projekt Bahnhofstraße ist noch nicht mal abgeschlossen, und die Kosten explodieren.“

Und wie geht’s jetzt weiter? Beuting schlägt vor, zuerst ein Gesamtverkehrskonzept erstellen zu lassen, das auch die Auswirkungen von möglichen Eingriffen in den Verkehrsfluss untersucht. Denn: „Alles hängt zusammen.“ Ein ebenso wichtiger Punkt soll dabei ein Parkkonzept sein. Der Bürgermeister selbst will sich in der heiklen Untermarkt-Frage noch nicht festlegen. Neben der Fußgängerzonen-Lösung stehen drei weitere Varianten zur Auswahl: Man könnte zumindest ein verkehrsberuhigtes Areal schaffen – entweder mit einer wie jetzt komplett gesperrten oder mit einer geöffneten Schlossbergstraße. Oder man kehrt zur alten Regelung zurück.

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