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Viele Wespen, Hornissen und Fliegen, wenig Schnaken - Berater aus Murnau ist gut ausgelastet, doch er hat einen Wunsch

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Wespen auf Muffin mit Sahnehäubchen
Wespen auf dem Sahnehäubchen – ein gewohntes Bild derzeit. © Wolfgang Kumm/dpa

Der ehrenamtliche Wespen- und Hornissenberater Rupert Raßhofer aus Murnau hat heuer gut zu tun. Denn es gibt in diesem Jahr mehr von diesen Insekten.

Murnau – Gefühlt deutlich früher als gewohnt wird man schon seit Wochen im Freien von Wespen belästigt. „Wegen des milden Winters und des warmen Frühlings haben mehr Wespenköniginnen als in den Vorjahren überlebt und es konnten mehrere Wespenvölker gegründet werden“, klärt der ehrenamtliche Wespen- und Hornissenberater Rupert Raßhofer aus Murnau auf. Deswegen fliegen in den Gärten mehr Wespen und suchen nach Nahrung bei den Menschen, weil sie in der Natur nicht mehr genug finden.

Es gibt aber verschiedene Möglichkeiten, Wespen vom Essenstisch fernzuhalten. Zum einen die sogenannte Ablenkungsfütterung: Einfach etwas Marmelade, Fallobst, überreifes Obst oder zum Beispiel Melonenschalen ein paar Meter vom Tisch entfernt aufstellen und die Wespen werden dort hinfliegen. Eine andere Möglichkeit ist es, eine Sprühflasche auf den Tisch zu stellen und die lästigen Insekten anzusprühen, denn Wespen mögen keinen Wassernebel und fliegen weg. Um Wespen generell von der Terrasse fernzuhalten, sollte man es vermeiden, offene Speisen und Getränke stehen zu lassen.

Kaum Nistmöglichkeiten

Heuer gibt es laut Raßhofer auch besonders viele Hornissen. „Die Tiere finden in der freien Natur kaum noch Nistmöglichkeiten wie zum Beispiel Baumhöhlen, so dass sie vermehrt in den Siedlungsbereich vordringen und zum Beispiel gerne in Rolladenkästen gehen.“

Daneben fällt auf, dass dieses Jahr mehr Fliegen unterwegs sind. „Durch den milden Winter sterben weniger von ihnen, und bei den aktuellen warmen Temperaturen gibt es viele Verwesungsprozesse, was mehr Fliegen anzieht“ , erklärt Raßhofer.

Dass wir von weniger Schnaken als sonst belästigt werden, liegt ebenfalls am Wetter. Schnaken brauchen stille und flache Gewässer wie zum Beispiel kleine Tümpel, um ihre Eier abzulegen. Doch durch die Hitze in den vergangenen Wochen sind viele solcher Gewässer ausgetrocknet oder haben einen zu niedrigen Wasserstand für ihre Brutplätze. Deswegen können sie sich nicht mehr so gut fortpflanzen.

Berater „dringend notwendig“

Aber auch die Wespen und Hornissen sind daran Schuld. Weil es dieses Jahr mehr von ihnen gibt, fangen und fressen sie auch viele Schnaken. Sollte es aber in nächster Zeit noch öfter regnen, könnten die Schnaken wieder geeignete Gewässer für ihre Eier finden und sich vermehren, sagt Raßhofer. Der 70-Jährige ist eigentlich für den Landkreis Weilheim-Schongau zuständig. Viele Probleme in und um Murnau landen dennoch oft bei ihm. Raßhofer würde sich wünschen, dass es jemanden im Landkreis Garmisch-Partenkirchen gibt, der sich der Wespen- und Hornissenberatung „gescheit“ annimmt. „Das wäre dringend notwendig.“ Bei Problemen sollte immer ein Berater hinzugezogen werden, betont er. Tritt in der Gegend ein Fall auf, ist für die Beratung oder Vermittlung eines Fachmanns die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt zuständig.

Wespen sind geschützt, Hornissen sogar streng. „Eine Störung, Schädigung oder gar Vernichtung ist strafbar und erfordert zwingend eine Genehmigung durch die Behörde“, sagt Raßhofer. Der Murnauer, der auch Naturschutzwächter ist, hat heuer gut zu tun: Bisher zählte er 60 bis 70 Beratungen. Er siedelt Wespen und Hornissen auch um. „Eine aufwendige Aktion“, erzählt Raßhofer. „Das ist relativ schwierig, ohne dass man das Volk kaputt macht.“ Man benötige dafür Fingerspitzengefühl.

Emma Sach und Roland Lory

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