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Als Astronauten auf der Bühne: (v. l.) die Derblecker Kurt Schweda, Petra Albrecht, Hans-Jürger Steib, Ursula Ohliger und Adi Sam. Das Logo der Weltraummission war mit dem Konterfei des Bürgermeisters geschmückt.

Lokalpolitiker bekommen ihr Fett ab

Völlig losgelöst: Derblecker im  Weltall

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Aus der Distanz lässt sich vieles leichter kommentieren: Das dachten sich wohl auch Murnaus Derblecker und blickten bei ihrem Auftritt am Samstagabend im brechend vollen Griesbräu-Festsaal aus dem Weltraum auf die Ortsgeschehnisse. Vor allem die Lokalpolitiker bekamen dabei ihr Fett ab.

Murnau – Beim Politikerderblecken gilt eine goldene Regel: Hauptsache man kommt darin vor – egal wie beißend der Spott auch sein mag. Viel schlimmer ist es, überhaupt nicht erwähnt zu werden. Denn dann spielt man offenbar keine allzu große Rolle. Mit dieser Binsenweisheit durften sich die Volksvertreter, Gemeinde-Mitarbeiter und sonstigen Personen des öffentlichen Lebens trösten, die am Samstagabend beim traditionellen Derblecken im Griesbräu-Saal zur Zielscheibe der Spitzen und Seitenhiebe wurden.

Gut 200 Besucher – darunter jede Menge Prominenz wie Landrat Anton Speer (Freie Wähler), dessen Vize und Murnaus Altbürgermeister Dr. Michael Rapp (CSU) sowie der amtierende Rathaus-Chef Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) – verfolgten sichtlich amüsiert, wie Petra Albrecht, Ursula Ohliger, Adi Sam, Kurt Schweda und Hans-Jürger Steib in Liedern (Musik: Florian Möckl und Georg Streitel) und Redebeiträgen ihre Pointen abfeuerten. An Themen mangelte es den Vertretern des Original Murnauer Bauerntheaters nicht. Diesmal betraten sie als Astronauten verkleidet die Bühne, um sogleich in den Weltraum zu starten und sich von oben vor allem Murnauer Projekte und Protagonisten vorzuknöpfen – „völlig losgelöst“, wie es immer wieder in Anspielung an Peter Schillings 80er-Jahre-Klassiker „Major Tom“ hieß.

Die Präferenzen der Fünf waren schnell klar: „Ganz besondere Politiker“, erklärten sie, erhielten von ihnen einen „Dablecka-Stern“. Den ersten bekam einst „unser Rapp Michi“. Und der zweite ging jetzt an Speer, weil er „ein echtes Original“ sei. Weitere Anwärter seien „weit und breit nicht in Sicht“. Überhaupt waren die Derblecker mit den Murnauer Gemeinderäten nicht so recht zufrieden: In den Fraktionen herrsche eine „massive Amtsmüdigkeit“, wurde bekrittelt. „Langsam genga die Nachrücker aus“, hieß es mit Blick auf die vielen Mandatsniederlegungen in dieser Legislaturperiode. Aber es gebe auch Lichtblicke: „Junge, frische, motivierte Räte, die kritisch ihre Meinung sagen, net immer bloß Bierling, Probst oder Poczka.“ Und auch die Heimatzeitung wurde aufs Korn genommen: „Ma kennt ja moana, des Tagblatt ist das Deckblatt von unserem Bürgermeister“, lautete die Medienschelte. Kritische Stimmen im Gemeinderat von CSU, Freien Wählern oder „Mehr Bewegen“ würden „verrissen oder verschwiegen“. Nur die Ideen der Grünen kämen „gern groß raus“.

Albrecht, Ohliger, Sam, Schweda und Steib knöpften sich auch die millionenteure Rathaus-Sanierung vor. Und fragten sich, für was das riesengroße, leerstehende Foyer im Erdgeschoss des historischen Gebäudes gut sein soll. Vielleicht als „Schlafsaal“, witzelten sie – „für die Bürger, wenn die Bearbeitung der Anträge länger dauert.“ Und auch mit dem neuen Innovationsquartier, in dem junge Unternehmer gefördert werden sollen, scheinen die Schauspieler ihre Schwierigkeiten zu haben: „Mia sagn des oide Krankenhaus, obwohl IQ drauf steht, aber gar koa IQ, also Intelligenzquotient, drin ist.“

Mit Beutings Personalpolitik in der Rathaus-Verwaltung gingen sie ebenfalls hart ins Gericht: „Wer fördert die Wirtschaft, Tourismus und Verkehr. Die Manager san z’wenig, wir brauchen einen mehr“, reimten sie süffisant. Dafür hapere es gewaltig beim Internet-Ausbau. Die Chinesen bräuchten nicht extra auf die Rückseite des Mondes fliegen, um dort Funklöcher besser erforschen zu können. „Da hätten’s auch zu uns kemma könna.“ Und in der Murnauer Bucht gehe auch nichts vorwärts. „Andere Orte hätten schon längst was draus gmacht für Einheimische und Gäste. Aber der Tourismus am Staffelsee werd net gefördert, da war ja vor 100 Jahr mehra los do unten“, bekamen die Besucher zu hören.

Und wie hat’s gefallen? Rathaus-Chef Beuting nimmt die Abreibung mit Humor: Er spricht auf Tagblatt-Nachfrage von „vielen gelungenen Beschreibungen des Murnauer Ortsgeschehens“. Offenbar gewinne man mit dem Abstand aus dem Weltall ein „klareres Verständnis“.

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